News aus Baden-Württemberg
Tunnelbau, Kameras & Co.: Steuerzahler beklagen Verschwendung

News aus Baden-Württemberg Tunnelbau, Kameras & Co.: Steuerzahler beklagen Verschwendung

Quelle: Jens Wolf
dpa

Jahr für Jahr veröffentlicht der Bund der Steuerzahler sein «Schwarzbuch» mit möglichen Fehlplanungen der Behörden und mutmaßlich rausgeschmissenen Geldern. Auch in diesem Jahr hat sich der Verein zu diesem Zweck wieder Beispiele aus dem Südwesten herausgepickt.

Allzu sorglosen Umgang mit Steuergeld prangert der Bund der Steuerzahler in seinem 49. «Schwarzbuch der öffentlichen Verschwendung» an – und zieht dafür auch elf Beispiele aus Baden-Württemberg heran. Unter anderem hätten mehrere Städte und Gemeinden sowie ein Zweckverband aus dem Südwesten viele Millionen Euro bei der Bremer Privatbank Greensill angelegt, die pleite ging. Allein die Gemeinde Bötzingen (Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald) habe der Bank 13,2 Millionen Euro anvertraut, heißt es in der am Dienstag veröffentlichten neuen Ausgabe. «Auf die Bürger dieser Gemeinde könnte damit ein rechnerischer Verlust von rund 2500 Euro pro Kopf zukommen.» Weitere Beispiele im Überblick:

Elektromobilität: In eine breit angelegte Kampagne, um Bürgerinnen und Bürgern die Elektromobilität in Form von kostenlosen Probefahrten näherzubringen, habe das Verkehrsministerium 400 000 Euro an öffentlichem Geld investiert. «Die Lust aufs Probefahren hält sich allerdings in Grenzen», schreibt der Steuerzahlerbund. Bei dem auf drei Jahre angelegten Projekt solle es rund 26 000 Testfahrten geben – im ersten halben Jahr seien es aber gerade einmal 2650 gewesen.

Das Ministerium entgegnete, das Projekt «Verkehrssicherheit elektrisiert» ermögliche Menschen unter anderem niederschwelligen und gebührenfreien Zugang zu E-Fahrzeug-Probefahrten. «Das Angebot wird pro Jahr etwa 6000 Menschen erreichen», teilte ein Sprecher mit. Es habe damit einen besonders hohen Kosten-Nutzenfaktor. Allerdings seien Probefahrten nur ein Element der Kampagne. So gebe es verschiedene Veranstaltungen für ein breites Publikum.

Tunnelbau: Der 400 Meter lange Weilertunnel in Schwäbisch Hall ist Teil eines Ausbaus der Bundesstraße 19, dessen Gesamtkosten sich auf inzwischen rund 100 Millionen Euro verdoppelt hätten. Neben allgemeinen Preissteigerungen im Bau werden als Gründe auch geologische und hydrologische Schwierigkeiten, Auflagen für den Artenschutz von Fledermäusen sowie zusätzliche technische Anforderungen genannt. Der Tunnel selbst ist noch gar nicht im Bau – damit soll erst im kommenden Jahr gestartet werden.

Partymeile: In Freiburg habe der Gemeinderat beschlossen, 16 Videokameras für rund 500 000 Euro anzuschaffen, um Straftaten in einem Ausgehviertel einzudämmen. Doch laut Polizei war die Kriminalitätsbelastung in der Gegend nicht zuletzt coronabedingt noch nicht so hoch, «dass eine Videoüberwachung gerechtfertigt gewesen wäre», heißt es im «Schwarzbuch». Eine tödliche Messerattacke im Oktober 2020 fand zudem unter der Woche statt – die geplanten Überwachungszeiten seien aber an Wochenenden und an Feiertagen.

