Interaktive Tierpräsentationen
Zoomobil: Karlsruher Naturpädagoge sorgt für tierische Erlebnisse

Interaktive Tierpräsentationen Zoomobil: Karlsruher Naturpädagoge sorgt für tierische Erlebnisse

Quelle: Daniel Schmenger

Neben dem Zoologischen Stadtgarten gibt es in Karlsruhe noch einen zweiten Ort, an dem exotische Tiere zu Hause sind: Mit seinem Zoomobil bereitet der Naturpädagoge Daniel Schmenger Vorträge, Geburtstage und Firmenevents der ganz besonderen Art.

Echsen, Schlangen & Frösche in Karlsruher Wohnung

In einem Zimmer seiner Karlsruher Wohnung sind Peru, Madagaskar, und weitere ferne Länder plötzlich ganz nah. In den Terrarien zu sehen: Viele Äste, Blätter, Sand, aber auch giftgelb, knallrot, leuchtend grün und bunt gefleckt. Das sind die Echsen, Schlangen und Frösche, mit denen der Naturpädagoge Daniel Schmenger (1981) sein Publikum begeistert. Mit seinem Zoomobil ist Daniel auf Familienfesten, Firmenevents, und an Schulen anzutreffen, und schlägt mit den selbst konzipierten Tierpräsentationen eine Brücke zwischen Mensch und Tier.

Die allgemeinen Ausrufe des Entzückens, auf die sich Hunde und Katzen verlassen können, sind den Exoten aus Daniels Zoo nur selten vergönnt. Schließlich haben sie kein flauschiges Fell, legen kein Spielzeug vor die Füße, haben entweder gar keine Beine oder aber gleich acht davon.

 

Zoomobil: Faszination und Begeisterung

Den meisten Menschen sind solche Tiere fremd, gepaart vielleicht mit wohligem Schauer. Entsprechend still und gespannt ist die Stimmung im Publikum, bevor sie umschlägt in Faszination und Begeisterung. Daniel erzählt von den Geheimnissen der Tiere, stellt Fragen, geht auf das Publikum ein.

Dann endlich: Die Schatztruhen, die die Kinder gemeinsam öffnen dürfen, um den weiß getupften Perlhuhnfrosch oder das farbenfrohe Chamäleon aus nächster Nähe bewundern zu können und, wer weiß, vielleicht sogar auf die Hand zu nehmen?

 

Ballpython (Python regius) | Quelle: Daniel Schmenger

 

Am Ende hat niemand mehr Angst vor den Tieren

Kinder, so der Exotenexperte, sind ein tolles Publikum, weil sie aus ihrer Neugierde und Begeisterung keinen Hehl machen. Kniffliger ist es bei Erwachsenen, die oft reservierter sind und unterschiedliches Vorwissen mitbringen. Am Schönsten sei es, wenn mehrere Altersgruppen zusammenkommen, denn die Begeisterung der Kleinen wirke ansteckend auf die Großen.

Am Ende hat niemand mehr Angst vor den Tieren, und es bleibt die Erinnerung an ein tolles Gruppenerlebnis, bei dem die Zuhörer einiges lernen konnten. Schlangen, zum Beispiel, könne man getrost als wenig intelligent bezeichnen. „Es kann gut sein, dass sie nach Futter schnappt und dabei in ihren eigenen Körper beißt. Das dauert dann schon mal fünf Minuten, bis sie merkt, wo das Problem liegt“. Die Schlange als listige Verführerin präsentiert vom Dschungelbuch oder der Bibel? Eher nicht.

 

Zoomobil: Wissensvermittlung auf unterhaltsame Art

Die Wissensvermittlung auf unterhaltsame Art ist jedoch nur ein Aspekt des Zoomobils, einer, den man nach außen hin sieht. Ein weiterer Aspekt spielt sich hinter den Kulissen ab. „Die Tiere dem Menschen einfach nur näherzubringen, reicht als Daseinsberechtigung für Zoos nicht aus. Das gilt auch für meinen Zoo, auch wenn er sehr klein ist“, erklärt der Naturpädagoge. Der große Auftrag liegt im Erhalt der Arten, ganz unabhängig davon, ob diese vom Menschen als schön, putzig oder nützlich wahrgenommen werden.

