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Mit Video | Artenschutz-Botschafter und Besuchermagnet: Über die Eisbären im Karlsruher Zoo

Nachrichten Mit Video | Artenschutz-Botschafter und Besuchermagnet: Über die Eisbären im Karlsruher Zoo

Quelle: meinKA

Eisbären in Karlsruhe: Warum leben die Wildtiere eigentlich hier? Und was haben die Karlsruher Eisbären Nuka und MiKa mit dem Artenschutz zu tun? Diese und weitere Fragen durften wir Sandra Dollhäupl, Artenschutz-Kuratorin im Karlsruher Zoo, stellen.


 


 

Im Karlsruher Zoo kann man im Eisbärengehege „Nuka“ mit ihrem Eisbär-Nachwuchs MiKa besuchen. Dabei ist „MiKa“ nicht nur der „süße Besuchermagnet“, sondern steht auch ganz essenziell für den Artenschutz – richtig?

Sandra Dollhäupl: Ja, die Eisbären haben einen ganz besonderen Artenschutz-Auftrag hier bei uns. Gerade Eisbären ist die Art, die den Leuten als Erstes ins Gedächtnis kommt und dafür stehen unsere Tiere, die wir hier bei uns im Zoo haben. Für das Thema Artenschutz, Klimawandel – als Repräsentanten für ihre Artgenossen in der Wildbahn.

 

Viele Fragen sich natürlich, warum werden in Karlsruhe Eisbären gezüchtet, was ist hier der Bezug zu ihrem eigentlichen Umfeld in der Natur?

Sandra Dollhäupl: Unsere Eisbären stehen ja repräsentativ für ihre Art – der Zoo Karlsruhe ist sehr eng mit der Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe verzahnt. Wie der Name schon sagt: Das ist eine Stiftung, die sich für den Schutz von Arten einsetzt. Wir haben super viele Projekte, die wir unterstützen und auf die wir stolz sind und unter anderem auch ein Projekt für die Eisbären – und zwar „Polar Bear International“ (PBI).

Die setzen sich für diese Tiere vor Ort ein – in unterschiedlichen Forschungsfragen. PBI ist eine ganz tolle Organisation, in der wir im wöchentlichen Austausch stehen, die uns mit Material beliefern und aber auch bei uns nachfragen, was macht MiKa, geht’s dem gut? Hier ist Geld wirklich gut investiert.

 

Viele bemängeln ja, dass Tiere wie Eisbären nicht artgerecht gehalten werden können. Was sagst du da, als Expertin dazu?

Sandra Dollhäupl: Also im Prinzip finde ich es super wichtig, dass man jede Tierart, die man hält, dass man das kritisch hinterfragt, denn nur durch Kritik sind die Zoos heute an dem Punkt, an dem wir jetzt gerade sind. Mit unserer Haltung aber auch mit dem Artenschutz und deswegen sollte man auch die Eisbären kritisch hinterfragen.

Jetzt ist es so: artgerecht ja, das hat man immer im Hinterkopf aber bei artgerecht betrachtet man eine gesamte Population – wir haben hier aber nur zwei einzelne Tiere, die zwar ein Teil der Eisbärenpopulation sind, die wir in Zoos halten. Allerdings wäre es hier richtig zu sagen: Sind die hier denn tiergerecht untergebracht?

Und da spielt die Struktur der Anlage eine wichtige Rolle: die Art und Weise, wie die Tiere an ihr Futter kommen, wie die Tiere beschäftigt werden – wir wissen auch, dass die Tiere nachts sehr aktiv sind – das sind alles Sachen, bei denen wir uns überlegen müssen, wie wir die Tiere tiergerecht halten können.

 

Ein großer Kritikpunkt, der immer wieder aufkommt – gerade bei den Eisbären – wenn die Sonne herauskommt und wir über 20 Grad haben, dann heißt es oft: „Die Eisbären schwitzen doch, die müssen in den Schnee!“ Stimmt das?

Sandra Dollhäupl: Tatsächlich hier in Karlsruhe ist es oft besonders warm in den Sommermonaten und da müssen wir den Tieren Abwechslung bieten. Das versuchen wir, indem sie jederzeit die Möglichkeit haben ins Wasser zu gehen, um sich abzukühlen. Auch haben die Tiere jederzeit die Möglichkeit zwischen dem Innen- und Außenbereich zu wechseln. Wenn es ihnen außen zu warm wird und ja, die heizen sich auch auf in der Sonne – und das machen sie aber auch sehr gerne – wenn sie danach die Möglichkeit haben ins Wasser zu gehen oder nach innen zu gehen und das ist bei uns eben gegeben.

Jetzt haben wir hier in Karlsruhe ja erst Eisbär-Nachwuchs bekommen – doch wie steht es um die Eisbären in der Natur?

Sandra Dollhäupl: Die Eisbären in der Wildbahn werden von der Welt-Naturschutz-Union als „gefährdet“ eingestuft und es wird ungefähr geschätzt, dass man noch zwischen 21.000 und 30.000 Eisbären hat. Aufgrund des Klimawandels ist davon auszugehen, dass der Bestand zurückgeht. Bis 2050 werde sich wohl der Bestand um 1/3 reduzieren.

 

Wie ist es denn mit den Eisbären, die in Menschenhand sind, in Deutschland, Europa?

Sandra Dollhäupl: Tatsächlich ist so, dass wir Kuratoren ein ganz tolles Programm haben, mit dem wir auf den europäischen aber auch den weltweiten Eisbärentierbestand zugreifen können. Weltweit (Europa, Asien und Nordamerika) werden knapp 200 Tiere gehalten und bei uns in Europa sind es etwas mehr als 100.

Wir versuchen da Zuchtpaare zusammenzustellen, die ein genetisch wertvollen Nachwuchs produzieren können. Wie macht man das? Jede bedrohte Tierart wird von einem Zuchtbuch geregelt – einem Europäischen Zuchtbuch. So ist es auch bei den Eisbären der Fall. Wenn MiKa anfängt, geschlechtsreif zu werden muss man ihn an einen anderen Zoo vermitteln und das obliegt dann dem Zuchtbuch-Koordinator der Eisbären. Dieser berechnet dann, zu wem MiKa genetisch am besten passt.

 

Warum gibt es das Erhaltungszucht-Programm überhaupt – die Eisbären hier werden ja nie ausgewildert?

Sandra Dollhäupl: Das stimmt. Da muss man sich die Frage stellen, will ich die Eisbären in eine Umwelt auswildern, die gerade eigentlich kaputtgeht? Und das möchte glaube ich niemand – da seine Tiere abgeben, um dann beim Sterben zuzuschauen. Deswegen ist es so, dass wir in Zoos sogenannte Reservepopulationen haben. Dass wenn, sich das Ökosystem, die Umwelt sich eben der natürliche Lebensraum wieder erholt, dann die Möglichkeit haben zu sagen „Wir haben die Tiere“

 

Wie kann man Polar Bears International und die Karlsruher Artenschutzstiftung unterstützen?

Sandra Dollhäupl: Unterstützen kann man uns über die Homepage, da findet man uns unter der Rubrik Artenschutzstiftung und da sind dann alle Informationen – auch für Polar Bears International zu finden.

 

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