Karlsruher SC „Auf dem Platz bin ich ein Killer“: 3 Fragen an KSC-Spieler Sandro Tremoulet
Sandro Tremoulet war zuletzt mit der Nationalmannschaft von Madagaskar in der Qualifikation für den Afrika-Cup im Einsatz. Im Gespräch erzählt der KSC-Neuzugang von besonderen Erfahrungen in seinem Heimatland, seiner Mentalität auf dem Platz und mehr.
meinKA: Du warst zuletzt mit Madagaskar in der Afrika-Cup-Qualifikation im Einsatz. Wie hast du die Länderspielpause erlebt und was nimmst du aus den Spielen für die nächsten Wochen beim KSC mit?
Sandro Tremoulet: Für mich ist die Nationalmannschaft etwas ganz anderes als der Vereinsfußball. Die Mentalität ist eine andere. Beim Club sind wir jeden Tag zusammen, bei der Nationalmannschaft kommen wir nur alle paar Monate zusammen. Trotzdem sind wir wie eine Familie. Du möchtest das bestmögliche Ergebnis für die Menschen in Madagaskar erreichen. Viele Menschen dort haben nicht viel, und Fußball ist für sie eine Möglichkeit, glücklich zu sein – vielleicht für einen Tag, eine Woche oder länger. Das macht diese Erfahrung für mich so besonders.
Wir sind bei der Nationalmannschaft sehr entspannt, singen viel und haben gemeinsam Spaß. In Europa ist die Mentalität vielleicht etwas fokussierter. Ich selbst möchte mich aber nicht verstellen und versuche ich selbst zu bleiben. Ich bin ein offener, lustiger Typ und versuche, den Jungs Freude zu bereiten und für gute Momente zu sorgen, auf und abseits des Platzes.
Das ist für mich bei der Nationalmannschaft genauso wie beim KSC. Du musst alles geben und darfst danach keine Reue haben. Diese Mentalität möchte ich auch hier mitbringen.
meinKA: Was möchtest du in den kommenden Wochen zeigen, um dir deinen Platz in der Mannschaft zu erkämpfen?
Sandro Tremoulet: Als ich nach Karlsruhe gekommen bin, wollte ich zunächst meine Position spielen und meinen Stil zeigen. Ich weiß, wie der Trainer spielen möchte. Er verlangt viel Druck und hohes Pressing. Das kommt mir entgegen, weil ich gerne schnell spiele und viel laufe. Gleichzeitig muss ich mich aber auch anpassen. Wir haben auf meiner Position gute Spieler, deshalb muss ich geduldig sein und auf meine Chance warten. Wenn ich links spielen soll,
spiele ich links, wenn ich rechts spielen soll, spiele ich rechts. Ich muss auf den Trainer hören und das machen, was die Mannschaft von mir braucht. Ich möchte meine Qualitäten einbringen, mich weiterentwickeln und der Mannschaft helfen. Ich spiele gerne mit dem Ball und gehe deshalb manchmal etwas mehr Risiko ein. Aber mein erstes Ziel ist immer, kein Gegentor zu bekommen. Wenn ich eine Situation verhindern muss, dann mache ich das. Auf dem Platz bin ich ein Killer und gebe immer alles. Ich mag zwar ein lustiger Typ neben dem Platz sein, aber während des Spiels gibt es kein Lächeln auf dem Platz.
Ich brauche momentan noch etwas Zeit, um mich an die Intensität im deutschen Fußball zu gewöhnen. Im Sommer habe ich nicht regelmäßig mit meiner Mannschaft trainiert, weil ich auf einen Transfer gewartet habe. Hier musst du viel laufen und viel pressen, daran muss ich mich noch gewöhnen. Aber ich fühle mich von Woche zu Woche besser. Jetzt warte ich auf meine Chance – egal, ob sie zehn, 60 oder 90 Minuten dauert. Ich möchte mich beweisen und der Mannschaft helfen.

Sandro Tremoulet | Quelle: aim
meinKA: Du bist in deiner Karriere schon viel rumgekommen und hast in verschiedenen Ländern gespielt. Was war der schönste Ort für dich und wo ist für dich Heimat?
Sandro Tremoulet: „Eigentlich war jede Station auf ihre Art schön. Ganz besonders war meine letzte Station in Serbien bei FK Radnik Surdulica – ein kleiner Verein in einem Ort mit ungefähr nur 12.000 Einwohnern. Dort gab es nicht viel, aber ich hatte wahrscheinlich meine beste Saison – nicht nur sportlich, sondern auch wegen der Mannschaft. Wir waren unglaublich eng miteinander und hatten eine großartige Saison. Wir haben es in die Play-offs geschafft, obwohl wir das kleinste Budget der Liga hatten. Niemand hatte erwartet, dass wir in der ersten Liga bleiben würden. Für mich war dieser Verein eine der besten Entscheidungen meiner Karriere. Ich habe dort viele gute Freunde gefunden, eigentlich sogar Brüder.
Einen Tag vor dem Spiel waren wir immer im Hotel. Für mich war das zunächst ungewohnt. Nach dem Abendessen wollte ich auf mein Zimmer gehen, aber der Trainer sagte: „Geh nicht auf dein Zimmer. Geh raus.“ Ich habe ihn angeschaut und gedacht: „Was ist denn jetzt los?“ (lacht) Dann sind wir gemeinsam Kaffee trinken gegangen. Wir haben also nicht die ganze Zeit vor dem Spiel über Fußball nachgedacht. Für mich war das eine gute Erfahrung. Ich bin ein einfacher Typ. Wenn ich irgendwo hingehen soll, gehe ich mit. Dadurch ist eine besondere Gemeinschaft entstanden. Und genau das war für mich das Beste an dieser Zeit.
Manche denken vielleicht, dass ein Wechsel in ein kleineres Land oder zu einem kleinen Verein keine gute Entscheidung ist, weil es dort nicht viele Möglichkeiten gibt. Für mich war es genau das Gegenteil. Diese Erfahrung hat mir sehr geholfen und mir den nächsten Schritt in meiner Karriere ermöglicht.
Auch Belgien war eine wichtige Station für mich. Dort habe ich meinen ersten Profivertrag unterschrieben und viel über Professionalität gelernt. Wo meine Heimat ist, ist deshalb gar nicht so einfach zu sagen (lacht). Ich habe mich an verschiedenen Orten wohlgefühlt und gute Verbindungen zu den Menschen aufgebaut. Aber jetzt ist Karlsruhe mein Zuhause. Ich habe hier meine Wohnung, fühle mich wohl und möchte beim KSC viel erreichen. Ich möchte für meinen neuen Club alles geben und in meinem neuen Zuhause erfolgreich sein.