News aus Baden-Württemberg
Förderprogramm: Land will mit Regiobussen abgehängte Gegenden erschließen

News aus Baden-Württemberg Förderprogramm: Land will mit Regiobussen abgehängte Gegenden erschließen

Quelle: Pixabay
dpa

Längst nicht jede Ecke im Land hat einen Zugang zum Schienenverkehr. Diese Lücke will das Land schließen. Das Netz der Regiobuslinien in Baden-Württemberg wächst. Aber es gibt auch eine Hürde in Berlin.

Die Zahl der Regiobusse für den besseren Anschluss an die Schiene im ländlichen Raum soll sich nach den Vorstellungen der Landesregierung mindestens verdoppeln. Abhängig ist der Erfolg aber vor allem von den Regionalisierungsmitteln des Bundes, mit denen die Busse und Bahnen im Land finanziert werden können. «Wir würden das Angebot gerne ausbauen», sagte Verkehrsminister Winfried Hermann am Dienstag in Stuttgart. «Aber wenn im nächsten Bundeshaushalt die Regionalisierungsmittel wiederum nicht erhöht werden, dann kriegen wir ein Problem.»

Die Pläne des Landes gingen noch davon aus, dass mehr Mittel zugewiesen würden, denn so sei es auch im Koalitionsvertrag der Bundesregierung vereinbart worden. «Es wäre verdammt ärgerlich, wenn das nicht passieren würde», sagte der Grünen-Minister.

Auch der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) appellierte an den Bund. Die schnellen, überregionalen Fernbusse stärkten den ländlichen Raum und reduzierten den Verkehr. «Nachhaltige Konzepte brauchen aber dauerhaft mehr Mittel vom Bund», forderte der BWIHK.

Derzeit fahren Busse auf 36 Linien durch das Land. Sie sollen das Bahnnetz im Land ergänzen und haben den ländlichen Raum auf über 900 Kilometern erschlossen. Es werden sicher mehr als 40 Linien, sagte Hermann und ergänzte: «Wir denken, das könnten sogar 70 bis 90 Linien werden, wenn die Kommunen bereits sind, ihren Anteil auch zu bringen.» Zehn Anträge würden derzeit bearbeitet.

«Wir können jetzt langsam wieder sagen, wir haben die ländlichen Räume erfasst. Zwar nicht mit der Schiene, aber mit Bussen, die zur Schiene führen.» Abseits liegende Mittel- und Unterzentren, in denen es keinen Bahnanschluss gebe, sollen durch die Buslinien an das Schienennetz angebunden und Lücken im öffentlichen Personennahverkehr zwischen benachbarten Ober- und Mittelzentren geschlossen werden.

Das Programm war 2015 mit zunächst fünf Linien eingeführt worden – und rentiert sich nach Hermanns Angaben auch finanziell. Denn auf der Schiene wird der Kilometer demnach mit zwischen 5 und 15 Euro je nach Strecke und Netz unterstützt, die Kosten für die Buslinie liegen im Durchschnitt bei 2,50 Euro.

Im besten Fall sind Regiobuslinien mit Klimaanlage, WLAN und Auflade-Steckdosen ausgestattet, sie sind barrierefrei und an den Abfahrtszeiten der Züge orientiert. Die Busse fahren an Wochentagen in der Zeit ab 5.00 Uhr bis Mitternacht, an Samstagen ab 6.00 Uhr bis 24 Uhr und an Sonntagen von 7 Uhr bis 24 Uhr jeweils mindestens im Stundentakt. Neben dem verbindlichen Stundentakt der Regiobusse werden auch Halbstundentakte finanziell unterstützt, sogar ein Viertelstundentakt kann nach Angaben des Ministeriums gefördert werden.

Zufrieden zeigte sich Hermann auch mit der Auslastung. So seien auf der Strecke von Sigmaringen nach Überlingen am Bodensee im Jahr 2019 mehr als 400 000 Fahrgäste gezählt worden. Der Nationalpark Schwarzwald sei mit vier Linien in dichtem Takt erschlossen worden. Von Rottweil nach Schiltach waren laut Hermann auch in Corona-Zeiten eine halbe Million Fahrgäste unterwegs, die Strecken von Künzelsau nach Bad Mergentheim und von Reutlingen zum Stuttgarter Flughafen seien ebenfalls sehr beliebt.

 

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