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Forschungstest in Karlsruhe: Warum ein Solarium durch Obstplantagen fährt

News Forschungstest in Karlsruhe: Warum ein Solarium durch Obstplantagen fährt

Quelle: Uli Deck/dpa
dpa

Mit UV-Licht gegen Schädlinge: Forschende testen in Karlsruhe, wie Obstbäume widerstandsfähiger werden – und ob so der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sinken kann.

Forschende testen in Karlsruhe, ob Obstbäume und -sträucher durch UV-Licht mehr Abwehrkräfte gegen Schädlinge entwickeln oder zum Beispiel besser mit Wassermangel klarkommen. Dafür zieht ein Traktor einen Anhänger mit grell leuchtenden Röhren – wie bei einem Solarium – durch Teile der Plantagen am Landwirtschaftlichen Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg. «Die Frage dahinter ist, wie man den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduzieren kann», erklärte Doris Betz vom LTZ.

«Das UV-Licht spielt der Pflanze vor, dass eine Infektion vorliegt», erläuterte sie. «Dann fährt die Pflanze ihr Immunsystem hoch.» Das könnte vor allem bei pilzlichen Erregern wie Mehltau hilfreich sei.

Die biologischen Prozesse bei dieser sogenannten Wirt-Krankheitserreger-Interaktion seien im Grunde schon lange bekannt, sagte Betz. Bislang hätten aber Versuche, die Resistenz der Pflanze von außen zu erhöhen, etwa mit speziellen Algenpräparaten, in der Praxis kaum Effekte gezeigt.

 

Sonnenbrandgefahr

Mit UV-Licht dagegen habe es in Frankreich schon erfolgreiche Versuche in Weinbergen gegeben. In Karlsruhe werden nun unter anderem Apfelbäume, Stachel- und Johannisbeeren bestrahlt. Die Wirkung einer Durchfahrt soll bis zu zwei Wochen anhalten. Das Licht ist so grell, dass die Gefahr von Sonnenbrand besteht und Augen gereizt werden. Daher trägt der Traktorfahrer eine Sonnenbrille, und andere Menschen müssen Dutzende Meter Abstand halten.

Verglichen mit natürlichem Sonnenlicht entspricht eine Dosis in etwa der UV-Exposition an einem halben Sommertag, wie François Sement vom Hersteller UV Boosting mitteilte. Basierend auf Hunderten von Versuchen an Weinreben in ganz Europa seit 2020 habe das Verfahren im Schnitt den Krankheitsdruck um 41 Prozent verringert. Der Ertrag sei durch weniger Verluste aufgrund von Krankheiten und Umweltstress um 13 Prozent gestiegen. Zu den Kosten für ein solches Gerät machte der Anbieter keine Angaben.

 

Erfolg ist nur ein Kriterium

Die Wissenschaftler am LTZ wollen auch schauen, ob das UV-Licht beispielsweise positive Auswirkungen auf die Frosttoleranz der Pflanzen hat. Oder ob andersherum Früchte durch die Bestrahlung geschädigt werden.

Doch ein positives Ergebnis alleine reicht nicht. «Am Ende ist die entscheidende Frage, ob es in großem Stil praktikabel und letztlich wirtschaftlich ist», sagte Betz. Bei zusätzlichen Überfahrten müssen die Anschaffungs- und Betriebskosten sowie die Arbeitszeit des Fahrenden dem Nutzen – zum Beispiel weniger Mehltau – gegenübergestellt werden.

 

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