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Sicherheitsglas, Vernebelungsanlagen & strengere Gesetze: Erfolg gegen Automaten-Sprenger

Nachrichten Sicherheitsglas, Vernebelungsanlagen & strengere Gesetze: Erfolg gegen Automaten-Sprenger

Quelle: Bernd Weißbrod/dpa
dpa

Sicherheitsglas, Vernebelungsanlagen und strengere Gesetze: Wie Banken und Politik gegen Automatensprenger vorgehen – und warum das Leben für viele Kunden trotzdem komplizierter wird.

Baden-Württemberg verliert einen zweifelhaften Spitzenplatz – und das ist eine gute Nachricht. Noch vor einem Jahr zählte der Südwesten zu den bundesweiten Brennpunkten für Geldautomaten-Sprengungen. Nächte, in denen Anwohner von dumpfen Explosionen geweckt wurden und morgens vor zerstörten Schaufenstern standen, gehörten mancherorts fast schon zum wiederkehrenden Bild.

Inzwischen ist es spürbar ruhiger geworden, die Zahl der Taten ist deutlich gesunken. «Die Geldautomaten-Sprengungen haben wir deutlich nach unten gedrückt, von 43 Fällen im Jahr 2024 auf aktuell 13 im Jahr 2025», sagt Innenminister Thomas Strobl (CDU). Das entspricht einem Rückgang von rund 70 Prozent.

Betroffen waren 2025 unter anderem Filialen in Reutlingen und Friolzheim (Enzkreis), Walldürn (Neckar-Odenwald-Kreis), Graben-Neudorf und Stutensee (beide Kreis Karlsruhe), zuletzt auch in Nürtingen. In allen Fällen setzten die Täter selbst hergestellte Sprengstoffe ein. Fünfmal kamen sie an Bargeld, insgesamt wurden laut Innenministerium rund 650.000 Euro erbeutet. Festgenommen wurde bislang niemand. Für die Bevölkerung bleibt damit ein zwiespältiges Gefühl: Es gibt zwar weniger Taten, aber weiterhin hochprofessionelle Täter.

 

Vom Hotspot zum Problemfall unter vielen

Zwar ist die Beute inzwischen geringer, doch das eigentliche Problem bleiben die massiven Schäden: Fassaden werden herausgerissen, Decken beschädigt, ganze Geschäftszeilen sind teils tagelang nicht nutzbar. Kriminelle nutzen bei ihren Taten inzwischen fast ausschließlich feste Sprengstoffe statt Gas. Diese lassen sich gezielter einsetzen und entfalten eine deutlich größere Wucht.

Allein im vergangenen Jahr belief sich der Sachschaden bei Geldautomaten-Sprengungen in Baden-Württemberg auf 5,7 Millionen Euro. Diese Summe erstatteten die Versicherungen den Geldinstituten, wie der Gesamtverband der Versicherer mitteilt – letztlich zahlen aber Kundinnen und Kunden über Gebühren und Prämien mit.

 

Sprengungen sollen sich nicht mehr lohnen

Dass die Fallzahlen so deutlich zurückgehen, überrascht, denn in jüngster Vergangenheit galt Baden-Württemberg als Schwerpunkt der Szene.

Nach Ansicht des Präsidenten des baden-württembergischen Landeskriminalamts, Andreas Stenger, ist der Rückgang das Ergebnis eines Maßnahmenpakets aus Fahndungsdruck, Strafverfolgung und besserer Sicherungstechnik. Geldautomaten-Sprengungen seien deutlich unattraktiver und riskanter geworden. «Ein Krimineller, der mit wenig oder gar keiner brauchbaren Beute rechnen muss, überlegt sich zweimal, ob er dafür ein hohes Entdeckungsrisiko eingehen möchte», sagte Stenger.

 

Viele Automaten bereits abgebaut

Ein zentraler Baustein ist die enge Zusammenarbeit von Polizei und Banken. Das Landeskriminalamt richtet Arbeitstagungen mit der Deutschen Kreditwirtschaft aus und analysiert bei nahezu allen Geldautomaten im Land, wie gefährdet ihr Standort ist – etwa an Ausfallstraßen, in abgelegenen Lagen oder in Wohnhäusern.

Aus diesen Bewertungen ziehen Banken und Sparkassen Konsequenzen und die haben für Kundinnen und Kunden spürbare Folgen. Viele Vorräume sind nachts nicht mehr frei zugänglich, manche Institute haben Geldautomaten ganz aus den Eingangsbereichen und vor allem aus Wohnhäusern verbannt. Dort lassen sich die Auswirkungen einer Explosion besser begrenzen. Besonders in kleineren Orten sorgt das immer wieder für Ärger. Andere Institute verstärken Gebäudeteile mit Stahl und Beton.

Banken argumentieren jedoch: Wo mit Sprengstoff hantiert wird, gehe es nicht nur um Geld, sondern auch um Menschenleben.

 

Bundesweite Debatte über härtere Strafen

Parallel wird die Sicherungstechnik weiter ausgebaut. Zum Einsatz kommen Einfärbeanlagen in Geldkassetten, Vernebelungstechnik oder Klebesysteme, bei denen das Bargeld im Fall einer Explosion unbrauchbar wird. «Es gibt nicht die eine Maßnahme», sagt eine Sprecherin der Deutschen Kreditwirtschaft. «Entscheidend ist stets die wirksame Kombination von geeigneten Maßnahmen, abgestimmt auf die Risikolage des jeweiligen Standorts.»

Während in Baden-Württemberg die Fallzahlen sinken, reagiert die Bundespolitik mit schärferen Gesetzen. Der Bundestag beschloss Anfang November, das Sprengen von Geldautomaten künftig härter zu bestrafen. Die Mindeststrafe steigt von einem auf zwei Jahre Haft. Wer bei einer Tat andere Menschen schwer verletzt, muss mit mindestens fünf Jahren Gefängnis rechnen. Zudem erhalten Ermittlungsbehörden zusätzliche Befugnisse, um Täter besser verfolgen zu können.

 

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