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Trend: Immer mehr Frauen entdecken Angeln für sich

Nachrichten Trend: Immer mehr Frauen entdecken Angeln für sich

Quelle: Silas Stein/dpa
dpa

Lange Zeit galt das Hobby als Männerding: Doch immer mehr Frauen finden Gefallen am Angeln. Verbände und Messen verzeichnen steigende Zahlen. Auch in sozialen Medien zeichnet sich ein Trend ab.

Denkt man ans Angeln, hat man noch immer Bilder im Kopf von einsamen Typen, die wortkarg am Wasser sitzen und auf den großen Fang warten. Das Klischee bröckelt allerdings seit ein paar Jahren: Denn immer mehr Anglerinnen mischen sich unter das Volk. Auch Verbände sehen den Trend.

Eine von ihnen ist Barbara Kijewski. Ihre Angel-Abenteuer und Tipps teilt sie regelmäßig mit einer großen Community in den sozialen Netzwerken. Auf Instagram folgen der Angel-Expertin mehr als 70.000 Menschen – inzwischen sind es über ihre verschiedenen Kanäle zusammengenommen sogar Hunderttausende.

«Ich angle seit fast 30 Jahren», sagt Kijewski. Ihr Vater sei leidenschaftlicher Taucher gewesen, zu Hause seien immer Dokumentationen über Fische gelaufen. «Da habe ich mir als Kind schon ganz viel Wissen über Fische angeeignet, aber ich hatte in mir immer den Wunsch, die Fische zu fangen.»

Mit Schulkameraden sei sie zum Angeln losgezogen, die hätten ihr aber gleich klarmachen wollen: «Das ist nichts für Mädchen, da haben Mädchen nichts zu suchen.» Das habe sie nicht auf sich sitzen lassen.

Kampf gegen Vorurteile

Ihren ersten Barsch habe sie an einem See in Berlin gefangen. «Angeln ist so eine Passion. Entweder catcht es dich oder es catcht dich überhaupt nicht», sagt die Wahl-Französin, die in Lyon lebt. Sie erlebt den Wandel direkt in ihrer Community. Viele Frauen würden sich heute ganz selbstverständlich für Ausrüstung, Techniken und den Einstieg ins Angeln interessieren, berichtet sie.

Für junge Frauen ist die Content Creatorin das sichtbare Gegenbild zum Klischee-Angler. Mittlerweile werde sie in der Szene auch ernst genommen. Das sei nicht immer so gewesen. Früher «waren angelnde Frauen noch super ungewöhnlich.» Sie sei öfter am Wasser angesprochen worden deswegen. «Ich habe mich teilweise sogar ein bisschen verkleidet, damit man nicht gleich sieht, dass ich eine Frau bin.»

Beim Kauf ihrer ersten Ausrüstung habe der Verkäufer ihr direkt eine pinkfarbene Angelrute angeboten im Geschäft, berichtet die Influencerin. Sie habe dankend abgelehnt und sich eine ausgesucht, die ergonomisch und technisch für sie gepasst habe. «Früher hat man mich auf Messen auch für eine Art Marketing-Gag gehalten.»

Verbände und Messen spüren den Trend

Seit zehn Jahren steige die Frauenquote konstant an. «Gerade auf Messen merkt man das, dass immer mehr weibliche Besucher dabei sind.» Angeln sei eine schöne Ruhe-Oase. Es gehe gar nicht um den Fang, sondern darum, am Wasser zu sein und ein Gefühl für die Natur zu bekommen. «Das Geschlecht sollte beim Angeln keine Rolle spielen.»

Zum ersten Mal ist die Hobby-Anglerin auch auf der Aqua-Fisch, einer großen Messe in Friedrichshafen am Bodensee, als Rednerin dabei. Dort wollen sich Anglerinnen auch vernetzen. «Catch & Connect – Women’s Circle» heißt eine eigene Area, mitten in der Angelhalle. Die Messe lockt jährlich Tausende Besucher. Sie läuft von Freitag bis zum Weltfrauentag am Sonntag.

Beim Deutschen Angelfischerverband (DAFV) beobachtet man seit einigen Jahren, dass immer mehr Frauen das Angeln für sich entdecken. In den Vorbereitungskursen zur Fischereiprüfung säßen immer mehr von ihnen, hieß es vom Verband.

Das passt zu Erfahrungen regionaler Vereine, die von zunehmenden Anfragen junger Frauen berichten – oft sind sie Ende 20, Anfang 30, viele mitten im Job oder im Studium. In Online-Gruppen wie «Frauen mit Biss, gehen Angeln» oder «Girlsfishing Germany» schließen sie sich zusammen.

Angelwelt stellt sich um

Gerade Plattformen wie Instagram tragen dazu bei, dass sich Frauen untereinander vernetzen, Erfahrungen teilen und sich gegenseitig ermutigen. Ihre Community bestehe längst nicht mehr ausschließlich aus Männern, berichtet Kijewski. Die Frauenquote sei deutlich gestiegen.

Zudem animiere die Sichtbarkeit in sozialen Netzwerken weitere Frauen, das Hobby auszuprobieren. «Wenn man online sieht, dass andere Frauen angeln, wirkt der Einstieg weniger wie ein Sprung in fremdes Terrain», sagt Kijewski. Und für die Branche sei der Trend mehr als eine nette Randnotiz. Denn wer einen Angelschein macht, kauft auch Ausrüstung, bucht Guidings oder fährt auf Angelreisen. «Die Angelwelt ist wirklich auf einem richtig guten Weg.»

Hobby ist weiter gefragt

Die Zahlen belegen: Angeln ist in Deutschland weiterhin sehr gefragt. Fast 61.000 Menschen legten laut dem Deutschen Angelfischerverband 2024 die Fischereiprüfung erfolgreich ab, zugleich lag die Zahl der gültigen Fischereischeine nach Angaben der oberen Fischereibehörden bei rund 1,8 Millionen. Die Scheine sind nötig, um in Deutschland legal angeln zu dürfen.

Das bedeutet einen leichten Anstieg gegenüber den Vorjahren und deutet darauf hin, dass das Interesse am Angeln auch nach dem Boom in der Corona-Zeit ungebrochen ist, wie es vom Verband hieß. 2024 wurden den Zahlen nach rund 950.000 Anglerinnen und Angler in etwa 8.000 Vereinen erfasst.

 

 

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