News aus Baden-Württemberg
Mehr Kinder pro Erzieher: Land will Standards absenken

News aus Baden-Württemberg Mehr Kinder pro Erzieher: Land will Standards absenken

Quelle: Uwe Anspach
dpa

Hinten und vorn mangelt es im Südwesten an Erzieherinnen und Lehrern. Nun müssen sie sich auch noch um Zehntausende Kinder aus der Ukraine kümmern. Das Land reagiert – mit Abstrichen beim Betreuungsstandard.

Angesichts der Krise, der hohen Zahl an Flüchtlingskindern und des Erziehermangels will die Landesregierung auf gewisse Standards in der Kinderbetreuung verzichten. So sollen bald doch wieder größere Gruppen in Kitas erlaubt werden. Man arbeite derzeit an einer Regelung für eine Überschreitung der Höchstgruppenstärke, teilte eine Regierungssprecherin am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur mit. Eine solche Ausnahmeregelung gab es bis zuletzt bereits wegen der Corona-Pandemie. Wie die konkrete Ausgestaltung aussehen soll, ist nach Auskunft des Staatsministeriums noch unklar. Eine Überschreitung der Höchstgruppenstärke werde in konkreten Notsituationen bereits jetzt geduldet, so die Sprecherin.

Künftig dürfen zudem fehlende Erzieherinnen und Erzieher durch die doppelte Zahl an nicht-pädagogischen Kräften ersetzt werden. Das Kultusministerium habe per Verordnung von vergangener Woche ermöglicht, dass der Personalschlüssel abgesenkt werden könne, verkündete Ministerpräsident Winfried Kretschmann in Stuttgart. Die Knappheit des Personals stelle ein erhebliches Problem dar, sagte der Grünen-Politiker. Der Regierungschef sprach auch davon, dass die Gruppengröße künftig flexibel gehandhabt werden solle. Er begründete das unter anderem mit 30.000 Kindern aus der Ukraine, die bereits nach Baden-Württemberg gekommen seien. Es werde nichts anderes übrig bleiben, sagte Kretschmann zur Frage, ob angesichts der Krise Standards dieser Art abgesenkt werden müssten.

Wegen der Corona-Pandemie hatte das Kultusministerium übergangsweise erlaubt, dass bei einem Ausfall von bis zu einem Fünftel der Fachkräfte diese durch nicht-pädagogische Helfer eins zu eins ersetzt werden können. Künftig sollen fehlende Erzieherinnen und Erzieher durch die doppelte Zahl von nicht-pädagogischen Kräften ersetzt werden.

Insbesondere die Kommunen – aber zuletzt auch die Grünen-Landesvorsitzende Lena Schwelling und Innenminister Thomas Strobl (CDU) – hatten gefordert, die coronabedingten Ausnahmen in Kitas für die Zahl der Erzieherinnen und Erzieher pro Gruppe zu verlängern. Im kommenden Kita-Jahr bekämen Tausende Kinder keinen Betreuungsplatz, warnten die Kommunen Ende Juli. Das Kultusministerium hingegen hatte zunächst nicht vor, die coronabedingten Ausnahmen für die Gruppengrößen über den 31. August hinaus zu verlängern. Grund sei die Sorge, dass Erzieherinnen und Erzieher wegen der Belastung durch zu große Gruppen ihren Job aufgeben.

Die FDP hält nichts von den Vorhaben. Kretschmann könne sich damit jegliche Imagekampagne für den Beruf der Erzieherin beziehungsweise des Erziehers sparen, sagte der Sprecher für frühkindliche Bildung der FDP-Fraktion, Dennis Birnstock. «Denn bei zu wenigen Fachkräften muss der Beruf attraktiver werden statt unattraktiver. Daher brauchen wir mehr Personal statt weniger.» Birnstock sprach sich unter anderem für einen erleichterten Zugang für Quereinsteiger und schnellere Anerkennungen ausländischer Fachkräfte aus. «Keinesfalls stehen wir Freien Demokraten hinter der Devise: mehr Arbeit auf weniger Schultern.»

 

 

 

 

Weitere Nachrichten

Steigende Gebühren: Mehr als 1.000 Euro für die Kita? Eltern fordern Reform

Mehr als 1.000 Euro pro Monat für einen Kita-Platz? In vielen Kommunen steigen die Kita-Gebühren weiter. Was Eltern jetzt zahlen müssen und warum die Belastung unterschiedlich ausfällt.

Reaktion auf Niedrigwasser: Lockerung des Lkw-Fahrverbots wird weiteren Monat verlängert

Eigentlich dürfen Lkw im Land an Sonntagen und Feiertagen nicht unterwegs sein. Wegen der niedrigen Flusspegel gibt es aber seit August eine Ausnahme - und die gilt erst einmal weiter.

Senior stirbt nach Wohnungsbrand in Bruchsal

Nach dem Brand in seiner Wohnung in Bruchsal (Kreis Karlsruhe) ist ein Senior seinen Verletzungen erlegen. Der 76-Jährige starb in einem Krankenhaus, wie die Polizei mitteilte.

Jubiläum in Karlsruhe: Das Bundesverfassungsgericht wird 75

In politisch stürmischen Zeiten feiert das Bundesverfassungsgericht sein 75-jähriges Bestehen. Bleibt das Gericht der freiheitlich-demokratische Fels in der Brandung?

Karlsruhe besonders betroffen: Invasive Ameise Tapinoma in 90 Kommunen nachgewiesen

Im Südwesten treiben invasive Ameisen Kommunen sowie Anwohner zur Verzweiflung. Immer mehr Kommunen sind betroffen. Warum eine Ausrottung kaum möglich ist und die Bekämpfung teuer.




 

Logo meinKA

 

Anzeige

Jetzt meinKA als Werbe-Plattform nutzen!

Informieren Sie sich über Daten, Zahlen und Fakten rund um meinKA und die entsprechenden Werbeformen in unseren Mediadaten: jetzt Mediadaten anfordern.

Wir freuen uns über Ihr Interesse und beraten Sie gerne!

 


 













Auch interessant


Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.