News
Abschuss-Diskussion: Forscher sicher – deshalb kann weniger Jagd mehr schützen

News Abschuss-Diskussion: Forscher sicher – deshalb kann weniger Jagd mehr schützen

Quelle: Swen Pförtner/dpa

Warum der Abschuss von Wölfen oder Bibern Konflikte nicht unbedingt löst – und welche Alternativen Forscher für Weidetierhalter sehen.

Im Streit um den Abschuss geschützter Arten wie Wölfe, Biber oder Saatkrähen warnen fast zwei Dutzend Forscher aus Baden-Württemberg vor negativen Folgen für Natur und Landwirtschaft. Eine Übernahme dieser Arten ins Jagdrecht sehen die Expertinnen und Experten kritisch. Ein notwendiger Abschuss von Problemtieren werde dadurch zudem bürokratischer, schreiben sie in einem Brief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann und die Spitzenkandidaten im Landtagswahlkampf.

Wissenschaftliche Zweifel an Jagdwirkung

«Für keine der genannten Arten gibt es Belege, dass Bejagung Konflikte mindert», heißt es in dem Schreiben. In wachsenden Populationen würden geschossene Tiere meist rasch ersetzt. Beim Wolf könne ein Abschuss sogar mehr Risse verursachen, wenn Elterntiere getötet und Rudelstrukturen gestört würden – derzeit ist aber beides in Baden-Württemberg nicht der Fall.

Erfolgreicher seien andere Maßnahmen, sagt Mitinitiator Johannes Steidle von der Universität Hohenheim: «Weidehalter in Sachsen-Anhalt nutzen Zäune und Herdenschutzhunde – bei 25.000 Weidetieren gab es in sechs Jahren keine Risse.» Bei Bibern und Rabenvögeln helfe gezieltes Management, etwa mit Biber-Leitfäden oder naturschutzrechtlichen Verfügungen.

Ein Abschuss könne im Einzelfall nötig sein, müsse dann aber unbürokratisch erfolgen. Die Aufnahme ins Jagdgesetz – wie beim Wolf kürzlich geschehen – erschwere das, da zusätzlich die Jagdbehörde beteiligt wäre.

Bedeutung für die Ökosysteme

Die Forschenden betonen auch den Nutzen von Wolf und Biber: Der Wolf fördere durch die Jagd auf Rehe und Hirsche die Verjüngung klimatoleranter Wälder; der Biber unterstütze die Renaturierung von Flüssen und Mooren. «Diese Tiere sind wichtige ökologische Schlüsselarten», sagt Lars Krogmann, Direktor des Naturkundemuseums Stuttgart. Baden-Württemberg sei bereits auf einem guten Weg. «Das muss man nicht mit pauschalen Lösungen bekämpfen.»

Politischer Streit um das Jagdrecht

In Baden-Württemberg wird heftig über die Aufnahme der Arten ins Jagdrecht gestritten. Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) hat den Wolf Ende Dezember per Verordnung aufgenommen. Während der Landesjagdverband die Maßnahme begrüßt, kritisiert der NABU den Schritt als rechtswidrig und populistisch. Mitte Januar erlaubte die grün-schwarze Regierung zudem den erleichterten Abschuss von Bibern per Verordnung.

Die CDU will Biber und Saatkrähe auch ins Jagdrecht aufnehmen, die Grünen lehnen das aber ab und warnen vor kontraproduktiven Folgen. Derzeit prüft ein Gericht in Stuttgart die Genehmigung zum Abschuss eines Wolfs auf der Hornisgrinde im Nordschwarzwald. Naturschützer haben dagegen geklagt.

 

Weitere Nachrichten

Pilotprojekt: Fast tausend Übergriffe – Bahn setzt auf Bodycams mit Ton

Beschimpft, bespuckt, geschlagen: Beschäftigte im Zug erleben immer wieder Übergriffe. Können Tonaufzeichnungen helfen, Konflikte zu entschärfen und Straftaten besser aufzuklären?

"House of Yang": Neue Mystery-Serie spielt im Schwarzwald

Zeitsprünge, Geheimnisse und starke Frauen: wie das Trauma einer Familie Generationen verbindet - und warum man in diesem Haus im Schwarzwald besser keine Türen schließt.

In Regionalbahn entdeckt: Drei Katzenbabys in Zug ausgesetzt

Reisende entdecken in einem Zug mehrere ausgesetzte Kätzchen. Wer sich jetzt um die drei Tiere kümmert.

Kürbis-Wettwiegen: Sieger kommt auf 986 Kilo

Riesenkürbisse, Super-Tomaten und Mega-Melonen: In Ludwigsburg messen sich die größten Kaliber aus Deutschlands Gemüsebeeten. Wer hat das dickste Gemüse?

Halbzeit auf dem Wasen: Großer Andrang, positive Bilanz

Besonders am Tag der Deutschen Einheit zog es zeitweise zu viele Besucher auf das Cannstatter Volksfest - die Polizei sperrt mehrere Zugänge. Was Feiernde in der zweiten Woche erwartet.

Kirschlorbeer-Plage an Waldrändern? Karlsruhe und andere Städte warnen

Giftig, relativ nutzlos für Insekten – und jetzt breitet sich Kirschlorbeer mancherorts auch noch an Waldrändern aus. Illegal abgekippte Gartenabfälle verschärfen das Problem.






















Auch interessant


Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.