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Laut Sicherheitsbericht: Weniger Bedrohungen an Schulen – aber neue Straftaten erfasst

Nachrichten Laut Sicherheitsbericht: Weniger Bedrohungen an Schulen – aber neue Straftaten erfasst

Quelle: Kay Nietfeld/dpa
dpa

Die Zahl der Gewalttaten an Schulen blieb 2024 stabil – weil in der Statistik nun neue Straftaten erfasst werden. Lehrer fordern mehr Sozialarbeiter.

Die Zahl der Bedrohungen an Schulen im vergangenen Jahr ist laut Sicherheitsbericht deutlich zurückgegangen. 360 Fälle wurden erfasst. Das ist ein Rückgang um 21 Prozent, wie das Innenministerium mitteilte. Insgesamt blieb die Zahl der Gewalttaten an Schulen 2024 demnach exakt auf dem Niveau des Vorjahres: 2.545.

Allerdings verweist das Ministerium auf eine Änderung in der Statistik. So wurden im vergangenen Jahr erstmals auch Straftaten wie Beleidigung auf sexueller Grundlage erfasst, wie ein Sprecher sagte. Dadurch ergebe sich bei den bisher erfassten Straftaten sogar ein leichter Rückgang um 145 Fälle (rund 5,7 Prozent).

Mehr Opfer – aber neue Straftaten erfasst

Die Zahl der Opfer hat insgesamt zwar zugenommen. So wurden im vergangenen Jahr 3.041 Personen Opfer von Gewalt an Schulen. Im Jahr zuvor waren es noch 2.838 gewesen. Das entspricht einer Zunahme von rund sieben Prozent. Den Anstieg erklärt das Innenministerium allerdings fast vollständig mit der Änderung in der Statistik.

Zahl ausländischer Tatverdächtiger steigt deutlich

Die Zahl der ausländischen Tatverdächtigen hat laut Sicherheitsbericht deutlich zugelegt – um 22,6 Prozent auf 1.041. Dies entspricht rund 36,5 Prozent der Tatverdächtigen. Der Anteil ausländischer Schülerinnen und Schüler an der gesamten Schülerschaft lag dagegen im vergangenen Schuljahr laut Statistischem Landesamt bei 15,9 Prozent – im Jahr zuvor bei 15,3 Prozent.

Vor allem leichte Körperverletzungen

Die meisten Straftaten (89 Prozent) sind demnach Rohheitsdelikte wie Körperverletzungen sowie Delikte gegen die persönliche Freiheit, etwa Bedrohungen. Mehr als die Hälfte aller Fälle von Gewalt an Schulen sind vorsätzliche leichte Körperverletzungen. 39,6 Prozent der Opfer wurden dabei nicht verletzt – 58,5 Prozent der Opfer leicht.

Im Vergleich zum Vorjahr stieg demnach vor allem die Zahl der Lehrerinnen und Lehrer, die Opfer wurden – um rund 74 Prozent auf 245. Insgesamt 2.796 Schülerinnen und Schüler waren zudem betroffen.

Gewerkschaft GEW fordert flächendeckend Schulsozialarbeiter

Die Bildungsgewerkschaft GEW fordert im Kampf gegen Gewalt an Schulen einen flächendeckenden Ausbau der Schulsozialarbeit. Jedes Jahr sollten 100 neue Stellen entstehen, hieß es in einer Mitteilung. Zuerst müsste das Angebot an den Grundschulen aufgestockt werden.

Zudem schade auch ein Waffenverbot im Schulgesetz nicht. An vielen Schulen gebe es bereits entsprechende Regelungen, hieß es. «Oft sind wohl psychische Erkrankungen Ursachen für Gewalt», sagte GEW-Geschäftsführer Matthias Schneider. Veranstaltungen und Fortbildungen zum Umgang von Lehrkräften mit psychisch kranken Schülerinnen und Schülern seien stark nachgefragt – «ein Zeichen dafür, dass dieses Thema im Schulalltag wichtiger geworden ist».

Verband Bildung und Erziehung pocht auf Änderungen im Studium

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) pocht zudem auf eine Anpassung des Lehramtsstudiums: «Das Thema Gewalt muss in allen drei Phasen der Lehrkräftebildung (Studium, Referendariat, Fortbildung) Berücksichtigung finden, damit Lehrkräfte auch in Konfliktsituationen handlungsfähig bleiben», sagte der Landesvorsitzende Gerhard Brand.

Zudem brauche es mehr Angebote und Zeit für Schulen, um etwa Gewaltprävention und Werteerziehung leisten zu können. «Schulen sind immer ein Spiegel der Gesellschaft und wir sehen, dass der gesellschaftliche Kit seit einigen Jahren bröckelt», sagte Brand. Betroffene Lehrkräfte sollten auch psychologische Angebote sowie juristische Unterstützung durch den Dienstherrn erhalten.

Schülervertretung dringt auf Bekämpfung von Diskriminierung

Der Landesschülerbeirat (LSBR) dringt zur Gewaltprävention auf die Bekämpfung von Diskriminierung – sei es aufgrund der Herkunft, des Geschlechts oder der sexuellen Orientierung. Eine aktuelle Studie des ifo-Instituts habe gezeigt, dass Migration nicht zu steigender Kriminalität beitrage. «Gründe für Kriminalität unter Jugendlichen sind vielmehr mangelnde soziale Sicherungsnetze, fehlende soziale Integration und schlechte ökonomische Lebensbedingungen», teilte der LSBR mit. Vielversprechend sei daher die Errichtung von Schulzentren, um diesen Faktoren entgegenzuwirken – wie in Nordrhein-Westfalen.

Ministerium verweist auf psychologische Beratungsstellen

Das Kultusministerium verweist unter anderem auf die Unterstützung durch 28 schulpsychologische Beratungsstellen in Baden-Württemberg. Diese berieten Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrkräfte und Schulleitungen und unterstützten Schulen bei der Bearbeitung von Konflikten. Speziell geschulte Präventionsbeauftragte böten Schulen Fortbildungen im Bereich Gewaltprävention etwa bei Cybermobbing.

Bei der laut Ministerium bundesweit einmaligen Kooperationsvereinbarung mit dem Innenministerium zur «Polizeilichen Prävention auf dem Stundenplan» informieren Polizisten unter anderem zu Drogen, Mediengefahren und Gewalt.

Schüler dafür sensibilisieren, kein Messer mit sich zu führen

Das Innenministerium macht zudem auf ein seit August laufendes Präventionskonzept des Landeskriminalamts zur Messerkriminalität aufmerksam. Bei dem Schulmodul gehe es darum, vor allem junge Menschen zu sensibilisieren, keine Messer mit sich zu führen oder gar einzusetzen.

 

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