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Unfälle mit E-Scootern: Wem passiert’s und was kann helfen?

News Unfälle mit E-Scootern: Wem passiert’s und was kann helfen?

Quelle: Christoph Soeder/dpa
dpa

Mehr als ein Drittel mehr Unfälle, viele Verletzte, zehn Tote: Warum besonders junge E-Scooter-Fahrer gefährdet sind und wie Politik und Experten nun reagieren wollen.

Fast fünfmal täglich kracht es mit E-Scootern auf Baden-Württembergs Straßen: ein Quietschen, ein Scheppern, ein Sturz – manchmal ein Krankenwagen. Die Begeisterung für die flinken Elektro-Tretroller steigt, die Zahl der Unfälle noch schneller. Nie zuvor wurden in Baden-Württemberg so viele Menschen bei Scooter-Fahrten oder auf Segways verletzt oder getötet wie 2025.

Nach Angaben des Innenministeriums schoss die Zahl der Unfälle um mehr als ein Drittel nach oben – ein Plus von 35 Prozent oder 513 Fällen auf 1.978 Fälle. Im Schnitt kracht es damit fast fünfmal am Tag mit E-Scootern oder den etwas größeren Elektro-Stehrollern mit ihren nebeneinanderliegenden Rädern. Details zu Unfällen mit anderen Fahrzeugen will das Ministerium am Freitag vorlegen.

 

Die meisten Unfälle sind selbst verschuldet

Insgesamt verunglückten 1.500 Menschen bei den Unfällen mit E-Scootern und Segways, das sind gut 34 Prozent mehr als im Jahr zuvor (2024: 1.118). Leicht verletzt wurden 1.338 von ihnen, 152 erlitten schwere Verletzungen.

Zehn Menschen (2024: sieben) verloren bei den Unfällen ihr Leben – alle standen dabei selbst auf einem E-Scooter, neun von ihnen trugen keinen Helm, so Innenminister Thomas Strobl (CDU). Er mahnt: «E-Scooter sind kein Spielzeug. Wer E-Scooter nutzt, trägt Verantwortung – für ein Kraftfahrzeug, für sich selbst und für andere.»

Besonders auffällig: Mehr als zwei von drei Unfällen (rund 70 Prozent) gehen nach Angaben der Polizei auf das Konto der Fahrerinnen und Fahrer. Oft spielen Alkohol, Drogen oder bloße Ablenkung eine Rolle. Und in fast jedem siebten Fall war der Fahrer oder die Fahrerin nicht mehr verkehrstüchtig. Besonders gefährdet: Junge Menschen zwischen 14 und 24 Jahren.

 

Tote und Verletzte

Wie gefährlich die Fahrt auf den kleinen Elektrorollern sein kann, zeigen mehrere schwere Unfälle aus dem vergangenen Jahr: Ende Juni wird eine 18-Jährige in Holzgerlingen (Kreis Böblingen) an einem Bahnübergang von einem Zug erfasst – sie stirbt einen Tag später im Krankenhaus. Nur wenige Wochen zuvor prallt ein 15-Jähriger bei Balgheim (Kreis Tuttlingen) mit einem Motorrad zusammen, als er die Straße überqueren will. Der Jugendliche wird lebensgefährlich verletzt.

In Mannheim kommt Mitte Februar ein Mann ums Leben, weil er trotz Warnleuchte die Gleise einer Straßenbahn überquert. In Heilbronn überfährt ein Lastwagen einen E-Scooter-Fahrer beim Abbiegen und verletzt ihn tödlich.

Für besondere Bestürzung sorgt im April der Tod einer 84-Jährigen in Graben-Neudorf (Landkreis Karlsruhe): Zwei 15-jährige Mädchen stoßen auf einem E-Scooter mit der Fußgängerin auf einem Parkplatz zusammen. Tödlich verunglückt zudem ein 13-Jähriger Mitte November. Er stürzt mit seinem E-Scooter in Wutöschingen (Kreis Waldshut).

Anfang Dezember hat ein Moment der Unachtsamkeit auf einem Feldweg bei Crailsheim (Landkreis Schwäbisch Hall) schwere Folgen. Ein damals 30-Jähriger soll während der Fahrt mit einem E-Scooter auf sein Handy geschaut und dabei eine Fußgängerin übersehen haben. Er fuhr die 67-Jährige an, sie wurde schwer verletzt.

 

Helfen höhere Hürden in Apps?

Verkehrsminister Winfried Hermann sieht nach eigenen Angaben einen «erheblichen Handlungsbedarf bei Behörden, Verleihern und vor allem bei den Nutzern, um schlimme Unfälle zu vermeiden». Abgestellte E-Scooter dürften keine Hindernisse mehr sein.

«Feste Abstellzonen, eine erzwungene Drosselung in der Fußgängerzone und eine smarte Rückgabesteuerung helfen, dass richtig geparkt und langsamer gefahren wird», sagte der Grünen-Politiker. Weil viele Nutzer angetrunken seien, fordert er zudem von den Scooter-Verleihern höhere Hürden in den Apps, bevor ein Gerät ausgeliehen werden kann.

 

Wo man fahren darf – und wo nicht

Für den E-Scooter sind weder Führerschein noch Mofa-Prüfbescheinigung nötig. Ab 14 Jahren darf man damit unterwegs sein, Leihgeräte gibt es erst ab 18. Eine Helmpflicht besteht nicht, doch der ADAC empfiehlt dringend, einen zu tragen.

Erlaubt sind E-Scooter auf Radwegen, Radfahrstreifen und in Fahrradstraßen – nur wenn dort kein Platz ist, dürfen sie auf die Fahrbahn. Auf Gehwegen, in Fußgängerzonen oder entgegen der Fahrtrichtung in Einbahnstraßen sind sie tabu. Das Zusatzschild «Radfahrer frei» gilt allerdings auch für E-Scooter.

 

Helfen schärfere Regelungen?

Die Politik will angesichts der steigenden Zahl von Nutzern und Unfällen nachsteuern mit neuen Regeln für E-Scooter. So sollen neue Modelle ab dem Jahr 2027 mit Blinkern ausgerüstet sein müssen. Außerdem sollen Kommunen mehr Spielräume für das Abstellen von E-Scootern bekommen – um einem «Wildwuchs» entgegenzuwirken. Laut Bundesverkehrsministerium soll die neue Verordnung nach einer Übergangsfrist Anfang 2027 in Kraft treten.

Unfallforscher haben angesichts der steigenden Zahlen auch bereits eine Führerscheinpflicht, ein Mindestalter von 15 Jahren für die Fahrer und technische Verbesserungen an den Rollern ins Spiel gebracht.

 

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