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Futtermangel wegen Hitze: Erste Bauern geben Tiere zum Schlachter

News Futtermangel wegen Hitze: Erste Bauern geben Tiere zum Schlachter

Quelle: Angelika Warmuth/dpa
dpa

Winterreserven sind schon aufgebraucht, die Preise explodieren: Landwirte kämpfen mit dramatischen Folgen der Hitze. Und nicht selten greifen sie zum letzten Mittel, um ihre gesunden Tiere zu retten.

Für viele Bauern ist es der schmerzhafte letzte Schritt, um das wirtschaftliche Überleben ihres Hofes zu sichern: Durch die wochenlange Hitze und Trockenheit brechen die Futterbestände in Baden-Württemberg so stark ein, dass Landwirte erste Tiere frühzeitig zum Schlachthof bringen müssen.

«In mehreren Regionen werden Tiere aufgrund der angespannten Futtersituation frühzeitig zur Schlachtung gegeben», sagt Dominik Modrzejewski vom baden-württembergischen Landesbauernverband. In Schwäbisch Hall und Umgebung gibt es laut Verband bereits Wartelisten bei Schlachthöfen.

Auch Landwirt Harald Gronbach aus Crailsheim hat nach eigenen Angaben ältere Kühe und Tiere, die sich weniger für die Zucht eigneten, bereits schlachten lassen. «Wir sehen ja, dass die Futtergrundlage nicht ausreicht. Bis Herbst muss es regnen, sonst ist die Existenz des Betriebs auch bedroht», sagt der 59-Jährige, der insgesamt 130 Milchkühe besitzt.

Den Landwirten stehen laut Bauernverband aktuell 30 bis 40 Prozent weniger Futter zur Verfügung als sonst um diese Zeit. Auf den vertrockneten Wiesen wachse kaum neue Biomasse nach. Für Betriebe, die auf Gras und Heu angewiesen seien, fehlten damit wichtige Reserven für die kommenden Wochen.

Bauernverband spricht von dramatischer Lage

In den Kreisen Esslingen und Reutlingen wurden zudem schon bis zu 15 Prozent der Tierbestände verkauft. «Die Futtersituation ist in weiten Teilen des Landes dramatisch», sagte er. Bleibt der Regen aus, müssten die Bestände unter anderem in den Kreisen Rottweil, Tuttlingen und Tübingen sowie im Zollernalbkreis weiter abgebaut werden.

Viele Bauern verfüttern bereits ihre Reserven für den Winter. Heu, Stroh und der zweite Schnitt – das sogenannte Öhmd – sind kaum noch zu bekommen. Und wer fündig wird, muss mehr bezahlen: «Die Preise für verfügbare Ware haben sich bereits um etwa 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr erhöht», teilt der Landesbauernverband mit. Besonders hart trifft das Betriebe mit Vieh, weil sie zusätzlich Futter brauchen.

Hohe Verluste auch beim Mais

Nachschub vom Feld ist nicht zu erwarten. Auf dem Grünland habe der zweite Schnitt in fast allen Regionen kaum noch nennenswerte Aufwüchse gehabt, sagte Modrzejewski. «Teilweise sind der dritte und vierte Schnitt vollständig ausgefallen.» Aus dem Kreis Reutlingen würden Ertragseinbußen von im Durchschnitt rund 50 Prozent gemeldet.

Die Trockenheit trifft nicht mehr nur das Grünland. Auch der Mais leidet unter den hohen Temperaturen. Im Raum Schwäbisch Hall, Hohenlohe und Rems würden teilweise 30 bis 50 Prozent weniger Menge erzielt, hieß es.

Hinzu kommen regional erhebliche Schäden durch Hagel- und Unwetter. «Teilweise müssen Maisbestände vorzeitig gehäckselt werden, ohne dass ausreichende Futterqualität und -menge erreicht werden können», teilte der Verband nach einer Umfrage bei seinen Mitgliedern mit. In einigen Regionen werde deshalb bereits Körnermais als Silomais genutzt.

Verband erwartet Hilfen von der Politik

Die Lage verschärft den wirtschaftlichen Druck auf die Höfe. Hohe Betriebsmittelkosten treffen auf niedrige Erzeugerpreise, gleichzeitig fallen Ernten aus. Der Verband fordert deshalb schnelles und unbürokratisches Handeln von Bund und Land.

«Wo Futter knapp ist, müssen vorhandene Flächen genutzt werden können», heißt es vom Landesbauernverband. Stillgelegte Flächen aus den Öko-Regelungen sollten kurzfristig für die Futternutzung freigegeben werden. Auch Brachflächen sollten für den Futteranbau genutzt werden dürfen.

Ähnliche Entscheidungen will das Land nach eigenen Angaben in einem angekündigten Hilfspaket treffen.

Zudem verlangt der Verband, die für Deutschland vorgesehenen EU-Hilfen wegen der hohen Düngemittelpreise von rund 60 Millionen auf 180 Millionen Euro aufzustocken. Bei den Energiekosten brauche es ebenfalls Entlastung wie etwa den Tankrabatt. Die Landwirtschaft sei von Maschinen über die Ernte bis zur Futterbergung in besonderem Maß auf Diesel angewiesen.

 

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