So leben in Daniels Terrarien auch Tiere, die nicht im Spotlight der Bühne stehen, sondern Nachkommen produzieren und eines Tages ausgewildert werden. Dafür hat Daniel seinen kleinen Karlsruher Zoo mit den großen Organisationen weltweit vernetzt, etwa dem Naturschutzbund (NABU), anderen Zoos oder regionalen Tierschutzorganisationen.

 

Zoos wirken dem Artensterben entgegen

Diskussionen zum Thema Tierhaltung seien ihm immer willkommen, allerdings müssten Kritiker auch sehen, dass Zoos eben schon lange nicht mehr der bloßen Belustigung des Menschen dienten, sondern dem Artensterben entgegenwirkten. Außerdem sei Tierhaltung nicht pauschal mit Quälerei gleichzusetzen: „Die meisten meiner Tiere sind wahre Couchpotatoes. Ich könnte ihnen einen ganzen Regenwald zur Verfügung stellen, und sie würden trotzdem lieber in ihrer immer gleichen Ecke sitzen“, erklärt Daniel.

 

Stachelschwanzleguan (Ctenosaura defensor) | Quelle: Thomas Schmidlin

 

So lebt es sich mit rund 120 Exoten in einer Wohnung

Wie lebt es sich also mit ungefähr 120 Couchpotatoes in der Wohnung? Viel Platz brauchen die Tiere nicht, Lärm machen sie auch nicht – denn das Zwitschern, was der Pfeilgiftfrosch von sich gibt, kann wirklich nicht als Lärm bezeichnet werden. „Eher ist es so, als würde man rund ums Jahr von Vogelgezwitscher geweckt werden“, sagt Daniel, der alle seine Tiere aus anderen Zoos oder Züchtungen bezieht.

Dass die Tiere nie in freier Wildbahn gelebt haben, trägt dazu bei, dass sie keine echten Stresssituationen kennen. Entsprechend ruhig reagieren sie auch auf Menschen. Das dürfe aber nicht mit echter Zuneigung verwechselt werden, wie sie Hunde oder Katzen „ihren“ Menschen entgegenbringen.

Was ein wenig unromantisch klingt, ist sehr praktisch, wenn es um das Thema Urlaub geht, denn zwei oder drei Wochen am Stück wegzufahren ist für Daniel durchaus möglich: Das Füttern und das Befeuchten der Terrarien könne im Prinzip jeder nach einer halben Stunde Einweisung übernehmen.

 

Wissen über Tiere zu sammeln & mit anderen teilen

Also ab zur nächsten Tierhaltung und sich selbst so einen exotischen, unkomplizierten Blickfang in die Wohnung setzen? Dieses Denken ist grob fahrlässig, und doch leider weit verbreitet. Wer sich für ein solches Haustier interessiert, muss sich unbedingt gut informieren – auch eine vorherige Tuchfühlung bei einem von Daniels Auftritten wäre eine Idee.

Diese Auftritte laufen nun schon erfolgreich seit über zehn Jahren. Von Anfang an selbstverständlich war das Zoomobil jedoch nicht: Daniel hat Ausbildungen als Tierpfleger und als Gärtner absolviert, außerdem einige Semester im Gartenbaumanagement, Arbeitsverträge auf Teneriffa, in Stuttgart und auch hier im Karlsruher Zoo. Doch irgendetwas fehlte immer. Die Idee zum Zoomobil war dann das Resultat eines beruflichen Coachings, durch das Daniel herausfand, was für ihn wirklich wichtig und erfüllend ist.

 

Buchungsanfragen für nach dem Corona-Lockdown

Nun ist Daniel im Grunde bei dem gelandet, was ihn als Kind schon begeistert hat: Wissen über Tiere zu sammeln und mit anderen Menschen zu teilen. „Früher waren das natürlich eher alltägliche Tiere, von denen ich dann den Verwandten erzählt habe. Jetzt sind es eben exotische Tiere, und im Publikum sitzen hauptsächlich Fremde.“

Während der Vorführung vergisst er gerne, auf die Uhr zu schauen, weil sich seine Arbeit nicht wie Arbeit anfühlt. Die Freude, mit der Daniel seine Auftritte gestaltet, ist auch im Publikum spürbar. Sie ist Teil des Erfolgsrezeptes, mit dem das Zoomobil seine Zuschauer begeistert. Und das wird auch so bleiben: Die Buchungsanfragen nach den langen Corona-Monaten nehmen wieder Fahrt auf.

 

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