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Landwirtschaft sorgt sich: Warum eine Kartoffelkrankheit nicht unterschätzt werden darf

News Landwirtschaft sorgt sich: Warum eine Kartoffelkrankheit nicht unterschätzt werden darf

Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
dpa

Vor allem Kartoffeln und Tomaten können von der Pilzkrankheit Krautfäule befallen werden. Noch wird diese hierzulande in Schach gehalten. Doch von Resistenzen und Hausgärten droht Gefahr.

Müssen wir um Pommes, Kartoffelbrei und Tomatensalat fürchten? Die gefährliche Pilzkrankheit Krautfäule ist weltweit vor allem für die Kartoffel eine ernste Bedrohung. Noch haben Landwirte hierzulande Mittel, sie zu bekämpfen. Aber das wird immer schwieriger. Experten warnen davor, das Problem zu unterschätzen. Wenn Resistenzen gegen Fungizide zunehmen, ist nicht nur das Grundnahrungsmittel Kartoffel in Gefahr. Auch Tomaten kann es treffen.

 

Was ist Krautfäule?

Die Pflanzenkrankheit ist nach Feststellung des baden-württembergischen Landwirtschaftsministeriums eine ernste Bedrohung für Nachtschattengewächse wie Kartoffeln und Tomaten. Krautfäule wird durch den Erregerpilz Phytophthora infestans durch Sporen übertragen, etwa durch Wind. Befallen werden Blätter, Stängel und Knollen. Wird der Pilz nicht bekämpft, können Kartoffeln im Boden verfaulen. Die Kraut- und Knollenfäule ist hochinfektiös und breitet sich besonders bei feuchtem Wetter rasch aus.

 

Was sind die Symptome bei Kartoffeln?

Blätter und Stängel befallener Pflanzen bekommen dunkle Flecken, es kann sich an der Blattunterseite ein schimmelähnlicher Sporenbesatz bilden. Pflanzen sterben ab. Eine befallene Knolle hat außen zunächst grau- oder violettbraune Flecken, später gibt es unter der Schale hässliche Verfärbungen, Kartoffeln werden schleimig und zersetzen sich.

 

Was geschieht mit Tomaten?

Tomatenfäule ist dem Ministerium zufolge die häufigste Krankheit im Tomatenanbau. Sie zeigt sich an dunklen, meist schnell wachsenden Flecken auf Blättern, Stängeln und auf der Frucht. Befallene Tomaten sind ungenießbar, Blätter rollen sich ein und sterben ab. Auch Auberginen und Paprika sind nicht vor Befall sicher.

 

Wo gibt es Krautfäule?

Die Kraut- und Knollenfäule ist nach Angaben des Agrarministeriums eine der verbreitetsten Pflanzenkrankheiten weltweit und kommt vor allem in feuchtwarmen Regionen vor. In Deutschland sind zwischen Juni und August Regionen mit hoher Luftfeuchtigkeit und dichtem Pflanzenbestand besonders gefährdet. In Baden-Württemberg zählen dazu der Schwarzwald, die Bodenseeregion und der Oberrheingraben.

Auffallend ist laut Ministerium, dass kleine Epidemien oft von Hausgärten ausgehen, wo ohne Überdachung Tomaten angebaut werden. Betroffen seien meist Privatanbauer oder kleine Gartenbetriebe, die ohne Fruchtfolge Tomaten anbauten.

 

Welche Auswirkungen gibt es?

Weltweit gilt die Kraut- und Knollenfäule als größte Bedrohung für Kartoffeln. Abhängig von Witterung und Anbauintensität können laut Ministerium Ernteverluste in einer Größenordnung zwischen 15 und 25 Prozent entstehen. In der Vergangenheit war sie sogar Auslöser großer Katastrophen: So soll die Krautfäule Grund der irischen Hungersnot in der Zeit zwischen 1845 und 1849 gewesen sein.

Auch hierzulande sorgt die Pflanzenkrankheit nach Beobachtung der Experten für «erhebliche Ertragsausfälle». In Deutschland zeige aber die Bekämpfung Wirkung. Würde man die Felder sich selbst überlassen, könnten Ertragsausfälle stark steigen.

 

Wie wird die Krankheit bekämpft?

Die Kraut- und Knollenfäule kann hierzulande unter anderem mit Fungiziden und durch den Anbau resistenter Sorten in Schach gehalten werden. Neben dem Einhalten einer mindestens vierjährigen Fruchtfolge gelten frühere Anbau- und Erntezeitpunkte als erfolgversprechend. Auch raten die Fachleute davon ab, Kartoffeln und Tomaten direkt nebeneinander anzubauen – wegen der gegenseitigen Ansteckungsgefahr.

Nur durch die Kombination unterschiedlicher Ansätze lasse sich die Krankheit langfristig und effektiv bekämpfen, betonen die Experten vom Landwirtschaftlichen Zentrum Augustenberg (LTZ) in Karlsruhe. In trockenen Jahren wie diesem oder 2022 hilft die Natur: Dann gibt es weit weniger Befall.

 

Was könnte zum Problem werden?

Experten beobachten seit einigen Jahren immer wieder Resistenzen, so dass Fungizide nicht ausreichend wirken – «mit der Erkenntnis, dass das derzeit zur Verfügung stehende Mittelspektrum langsam, aber sicher auseinanderbricht», fürchtet man im Ministerium. Auch verschiedene Stämme von Krautfäule sorgen demnach bundesweit für Probleme.

Der Agraringenieur und LTZ-Kartoffel-Experte Bernhard Bundschuh ist überzeugt: «Die Bekämpfung der Krautfäule wird schwieriger.» Resistenzen in anderen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen zeigen ihm: «Wir dürfen das Problem nicht unterschätzen.»

 

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