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„Katastrophe für die Bienen“: So wirkt sich der Hitzesommer auf die Honigernte aus

Nachrichten „Katastrophe für die Bienen“: So wirkt sich der Hitzesommer auf die Honigernte aus

Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa/Archiv
dpa

Bienen im Notbetrieb: Trockenheit und Hitze setzen den Tieren zu. Was das für Honig-Liebhaber und Imker bedeutet. Und wie die Fachleute ihre Völker über den Winter retten wollen.

Weil Bienen diesen Sommer im Hitzestress waren und mehr den Stock kühlen mussten als Nektar sammeln konnten, könnten manche Honigsorten teurer werden. Am ehesten sei das bei Spezialitäten wie Tannenhonig zu erwarten, wo das Angebot durch Hitze und Trockenheit verknappt worden sei, teilte Kristin Krewenka vom Landesverband Badischer Imker in Zell am Harmersbach (Ortenaukreis) mit. Hingegen dürfte beim Blütenhonig die gute Frühjahrsernte eher preisdämpfend wirken. Eine verlässliche Preis-Mengen-Bilanz könne aber erst nach Saisonende gezogen werden.

Beim Landesverband Württembergischer Imker in Reichenbach an der Fils (Landkreis Esslingen) geht Präsident Helmut Horn hingegen von stabilen Preisen aus. Auch wenn es in diesem Landesteil ebenfalls keine Waldhonigernte im großen Stil gegeben habe, seien die Lager noch aus dem Vorjahr gefüllt, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Nach Zahlen des Statistischen Landesamts schwankten die Honigpreise in den vergangenen Jahren teils deutlich. Der Verbraucherpreisindex für Honig sei 2025 im Jahresschnitt um knapp 11 Prozent gesunken, im Jahr davor um fast 5 Prozent. 2022 und 2023 verzeichneten die Fachleute hingegen Zuwächse um knapp 15 beziehungsweise mehr als 10 Prozent.

 

Auf gute Frühjahrsblütenernte folgen schwache Monate

Raps, Obst und Linde, die Bienen viel Tracht – so wird das natürliche Nahrungsangebot aus Nektar, Pollen oder Honigtau genannt – bieten, hätten dieses Jahr aufgrund des Wetters deutlich früher geblüht. Die Frühtracht-Ernte sei aber zufriedenstellend ausgefallen, erklärte Krewenka.

Die Sommertrachten hingegen fehlten demnach vielerorts, weil viele Pflanzen Trockenheit und Hitze schlecht vertragen. Das Blütenangebot sinke. Auch die Honigtau-Honige (Fichte und Tanne) seien aufgrund der extremen Trockenheit nur kurz verfügbar gewesen.

«Die Trachtsaison endete vielerorts bereits Mitte/Ende Juni», schilderte die Expertin. «Seitdem haben wir eine Trachtlücke.» Sonst könnten Bienen noch im August Nektar finden, sagte der Württembergische Verbandspräsident Horn. «Aber es blüht ja nichts mehr, alles ist vertrocknet.» Für die Insekten bedeute das Stress, teils würden sie aggressiv. «Es ist eine Katastrophe für die Bienen.»

Imkerinnen und Imker fütterten daher zu. Dafür werden zum Beispiel fertiger Futtersirup oder selbst angerührtes Zuckerwasser verwendet. «Wir müssen uns um die Biene kümmern. Sie ist ein Haustier», sagte Horn.

 

Sorge um Winterbienen

«Aus dem Verbandsgebiet wird berichtet, dass die Honigbienen derzeit in eine Art Notbetrieb gehen, weil Dürre und Hitze ihnen zusetzen», teilte Krewenka aus der Geschäftsführung des badischen Verbands mit. Bei geschwächten Völkern seien auch Hitzeschäden an Honigwaben beobachtet worden – diese schmelzen. «Sehr vereinzelt wurde auch von verendeten Völkern, in der Regel kleinere Ableger, berichtet, die direkt in der Sonne standen.»

Die Verbände haben den Angaben nach in Baden rund 10.200 und in Württemberg etwa 15.500 Mitglieder. Diese bewirtschaften demzufolge insgesamt gut 80.400 beziehungsweise etwas mehr als 110.000 Bienenvölker.

«Sollte auch das Ausbrüten der Winterbienen leiden, könnten ganze Völker sterben», machte Krewenka deutlich. Besonders jetzt benötigten die Bienen eigentlich hochwertiges Eiweiß in Form von Pollen, um gesunde und robuste Winterbienen heranzuziehen.

 

Hitze belastet nicht automatisch Hornissen und Milben

Bei Feinden der Bienen ergibt sich ein anderes Bild: Extreme Hitzeperioden, insbesondere in Kombination mit Dürre, könnten für die Asiatische Hornisse problematisch werden, erklärte Krewenka. Ein direkter dämpfender Hitzeeffekt auf die Nestzahlen sei in baden-württembergischen Quellen bisher aber nicht belegt. 2025 wurden den Angaben nach hierzulande 3.300 Nester gezählt.

«Durch die Hitze bereits belastete Bienenvölker könnten durch die weitere Ausbreitung der Hornisse zusätzlich unter Druck geraten», erläuterte die Fachfrau. Horn berichtete darüber hinaus von einer Wespenplage: «Schwache Völker werden regelrecht überfallen.»

Die Varroa-Milben konzentrieren sich laut einer Analyse auf weniger verbliebene Brutzellen, die Bienen angesichts mangelnder Tracht noch haben, wie Krewenka mitteilte. Gerade in Hitzeperioden wie in diesem Sommer lohne ein genauerer Blick auf das Stockklima: Ein unterkühltes Brutnest – wenn Bienen eher kühlen als brüten – könne paradoxerweise ebenfalls Milbenvermehrung begünstigen. Eine sorgfältige Befalls-Kontrolle werde daher wichtiger.

Jedoch sei auch die Behandlung mit Tücken verbunden: Der Einsatz von Ameisensäure beispielsweise wurde laut den Fachleuten schwieriger oder gar unmöglich, da eine erhöhte Verdunstung das Tierwohl gefährdet.

 

Tonnenweise Honig importiert

Neben Honig aus heimischer Produktion kommt auch immer wieder Import-Ware aufs Brot oder in den Tee. Laut vorläufigen Zahlen des Statistischen Landesamts wurden vergangenes Jahr gut 1.260 Tonnen Honig eingeführt, allem voran aus Spanien, Ungarn und Griechenland. Hier würden auch Waren erfasst, die gegebenenfalls in andere Bundesländer weitergeleitet würden.

Auf der anderen Seite standen den Angaben zufolge Ausfuhren von mehr als 160 Tonnen. Große Teile des Honigs gingen in die Schweiz, nach Österreich, Saudi-Arabien und Frankreich.

 

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