Tierschutz in Karlsruhe
Mit Video | Im Gespräch mit der Karlsruher Bürgerinitiative „Stoppt die Asiatische Hornisse!“

Tierschutz in Karlsruhe Mit Video | Im Gespräch mit der Karlsruher Bürgerinitiative „Stoppt die Asiatische Hornisse!“

Interview
Quelle: meinKA/Pixabay/Melanie Hofheinz

Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) breitet sich zunehmend in Karlsruhe aus und stellt eine Bedrohung für die heimischen Arten, wie die Honigbiene, dar. Die Karlsruher Bürgerinitiative „Stoppt die Asiatische Hornisse!“ will dagegen vorgehen.

 

„Stoppt die Asiatische Hornisse“

Die Karlsruher Bürgerinitiative „Stoppt die Asiatische Hornisse“ wurde Anfang des Jahres von den Imkern Heike Jung und Rainer Romer gegründet. Die Initiative will darauf aufmerksam machen, wie gefährlich die Ausbreitung der Asiatische Hornisse ist und über Möglichkeiten zur Bekämpfung informieren.

 

Wer steht hinter der Bürgerinitiative „Stoppt die Asiatische Hornisse!“ und was macht sie? 

Heike Jung | Bürgerinitiative „Stoppt die Asiatische Hornisse!“: 

„Wir sind ein kunterbunter Haufen – überwiegend Imker – weil die Imker spüren die asiatische Hornisse am schnellsten: Im Herbst, wenn es nicht mehr viele Insekten gibt, dann sind die vermehrt an den Bienenvölkern und machen einiges kaputt – ganze Völker sterben. Viele Hobby-Imker haben bereits wegen der Asiatischen Hornisse aufgegeben. Aber die Asiatische Hornisse macht sogar noch mehr Probleme: Daher wollen wir schauen, dass die Sicherheit der Bevölkerung nicht leidet, denn es kann schnell schiefgehen, wenn man die Asiatische Hornisse nicht entdeckt und das Nest größer wird. Dann haben wir Ernteausfälle – da wollen wir als Bürgerinitiative einfach gegen arbeiten.“

 

Warum ist es notwendig, die Asiatische Hornisse zu vernichten?

Reiner Romer | Bürgerinitiative „Stoppt die Asiatische Hornisse!“: 

„Normalerweise sind wir ja Naturschützer und Naturliebhaber – mögen Insekten. Es ist es hier eine neophytisch wirkende Insektenart, die sich sehr leicht ausbreiten kann. Sie hat keine Feinde hier in der Umgebung – das einzige, was sie begrenzt, ist das Nahrungsangebot – doch das ist bei uns sozusagen unbegrenzt, was Eiweiß angeht – zum Beispiel Bienen und andere Insekten. Ein Nest der asiatischen Hornisse frisst circa 10 bis 15 Kilogramm Insektenmasse pro Jahr – zum Vergleich: Eine Vogelfamilie frisst nur 3 bis 6 Kilogramm. Wir haben in einem Nest rund 3.000 asiatische Hornissen, die dann alle auf Suche nach Futter sind. Wenn ich bei meinen Bienen bin, dann sehe ich 10 bis 15 Asiatische Hornissen, die wie ein Hubschrauber vor dem Flugloch stehend und sich eine Biene nach der anderen abgreifen.“

„Es ist also schon eine bedrohliche Situation – aber auch für uns Menschen gefährlich, weil die Asiatischen Hornissen nisten nicht nur oben in den Bäumen, sondern auch in Gebüschen/Hecken in Bodennähe – fliegt da ein Ball von spielenden Kindern rein, dann werden die sehr aggressiv: die Ausscheidung, welche sie verteilen, injizieren sie, nicht nur in den menschlichen Körper, sondern spritzen es auch ins Gesicht – das ist nicht ohne, es ist sehr gefährlich!“

 

Ein großes Hornissennest. | Quelle: Melanie Hofheinz

 

Aktuell ist es wichtig, die Hornissen-Königinnen zu fangen – welche Möglichkeiten gibt es da? 

Heike Jung | Bürgerinitiative „Stoppt die Asiatische Hornisse!“: 

„Die erste größere Aktion unserer Initiative ist das Docht-Becher-System, um aktuell die Königinnen der Asiatischen Hornissen zu fangen: Das System besteht aus zwei Bechern und einem Docht, dieser wird durch beide Becher-Deckel gefädelt. In einen der Becher kommt unsere Flüssigkeit (ein Gemisch aus Bier, Wein, Sirup) rein und der Deckel inklusive Docht wird draufgeschraubt. Danach kommen die Tiere – Schmetterlinge, Bienen, etc. – aber auch die Asiatische Hornisse – und wenn diese kommt, dann muss man den zweiten Becher nehmen uns auf den Deckel setzen und zudrehen. Dann ist die Asiatische Hornisse gefangen und sollte mindestens drei Tage lang in den Gefrierschrank – und der Fund sollte gemeldet werden.“

 

Das Docht-Becher-System zum Fangen der Asiatischen Hornisse. | Quelle: Melanie Hofheinz

 

Wo kann man die Sichtung oder/und den Fang der Asiatischen Hornisse melden? 

Reiner Romer | Bürgerinitiative „Stoppt die Asiatische Hornisse!“: 

„Melden kann man die Sichtung oder den Fang einer Asiatischen Hornisse bei der LUBW – die kartografieren und dokumentieren das  – so bekommen wir ein Bild von der Lage, wo überall Asiatische Hornissen unterwegs sind. Wer mag, kann auch uns direkt eine E-Mail (stopptah@gmail.com) schicken und uns mitteilen, dass man eine Asiatische Hornisse eingefangen und eingefroren hat – dann geben wir diese nämlich gerne in das Naturkundemuseum Karlsruhe. Dort wird sie untersucht: Wir möchten so Informationen über den genetischen Ursprung und erfahren, ob es eine begattete Königin ist.“

„Wer die Asiatische Hornisse nicht gefangen, sondern nur hat wegfliegen – der sollte genau hinterherschauen, denn die fliegen meist nicht weit um die aktuelle Zeit. Daher ist die Chance sehr groß, dass die Asiatische Hornisse samt Primärnest gefunden wird – und man dieses dann entfernen kann. Denn die Königin legt dort ihre ersten Eier ab – das Nest wird dann immer größer – und irgendwann Ende Mai, Anfang Juni – wird sich dieses gebildete Volk, welches sich auf 200 bis 300 Individuen vergrößert hat, umsiedeln in ein größeres Nest.“

 

Wie kann man bei der Bürgerinitiative mitmachen oder sie unterstützen?

Heike Jung | Bürgerinitiative „Stoppt die Asiatische Hornisse!“: 

„Jetzt aktuell geht es ja darum, die Königinnen zu fangen: Wer einen Garten/Hinterhof hat, der kann sich gerne so ein Becherset von uns abholen. Wir haben verschiedene Stellen in Karlsruhe und Umgebung. Da kann man sich per E-Mail (stopptah@gmail.com) bei uns melden. Und es wäre toll, wenn einfach jeder bei sich Zuhause nach Nestern Ausschau hält. Ansonsten kann man sich direkt bei unserer Initiative melden – es gibt weitere Dinge, bei denen man Helfen kann  – wir brauchen gerne noch Unterstützung.“

 

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