News
Winzer am Limit – Sorge um Preise im Supermarkt

News Winzer am Limit – Sorge um Preise im Supermarkt

Quelle: Philipp von Ditfurth/dpa/Symbolbild
dpa

Steigende Kosten, US-Zölle und tückische Schädlinge: Baden-Württembergs Winzer stehen am Scheideweg. Was das für Wein-Fans im Supermarkt bedeuten kann und wie der aktuelle Jahrgang bewertet wird.

Angesichts sinkender Wein-Nachfrage und möglicher Importe aus anderen Ländern infolge der US-Zölle sieht sich die Branche im Südwesten an einem Scheidepunkt. «Das geht an die Substanz», sagte der Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands (BWGV), Ulrich Theileis, in Gengenbach (Ortenaukreis). Manche Betriebe machten früher oder später keine Marge mehr. Von einer Umkehr gehe der Verband nicht aus. Es laufe auf einen Anpassungsprozess hinaus.

«Niemand kann auf Dauer gegen den Absatz produzieren»

Schon jetzt sinken die Umsätze den Angaben zufolge proportional stärker als die Menge. Der Absatz der baden-württembergischen Winzer- und Weingärtnergenossenschaften habe im vergangenen Jahr mit 128,4 Millionen Liter Wein und Sekt 1,8 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres gelegen. Der Umsatz sei um 2,6 Prozent auf 410,9 Millionen Euro gesunken. Weingärtner- und Winzergenossenschaften machen laut BWGV rund zwei Drittel der Weinerzeugung beziehungsweise der bewirtschafteten Rebflächen im Land aus: in Baden rund 9.600 Hektar, in Württemberg knapp 7.800 Hektar.

«Niemand kann auf Dauer gegen den Absatz produzieren», betonte Theileis. Wegen geringerer Nachfrage könnten die Preise aber nicht steigen, wie es sonst bei geringerem Angebot üblich ist, erläuterte der Verbandspräsident. Zwar seien Verbraucherinnen und Verbraucher häufig bereit, für regionale Produkte etwas mehr zu zahlen. «Das hat aber definitiv Grenzen.»

Forderung nach besserem Pflanzenschutz

Zu kontinuierlich steigenden Produktionskosten kommt den Aussagen nach die internationale Lage: Die neuen US-Zölle in Höhe von 15 Prozent erschwerten den Genossenschaften die Exportmöglichkeiten auf dem wichtigen amerikanischen Markt, hieß es. Da auch andere Weinbauregionen der Welt davon betroffen sind, erwartet der BWGV steigende Importe nach Deutschland.

«Wir haben Freiheit im Supermarkt, aber nicht in der Produktion», sagte Theileis. Für den Weinbau in Baden-Württemberg müsse unter anderem die Politik bessere Rahmenbedingungen schaffen und etwa Pflanzenschutzmittel gegen invasive Schädlinge zulassen. Japankäfer und Amerikanische Rebzikade klingen zwar nett und possierlich, müssten aber bekämpft werden, betonte er.

Kampf gegen Fäulnis

Immerhin klingen die ersten Prognosen für die laufende Ernte vielversprechend: Der Jahrgang 2025 habe ein gutes Aroma. «Das, was in den Kellern liegt, hat eine Top-Qualität», sagte Theileis. Viele Trauben sind schon gelesen worden.

Aktuell mache der Wetterumschwung den Winzern zu schaffen, sagte Theileis: «Wir kämpfen bei dem Wetter gegen die Fäulnis.» Da sei Geschick gefragt. Christian Gehring, Geschäftsführer der Weinmanufaktur Gengenbach-Offenburg eG, erklärte, wenn Trauben sehr reif seien, könne der Zustand von gesund auf nicht mehr nutzbar sehr schnell wechseln.

 

Weitere Nachrichten

Nach zweiter Verhandlungsrunde: Warnstreiks in Metall- und Elektroindustrie rücken näher

In der zweiten Verhandlungsrunde legt die Arbeitgeberseite ein Angebot vor. Doch dieses weisen die Arbeitnehmer als unzureichend zurück. Damit dürfte es bald Warnstreiks in Baden-Württemberg geben.

Gruselhaus: Für diese Familie ist Halloween wichtiger als Weihnachten

Für viele gehört Weihnachten zum Höhepunkt des Jahres - für Kim und Wolfram König ist es Halloween. Monate investieren sie in ihr Gruselhaus. Dieses Jahr entführen sie Besucher nach Mexiko.

Krankheit Alzheimer wurde vor 120 Jahren entdeckt: Zahl der Betroffenen steigt

Die Zahl von Menschen mit Demenz nimmt zu - die meisten davon haben Alzheimer. Angehörige von Betroffenen übernehmen den größten Teil ihrer Pflege - und bräuchten selbst mehr Hilfen.

Atommüll-Endlager: Zwei Südwest-Gebiete nicht mehr im Rennen

Die Suche nach einem Atommüll-Endlager geht in die nächste Runde: Die Auswahl der als geeignet bewerteten Gebiete wurde weiter eingegrenzt. Wo liegen die Schwerpunkte in Baden-Württemberg?

Geld Münzen

336 Millionen Euro mehr Steuern - aber trotzdem Lücke im Landeshaushalt

336 Millionen Euro mehr Steuern als erwartet – und trotzdem fehlt Baden-Württemberg Geld im Haushalt 2027. Warum der erwartete Aufschwung den Spielraum der Landesregierung zugleich schrumpfen lässt.

Cyberangriff auf Hochschulen im Land: Das weiß man zum Datenabfluss

Notensysteme und Stundenpläne waren nach dem Angriff offline, Lehrkräfte konnten zunächst nicht bezahlt werden. Die Ermittlungen sind nun vorangekommen und es gibt neue Infos zu der Attacke.






















Auch interessant


Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.