News aus Baden-Württemberg
Expertise: Datenerhebung bei Katzen-Lockdown in Walldorf war illegal

News aus Baden-Württemberg Expertise: Datenerhebung bei Katzen-Lockdown in Walldorf war illegal

Quelle: Marijan Murat/dpa/Archivbild
dpa

Zum Schutz seltener Vögel mussten manche Katzen vergangenes Jahr in Walldorf über Monate zu Hause bleiben – und sollen es auch künftig immer wieder. Eine Firma hatte Infos über deren Besitzer den Behörden übermittelt. Ein FDP-Politiker wollte wissen, ob das rechtens war.

Das Sammeln von Daten über Katzenbesitzer durch eine Firma im Zuge des Ausgangsverbots für die Vierbeiner in Walldorf im vergangenen Jahr entbehrte nach Einschätzung des Landesdatenschutzbeauftragten einer Rechtsgrundlage. Weder die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamts im Rhein-Neckar-Kreis noch die Stadt selbst hätten einen schriftlichen Vertrag mit der GmbH zur konkreten Ausgestaltung des Auftrags geschlossen, heißt es in einem Schreiben des Landesbeauftragten an den FDP-Landtagsabgeordneten Christian Jung, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Jung, der Sprecher für Petitionen der FDP-Landtagsfraktion ist, erklärte: «Damit ist klar: Daten von Katzenbesitzern dürfen nicht gesammelt werden. Dafür gab und gibt es keine Rechtsgrundlage.»

Um Jungtiere der vom Aussterben bedrohten Haubenlerchen zu schützen, hatte das Landratsamt verfügt, dass ab Mitte Mai rund drei Monate lang Katzen im Süden Walldorfs nicht ohne Leine durch das Brutgebiet streifen durften. Die Regel soll auch in diesem und den kommenden beiden Jahren von April bis Ende August gelten. Bei Verstößen drohen Bußgelder, Ausnahmegenehmigungen können beantragt werden. Die Maßnahme hatte bundesweit Aufsehen erregt und Kritik ausgelöst.

Die Stadt hatte eine externe Firma mit einem Monitoring der Haubenlerchen beauftragt. Dem Landesdatenschutzbeauftragten zufolge war Teil davon die Verarbeitung personenbezogener Daten der Katzenhalterinnen und Katzenhalter. Ein dafür notwendiger Auftragsverarbeitungsvertrag sei aber zu keinem Zeitpunkt geschlossen worden. Zwischen der Unteren Naturschutzbehörde und der GmbH habe nach vorliegenden Informationen kein Vertragsverhältnis bestanden.

Informationen über Menschen dürften nicht ohne eine Einwilligung oder ein Gesetz erhoben, gespeichert, systematisiert und übermittelt werden, betont die Fachbehörde in dem Schreiben. «Jeder Verarbeitungsvorgang bedarf einer Rechtsgrundlage.» Daher habe man den Beteiligten «dringend empfohlen», die Angelegenheit für die Zukunft zu klären und dabei ihre jeweiligen Datenschutzbeauftragten ins Boot zu holen. «Wir haben die Angelegenheit damit vorläufig abgeschlossen, uns allerdings vorbehalten, zu einem späteren Zeitpunkt die datenschutzrechtliche Ausgestaltung des Monitorings erneut zu überprüfen», heißt es in der Antwort an Jung.

Aus Sicht des FDP-Politikers hat es sich somit gelohnt, dass die Freien Demokraten und er persönlich im vergangenen Sommer massiv gegen die «Datensammelwut» in Walldorf protestiert und den Datenschutzbeauftragten eingeschaltet hätten. «Zum Schutz der Haubenlerchen brauchen wir keine Dossiers über Katzenhalter mit persönlichen Daten der Menschen», betonte Jung.

 

Weitere Nachrichten

Auf regennasser Straße: Zwei Tote bei frontalem Zusammenstoß in Bruchsal

Aquaplaning im prasselnden Regen: Nach einem Unfall mit zwei Toten sind Feuerwehr, Rettungsdienst und ein Hubschrauber im Einsatz. Was bislang bekannt ist.

Starke Gewitter – Experte: "Es müssen alle damit rechnen"

Der Wetterumschwung in Baden-Württemberg ist deutlich: Wer heute draußen unterwegs ist, muss mit heftigem Regen, Hagel und Sturmböen rechnen.

Schwarzenbach-Talsperre: So viele Fische wurden umgesetzt

Der Stausee ist leergefischt. Was mit den Tieren passiert ist und wie die Sanierung der Anlage vorangeht.

So günstig sind regionale Erdbeeren derzeit zu kaufen

Die Saison ist angelaufen, mittlerweile wird in allen Anbauregionen im Land geerntet. Das wirkt sich auf die Preise aus - sie haben nun den Tiefststand der Saison erreicht. Was das genau bedeutet.

Naturschutz: Maifischlarven starten ihre große Reise im Rhein

Der Maifisch war aus Westeuropa nahezu verschwunden. Seit einigen Jahren kehrt die Art langsam in den Rhein zurück - unterstützt vom Menschen. Welche Rolle dabei gezüchtete Larven spielen.




 

Logo meinKA

 

Anzeige

Jetzt meinKA als Werbe-Plattform nutzen!

Informieren Sie sich über Daten, Zahlen und Fakten rund um meinKA und die entsprechenden Werbeformen in unseren Mediadaten: jetzt Mediadaten anfordern.

Wir freuen uns über Ihr Interesse und beraten Sie gerne!

 


 
















Auch interessant


Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.