News aus Baden-Württemberg
Fahrspaß contra Erholung: Motorradlärm im Fokus

News aus Baden-Württemberg Fahrspaß contra Erholung: Motorradlärm im Fokus

Quelle: Pixabay
dpa

Braucht es Tempolimits, Fahrverbote, Strafen? Anwohner haben es satt und machen Front gegen Motorradlärm. Biker fühlen sich gegängelt. Dabei müsste die harte Tour gar nicht sein.

Der Frühling ist da – und mit ihm die Motorräder, die zuhauf den Schwarzwald hochkurven. Doch was den einen ein schönes Hobby, ist den anderen zunehmend eine Plage. Anwohner an besonders beliebten Strecken im Land machen Front gegen Motorradlärm. Rund 160 Orte und Kreise umfasst inzwischen die «Initiative Motorradlärm» der Landesregierung. Sie sind sich einig: So kann es nicht weitergehen. Sie fordern Rücksicht – und notfalls auch Verbote.

Wo sind die Brennpunkte?

Motorradfahren macht auf landschaftlich reizvollen, bergigen und kurvenreichen Strecken Spaß. Als Lärm-Hotspots in Baden-Württemberg gelten der Schwarzwald, die Schwäbische Alb, der Odenwald sowie die Löwensteiner Berge und die Bergstraße. Besondres betroffen sind dem ADAC zufolge die Schwarzwaldhochstraße (B500) zwischen Baden-Baden und Ruhestein und die Verbindungsstrecke ins Murgtal (L83), der Albaufstieg (L360), das Lautertal im Zollernalbkreis und die Löwensteiner Berge (B39).

Warum gibt es Zoff?

Vor allem die Masse macht’s. Es gibt immer mehr Motorräder: Seit 2011 stieg die Zahl der Neuzulassungen in Baden-Württemberg laut Statistischem Landesamt um 22 Prozent auf fast 700 000 im vergangenen Jahr. Ein neuer Höchststand. In den letzten 50 Jahren hat sich der Bestand fast verzwanzigfacht, so der ADAC. Allein im nördlichen Schwarzwald sind nach ADAC-Schätzungen an Sommertagen zwischen 3000 und 6000 Biker unterwegs. Wenn die noch aufdrehen, den Auspuff für den richtigen Sound manipulieren und im Pulk fahren, ist es aus mit der Erholung anderer. Der Lärmschutzbeauftragte der Landesregierung, Thomas Marwein, beobachtet zudem immer lautere Maschinen vom Werk her. Teils verstärkt Topographie den Sound: Bei einer Tallage mit Steilwänden herum schallt er direkt in den Ort zurück.

Ab wann wird Lärm gefährlich?

Laut Umweltbundesamt sollte ein Lärmpegel von 65 Dezibel am Tag und 55 Dezibel in der Nacht nicht überschritten werden. Bei einer Messung an der Bundesstraße 39 bei Löwenstein (Kreis Heilbronn) war laut Verkehrsministerium jedes zweite Motorrad mit 87 Dezibel oder lauter unterwegs. Wer nahe einer Biker-Strecke wohnt, leidet nach Angaben des Lärmschutzbeauftragten nicht selten unter Lärm von bis zu 100 Dezibel. «Das entspricht einem Presslufthammer.»

Was wird dagegen getan?

Die Polizei kontrolliert verstärkt und geht gegen Raser vor. Es wird auf technische Manipulationen an Auspuffanlagen geachtet. Im Rahmen des ersten Aktionswochenendes der Polizei zum Saisonauftakt nehmen landesweit 600 Polizisten auffällige Motorräder unter die Lupe. Und sie klären auf. Das Ziel hat auch die ADAC-Schilder-Kampagne («Leiser fahren»). Rund 160 Orte und Kreise wehren sich inzwischen mit der «Initiative Motorradlärm». Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) fordert: «Motorräder müssen leiser werden.»

Und wenn alles nichts nutzt?