Skischanze: Im vergangenen Herbst wurde die 3,2 Millionen Euro teure Sanierung der Adlerschanze in Hinterzarten (Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald) abgebrochen. «Man stellte nämlich fest, dass der Verbund aus Sprungturm, Anlaufgerüst und Schanzentisch nicht richtig zueinander passte, sondern um 80 Zentimeter versetzt aus der Spur geraten war.» Inzwischen wird weitergebaut. Von den Mehrkosten von rund 580 000 Euro habe eine Versicherung 200 000 Euro zugesagt. «Das dürften für den Steuerzahler teure 80 Zentimeter werden.»

Treppenkunst: Sorge bereitet dem Verein die Investition von 75 000 Euro für die Verzierung dreier Treppenstaffeln in Stuttgart – auf dass sie die Bürger öfter nutzten und so fitter blieben. Unter anderem ziert nun ein Brezelherz die Frontansicht der Stufen einer Treppe. «Geht es nach der Stadt, könnten indes – perspektivisch gesehen – sogar noch weitere Treppen und Stufen mit Mitteln aus dem Budget «Masterplan urbane Bewegungsräume» verschönert werden», heißt es im «Schwarzbuch» dazu weiter. «Bei mehr als 500 solcher «Stäffele-Anlagen» könnte da ein schönes Sümmchen zusammenkommen.»

Die Befürchtungen entkräftete ein Stadtsprecher etwas: Viele «Stäffele» seien denkmalgeschützt. «Und ob wir weitere Schritte unternehmen, entscheidet der Gemeinderat.» Interesse sei aber schon angemeldet worden. Auch sei die Idee aus der Bürgerschaft gekommen, die dazu animieren solle, mal wieder die Treppe zu nehmen.

«Wir möchten, dass sich die Menschen gern in ihrer Stadt bewegen. Daher haben wir zwei Treppen aufgebrezelt, die eher ein Schattendasein fristeten», erklärte der Sprecher. Auf diese Weise erhielten sie eine ganz andere Aufmerksamkeit und würden etwa in Sozialen Netzwerken als Hingucker beworben. Zudem hätten Studien gezeigt, dass mehr Aufmerksamkeit zu mehr Treppenläufen führt, erläuterte der Sprecher. «Kurzum: Es ist gelebte Wissenschaft.»

Weitere Nachrichten

Verwechslungsgefahr! Wildkätzchen bitte nicht mitnehmen – Gefahr für die Art

Wildkätzchen werden oft mit Hauskatzenbabys verwechselt. Warum das Mitnehmen aus dem Wald der streng geschützten Art schadet, erklärt eine Expertin des BUND.

Gefährdete Tiere: Affenberg am Bodensee wächst mit neuem Nachwuchs

Süßer Zuwachs am Affenberg: Drei Affenbabys sind da, weitere sollen noch kommen. Warum Besucher Abstand halten müssen.

BGH in Karlsruhe bestätigt lebenslange Haft nach Mord an Psychologin

Ein Mann wird im vergangenen August wegen Mordes an einer schwangeren Psychologin zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Bundesgerichtshof sieht darin keine Rechtsfehler.

Mutter und Sohn tot in Wohnung im Kreis Karlsruhe aufgefunden – Hintergründe noch unklar

Eine 61-Jährige und ihr Sohn liegen tot in ihrer Wohnung. Details werden nicht mitgeteilt. Die Polizei ermittelt in alle Richtungen.

Psychiatriepatient stirbt während Fixierung durch Polizisten in Wiesloch

Ein Patient verhält sich laut Behördenangaben aggressiv, die Pfleger in der Psychiatrie holen die Polizei zu Hilfe. Am Ende ist der Mann tot. Was bisher bekannt ist.




 

Logo meinKA

 

Anzeige

Jetzt meinKA als Werbe-Plattform nutzen!

Informieren Sie sich über Daten, Zahlen und Fakten rund um meinKA und die entsprechenden Werbeformen in unseren Mediadaten: jetzt Mediadaten anfordern.

Wir freuen uns über Ihr Interesse und beraten Sie gerne!

 


 













Auch interessant


Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.