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„Ungewöhnlich früh“: Pollenallergiker leiden schon

News „Ungewöhnlich früh“: Pollenallergiker leiden schon

Quelle: Patrick Pleul/dpa
dpa

Die Erkältungszeit ist noch nicht vorbei, da stehen die nächsten Plagegeister vor der Tür: Haselpollen. In einigen Regionen ist der Flug so stark wie noch nie Mitte Januar.

Ungewöhnlich früh und stark hat im Westen Deutschlands der Flug von Haselpollen begonnen. Der Deutsche Wetterdienst warnt für viele Regionen bereits vor einem mittelstarken Pollenflug. Besonders betroffen sind Nordrhein-Westfalen, das Rhein-Main-Gebiet und der Oberrhein – aber auch Niedersachsen und das Saarland. Dass es schon Mitte Januar eine so starke Belastung mit Haselpollen gebe, sei sehr ungewöhnlich, sagt Christina Endler vom Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

Den ersten blühende Haselstrauch hatten die Naturbeobachter des DWD schon am 10. Dezember gemeldet. Zum Jahreswechsel stand etwa in Nordrhein-Westfalen schon fast die Hälfte der Haselsträucher in Blüte. «Das ist außergewöhnlich früh», sagt Endler.

In der östlichen Landeshälfte von Deutschland sind die sogenannten Frühblüher in ihrer Entwicklung hingegen noch weiter zurück. Dort habe kühlere Luft die Entwicklung der Haselsträucher gebremst.

 

Pollenflug verschiebt sich immer weiter

Der Beginn der Pollensaison verschiebt sich durch den Klimawandel seit Jahren immer weiter nach vorn. Dass Pollenallergiker im Januar erste Probleme mit tränenden Augen und laufender Nase haben, sei inzwischen nicht mehr ungewöhnlich. Aber dass es schon Mitte Januar in so vielen Regionen eine so starken Pollenflug gebe, habe man noch nicht oft beobachtet, sagt Endler. Im langjährigen Mittel habe sich der Beginn der Heuschnupfen-Saison innerhalb von 30 Jahren um 16 Tage nach vorn verschoben.

Als Hauptgrund dafür gilt, dass sich die Pflanzen durch die immer milderen Winter früher im Jahr entwickeln. Außerdem legten Studien nahe, dass das vom Menschen ausgestoßene Kohlendioxid die Pollenkonzentration unmittelbar fördere, erklärt Endler. Allerdings werde der Pollenflug sehr stark auch von kurzfristigen Wetterphänomenen wie Regen oder Sturm beeinflusst.

 

«Für einige Allergiker gibt es fast keine Pause mehr»

Pollen sind die häufigsten Auslöser allergischer Atemwegserkrankungen. Wer allergisch auf sie reagiert, hat häufig tränende und juckende Augen, außerdem läuft und kitzelt die Nase.

Die Pollenflugsaison reiche inzwischen von Januar bis Oktober, sagt Karl-Christian Bergmann, Professor für Atemwegs- und Lungenkrankheiten an der Berliner Charité und Vorsitzender der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst. «Für einige Allergiker gibt es fast keine Pause mehr.»

Doch auch wenn viele Menschen empfindlicher reagieren, gebe es Studien zufolge keine messbare Zunahme bei den Allergikern. «Etwa 14 Prozent in der gesamten Bevölkerung haben einen Heuschnupfen. Die Zahl hat in den vergangenen 20 Jahren nicht signifikant zugenommen», sagt Bergmann.

 

Experte warnt vor abschwellenden Nasensprays

Wer jetzt durch die Haselblüte Probleme bekomme, erhalte in der Apotheke schon sehr gut wirksame und frei verkäufliche Arzneimittel. Lediglich mit abschwellenden Nasensprays, die auch im Winter gegen Schnupfen helfen, sollte man vorsichtig sein. Die Gefahr, dass man sie während des Pollenflugs zu lang einnehme und damit nachhaltig die Nasenschleimhaut schädige, sei groß.

In jedem Fall rät der Experte allen Betroffenen, den Gang zum Arzt nicht zu lang aufzuschieben. «Bei jedem dritten Patienten entwickelt sich aus einem Heuschnupfen ein Asthma, wenn man sich nicht behandeln lässt», mahnt er.

 

«Schaffen Sie sich einen Hund oder eine Katze an»

Einen Tipp hat Bergmann noch für pollengeplagte Eltern, die Sorge haben, ihre Allergie an die Kinder weiterzuvererben: «Wenn Sie die räumlichen Möglichkeiten haben, schaffen Sie sich einen Hund oder eine Katze an.» Kleinkinder aus Haushalten mit einem Haustier hätten ein messbar niedrigeres Risiko, später einmal an einer Allergie zu erkranken. «Manche Eltern denken, die müssten alles vermeiden und ihre Kinder von allen Bakterien fernhalten – aber das ist einfach nicht richtig», betont der Experte.

 

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