Dann kommt die harte Tour. «Rücksichtsloses Fahren muss deutliche Folgen haben», sagt Hermann. Den Bundesrat hat er schon auf seiner Seite; die Bundesregierung soll rechtliche Änderungen auf den Weg bringen. Nötig sei etwa eine Lärmobergrenze, die ein Motorrad in keinem Fahrzustand überschreiten darf. «Wer sich nicht an die Regeln hält, wird konsequent kontrolliert und angezeigt», sagt Innenminister Thomas Strobl (CDU). Saftige Bußgelder inklusive. Diskutiert wird auch über Fahrverbote nach dem «Tiroler Modell». Dort sind für laute Maschinen einige Bergstraßen von Juni bis Oktober gesperrt.

Was sagen Motorradfahrer?

Der Bundesverband der Motorradfahrer unterstreicht, dass sich die überwiegende Mehrzahl der Motorradfahrer an Regeln halte. Bernd Obrecht, Motorradfahrer aus Freiburg und Vertreter des Motorradclubs «Kuhle Wampe», sagte neulich bei einer Online-Diskussion, mit Streckensperrungen nur für Motorräder sei sein Verein nicht einverstanden. Damit würden alle für einige «schwarze Schafe» bestraft. Die meisten Motorradfahrer sind ordnungsgemäß unterwegs, meint auch der ADAC. Sie sollten nicht wegen einzelner Ausreißer benachteiligt werden. Schließlich sorgen auch Auto-Poser für Frust bei Anwohnern.

Was ist ohne Weiteres möglich?

Rücksicht. Wer sich an Tempolimits hält, einen höheren Gang wählt und vorausschauend fährt, ist leiser unterwegs. «Jeder kann durch seinen Fahrstil erheblich auf die Geräuschentwicklung seines Fahrzeugs einwirken», sagt Karin Buhrke, Bürgermeisterin in Forbach. Bei Motorradfahrern müsse dafür noch ein stärkeres Problembewusstsein geschaffen werden.

 

Weitere Nachrichten

Vater wegen Kindesentführung zu drei Jahren Haft verurteilt

Die Eltern trennen sich. Der Kampf um den Umgang mit dem gemeinsamen Sohn beginnt und endet bis heute nicht. Er mündet in der Entführung des Kindes nach Panama. Der Vater muss sich dafür nun vor Gericht verantworten. In dem Fall gibt es nur Verlierer.

Messerangriff in Wohnunterkunft in Hockenheim: Verdächtiger in Haft

Weil er in einer Obdachlosenunterkunft in Hockenheim (Rhein-Neckar-Kreis) zwei andere Männer teils lebensgefährlich verletzt haben soll, ist ein Mann in Untersuchungshaft gekommen.

Naturkundemuseum Karlsruhe & LUBW: Nachtfalter leiden wegen schwindender Biotope

Nachtfalter leiden in Baden-Württemberg vor allem unter den schwindenden nährstoffarmen Lebensräumen wie Magerrasen, Heiden und Niedermoore.

Flüchtlingspolitik: Ministerpräsident sieht Land an Kapazitätsgrenze

Die Flüchtlingslage wird mit jedem Tag brenzliger. In den Kommunen sei kein Platz mehr, heißt es. Kritik an den vergleichsweise hohen Sozialleistungen für ukrainische Flüchtlinge wird lauter. Und nun erreichen auch noch erste russische Kriegsdienstverweigerer das Land.

EnBW & RWE: Übertragung von Strommengen soll AKW-Produktion sichern

Damit die Atomkraftwerke Emsland und Neckarwestheim II bis Ende des Jahres in vollem Umfang Strom produzieren können, haben die Energieversorger EnBW und RWE gesetzlich verbriefte Strommengen gewissermaßen umgebucht.




 

Logo meinKA

 

Anzeige

Jetzt meinKA als Werbe-Plattform nutzen!

Informieren Sie sich über Daten, Zahlen und Fakten rund um meinKA und die entsprechenden Werbeformen in unseren Mediadaten: jetzt Mediadaten anfordern.

Wir freuen uns über Ihr Interesse und beraten Sie gerne!

 


 
















Auch interessant


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Daumen hoch, wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, oder zeigen Sie uns, dass wir uns verbessern können.

0%
0%

Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.