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Fliegen als Hobby: Faszination Flugsport – Freiheit und Risiko am Himmel

News Fliegen als Hobby: Faszination Flugsport – Freiheit und Risiko am Himmel

Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
dpa

Was macht den Reiz am Flugsport aus? Wie Piloten mit Herausforderungen und Gefahren umgehen und warum Respekt und Aufmerksamkeit lebenswichtig sind.

Freiheit, Naturerlebnis, technisches Können: Flugsport fasziniert, birgt jedoch auch Risiken. So sind erst am Sonntag zwei Männer im Anflug auf einen Flugplatz im baden-württembergischen Weinheim beim Absturz eines Kleinflugzeugs im südhessischen Viernheim ums Leben gekommen. Was Hobbyflieger reizt und wie sie mit Gefahren umgehen.

«Wenn du einmal da oben gewesen bist, dann willst du immer wieder zurück», sagt Claus Cordes, Präsident des Deutschen Aero Clubs. «Im warmen Licht der Spätnachmittagssonne bei klarer Luft zu fliegen, das ist schon einmalig.» Fliegern böten sich faszinierende Bilder. Zudem reize am Fliegen auch die Herausforderung, in kürzester Zeit sehr weitreichende Entscheidungen treffen zu müssen. «Wenn man diesen Aufgaben gerecht wird, ist das auch ein sehr schönes Erfolgserlebnis», sagt der Lufthansa-Kapitän im Ruhestand.

Traum Wirklichkeit werden lassen

Zu lernen, ein Flugzeug zu beherrschen, sei faszinierend, beschreibt es der passionierte Segel- und Motorflieger. Zu seinen Segelflugschülern zählten 13-Jährige ebenso wie Rentner. «Die Jungen wollen es vielleicht auch beruflich machen. Und die Älteren haben ihr Berufsleben hinter sich und sagen: ‚Ich habe vom Fliegen immer geträumt, und jetzt will ich es Wirklichkeit werden lassen.’»

Insgesamt beobachte er ein zu hohes Vertrauen in elektronische Hilfsmittel, sagt Cordes. «Alles, was da rauskommt, wird als bare Münze angenommen, häufig nicht auf Plausibilität kontrolliert. Und dann kann es auch an ganz einfachen Eingabefehlern liegen, die völlig blödsinnige Ergebnisse produzieren, die dann auch übernommen werden.»

Mögliche Schwachstellen in Ausbildung frühzeitig erkennen

Um Risiken beherrschbar zu machen, brauche es vor allem Disziplin. «Und Disziplin meint in diesem Zusammenhang, sich und seine Möglichkeiten zusammen mit dem Gerät und dem Wetter, in dem ich gerade fliege, richtig einzuschätzen und auch mal im Zweifel zu sagen, nein, heute nicht.» Es gehe darum, abschätzen zu können: «Was kann das Flugzeug? Und was kann ich? Und was können wir beide zusammen unter den gegebenen Rahmenbedingungen?»

Um die Sicherheit im Flugsport zu erhöhen, entwickelt Cordes gemeinsam mit einem Jumbo-Kapitän ein Safety Management System – angelehnt an die Verkehrsluftfahrt. Dazu sollen Cordes zufolge Beinahe-Vorfälle erfasst werden, um etwaige Schwachstellen frühzeitig zu erkennen. «Es sollen auch Dinge gesammelt werden, die noch mal gut gegangen sind, um dann zu erkennen, dass es offenbar ein Ausbildungsdefizit gibt. Denn dieses Problem tritt immer wieder auf, auch wenn es Gott sei Dank selten oder nie zum Unfall führt.»

Umfassende Ausbildung und gründliche Vorbereitung

«Es ist die Freiheit, sich in der Luft zu bewegen», beschreibt Simone Bürkle vom Baden-Württembergischen Luftfahrtverband die Faszination, die vom Flugsport ausgeht. Der Mensch könne von Haus aus laufen und schwimmen, aber nicht fliegen. Das mit dem Hilfsmittel Flugzeug zu tun, sei etwas ganz Besonderes. «Es macht einfach viel Spaß, sich in der Luft zu bewegen. Und es ist natürlich mit atemberaubenden Aussichten verbunden», sagt die Pressesprecherin des Verbands. Hinzu komme die technische Herausforderung, die Maschine sicher zu beherrschen.

«Natürlich ist jeder Unfall einer zu viel», betont Bürkle. Der Absturz in Viernheim sei sehr tragisch. «Wir bedauern das zutiefst.» In der Regel sei Flugsport aber sehr sicher. Gemessen an den Millionen Flugkilometern, die jährlich etwa mit Segelflugzeugen zurückgelegt würden, seien die Unfallzahlen im Vergleich verschwindend gering.

Dazu trage eine sehr umfassende Ausbildung bei. Zudem gebe es vor einem Flug immer gründliche und intensive Vorbereitungen. «Da spielt das Wetter eine Rolle. Dann gehören natürlich Checklisten dazu, die man abarbeitet, bevor man sich ins Flugzeug setzt.» Es werde komplett durchgecheckt, ob das Flugzeug in einem technisch guten Zustand ist. «Und dann geht es immer auch darum, dass der Pilot Eigenverantwortungen hat und sich fragt: ‚Fühle ich mich heute gut? Bin ich gesundheitlich fit? Bin ich ausgeruht? Habe ich heute die nötigen Voraussetzungen, um zu fliegen?’»

Gefühl von Freiheit und Zusammenhalt

«Wir sind der Meinung, es ist ein sicherer Sport, auch wenn nicht auszuschließen ist, dass etwas passiert», sagt Rainer Pauli, 1. Vereinsvorsitzender der Segelfliegergruppe «Steinkopf» im mittelhessischen Pohlheim. Dort waren im Juni zwei Männer bei einem Absturz gestorben. «Das ist aber auch so, wenn Sie in ein Auto einsteigen oder Motorrad fahren.»

Der tödliche Unfall im Sommer habe für sehr große Betroffenheit im Verein gesorgt, berichtet Pauli. «Wir haben den Absturz und seine Ursache bei uns nochmal besprochen. Und ganz wichtig ist, dass wir ein sehr, sehr hohes Sicherheitslevel haben.» So würden die Vereinsmitglieder regelmäßig im Bereich Sicherheit geschult. «Wir machen regelmäßig auch Absturzübungen und Sicherheitsbelehrungen.»

«Sie fliegen nicht mit Angst, sondern sie fliegen mit Respekt», betont er. Die Intention für den Flugsport sei, «dass man noch mal eine ganz andere Ebene erleben kann. Das ist so ein Gefühl von Freiheit und Zusammenhalt, weil Flugsport auch ein Mannschaftssport ist», erklärt Pauli.

 

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