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EM im Casino in Baden-Baden: Croupier mit Fingerspitzengefühl und Köpfchen

News EM im Casino in Baden-Baden: Croupier mit Fingerspitzengefühl und Köpfchen

Quelle: Uli Deck/dpa
dpa

Temin Joguncic zählt zu den besten Croupiers Europas. Bei der Dealer-EM in Baden-Baden will er es erstmals aufs Podium schaffen. Worauf es dabei aufkommt und warum der Job seine Berufung ist.

Flink huschen die Finger über den Black-Jack-Tisch, sammeln die Jetons ein. Dann verteilt Temin Joguncic die Karten. Vor einer Spielerin liegen zwei Zehnen. «Na, sind Sie ein bisschen crazy?», schäkert der Croupier. Bei einem anderen Spieler bemerkt er einen falschen Chip und weist den Mann freundlich darauf hin, dass er den jetzt nicht nutzen dürfe.

Für Joguncic ist es keine Spielleitung wie jede andere, wenngleich der Mitarbeiter des Casinos Baden-Baden ein Heimspiel hat. Hier finden die European Dealer Championship statt, also die Europameisterschaften der Croupiers und Dealer. 31 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus 17 Ländern.

«Ich merke schon, dass ich nervös bin», sagt der 27-Jährige. Dreimal in Folge ist er Deutscher Meister geworden, zuletzt im April. Und vergangenes Jahr in Bregenz holte er den vierten Platz bei der EM. Nun will er es gerne unter die Top Drei schaffen. «Das wäre natürlich ein Traum.» Die Stimmung ist gut, die Dealer kennen sich. Es wird gelacht, applaudiert, auf Schultern geklopft.

Aber das Heimspiel bringt auch mit sich, dass Familie, Freunde und Kollegen zuschauen. «Jedes Augenpaar mehr ist ein Fünkchen mehr Aufgeregtheit.»

Mathematik und Blickkontakt

In den Disziplinen Roulette und Black Jack müssen die Teilnehmer beweisen, dass sie mehr als nur das Spiel beherrschen. Die Bewertungskriterien der European Casino Association haben es in sich: So sollen die Dealer etwa Kundenerwartungen «übertreffen» und angemessene Körpersprache verwenden – einschließlich Blickkontakt – und das zum richtigen Zeitpunkt.

Sie sollen am Tisch ungewöhnliches Verhalten und Einsatzmuster erkennen. Auch achtet die Jury laut dem Kriterienkatalog unter anderem darauf, ob die Dealer beim Umgang mit Geld stets offene Handflächen zeigen.

Hinzu kommen sogenannte Side Events, in denen es zum Beispiel darum geht, Chips umzusortieren (Best Cutting Chips) oder die korrekte Auszahlung schnell zu berechnen. In dieser Kategorie wurde Joguncic bei der EM 2025 als Best Mathematician ausgezeichnet. «Kopfrechnen lag mir schon immer gut», sagt er.

Joguncic zählt konzentriert mit einem Stift in der Hand die Stapel ab, die Lippen bewegen sich mit. Als er seine Lösung aufgeschrieben hat, verlässt er den Tisch mit einem Lächeln. Die drei Konkurrenten rechnen noch eine Weile weiter.

So ganz sicher ist Joguncic sich später nicht, ob alles stimmt. «Aber es ist wie nach Mathearbeiten. Wenn mich jemand nach der Lösung fragt, weiß ich sie nicht mehr.» Ob es gereicht hat, wird er am dritten Abend des Events erfahren.

«Den Tisch lesen»

Zu seinem Job ist der gebürtige Baden-Badener als Aushilfe gekommen. Da war er 19 Jahre alt, hätte selbst noch nicht im Casino spielen dürfen. «Eigentlich wollte ich nur ein bisschen Geld vorm Studium verdienen», sagt er. Doch im ersten Semester merkte der junge Mann, dass er seine Berufung gefunden hat.

Als Nachteile bringe die Arbeit Nacht- und Wochenendarbeit mit sich. Dass er aber ausschlafen könne und Zeit bis zum Nachmittag habe, gefalle ihm. Und dann sei kein Arbeitstag wie der andere. Gerade durch den Tourismus habe er mit vielen Menschen unterschiedlicher Herkunft zu tun.

Das Wichtigste sei für ihn, «den Tisch zu lesen». Croupiers seien Entertainer und Dienstleister. «Wir sind nicht nur Maschinen, die alles abfertigen.» Die einen Spieler mögen es lockerer, die anderen gucken streng. «Mir reicht einer von Vieren, der mir Feedback gibt, damit ich nicht wie vor eine Wand rede.»

 

Und hin und wieder kommt das Thema Spielsucht auf. «Als Croupier hat man auch Verantwortung für die Menschen», sagt Joguncic. Für den Umgang mit Betroffenen würden die Mitarbeiter geschult. Er sage dann Fachleuten Bescheid, die das Gespräch suchten. «Das wird nicht am Tisch geregelt.»

Croupiers und Dealer seien eine wichtige Schnittstelle zwischen Spielbetrieb und Prävention, betont Stefan Grupp von der Landesstelle für Suchtfragen: Sie seien am nächsten am Spielgeschehen und könnten frühe Warnsignale eines problematischen Spielverhaltens erkennen, könnten Pausen empfehlen oder auf Hilfsangebote verweisen. «Der beste Croupier Europas ist nicht nur technisch präzise, sondern schützt aktiv die Gesundheit der Spielenden.» Die Spielbanken als Betreiber wie auch die Politik müssten Spielerschutz verankern.

Repräsentant einer ganzen Berufsgruppe

Läuft alles reibungslos, quittieren Spieler einen Abend schon mal mit Trinkgeld oder sind enttäuscht, wenn der Croupier in die Pause geht. «Das ist dann schon schön», sagt Joguncic. Auch die Ehrung bei den Wettbewerben ist mehr als nur eine Auszeichnung. «Viele Gäste wissen das und sprechen mich darauf an.»

Tobias Wald, Geschäftsführer der Baden-Württembergische Spielbanken, sieht die Erfolge als Zeichen für Qualität, Professionalität und Leidenschaft. Sie seien für die Reputation der Casinos von großem Wert und zeigten, dass diese im europäischen Vergleich zu den besten Adressen der Branche gehören. Joguncic selbst zähle «zweifelsohne zu den Besten seines Fachs und ist ein professioneller wie charmanter Repräsentant einer ganzen Berufsgruppe».

Am Black-Jack-Tisch nähert sich die Spielzeit dem Ende, 20 Minuten sind abgelaufen. Mit einem charmanten Lächeln sagt Joguncic zu einem Spieler aus der Jury: «Wenn Sie jetzt mehr haben als am Anfang, bin ich zufrieden.»

 

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