News aus Baden-Württemberg
„Holz ist das neue Toilettenpapier“: Hoch beim Holzklau

News aus Baden-Württemberg „Holz ist das neue Toilettenpapier“: Hoch beim Holzklau

Quelle: Stefan Sauer/dpa/Archivbild
dpa

Die Aussicht auf den nahenden Winter verleitet manch einen Heizofenbesitzer, sich im Wald mit Brennmaterial zu versorgen – ohne dafür zu bezahlen. Fast nichts ist vor Langfingern sicher. Können Waldbesitzer den Diebstahl mit Technik verhindern?

Von einzelnen Scheiben bis zu großen alten Stämmen – Holz aus Baden-Württembergs Wäldern wird in der Energiekrise mehr und mehr zum begehrten Diebesgut. «Von Januar bis September dieses Jahres liegen die Fallzahlen auf einem Fünfjahreshoch, und auch beim Schaden zeichnet sich ein Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren ab», sagte der Sprecher des Landeskriminalamts, David Fritsch, zur Zahl der Holzdiebstähle.

Im Vorjahr zählte die Behörde 479 Fälle mit einem Schaden von knapp 294.500 Euro. Im Jahr 2018 waren es 547 Fälle mit einem Schaden von rund 331 300 Euro. «Holz ist das neue Toilettenpapier», ist Tobias Knupfer, Landesvizechef des Bundes deutscher Forstleute, überzeugt.

Die Kunden bunkerten das Holz für ihre Öfen, weil sie Engpässe voraussähen. «Wenn die Leute sich früher für den Winter mit 20 bis 25 Festmetern eindeckten, ordern sie jetzt das Doppelte – aus Angst, bald leer auszugehen.» Andere bedienten sich im Wald für den Eigenbedarf oder zum lukrativen Wiederverkauf selbst. Folge in beiden Fällen: Die Preise steigen und weniger Brennholz ist verfügbar.

Ganze Wagenladungen würden mittels Motorsägen und Kränen gestohlen, im Verkaufswert von 1500 bis 2000 Euro. Knupfer: «Mittlerweile schießen Holzhändler wie Pilze aus dem Boden und versuchen, auch online und teils mit gestohlener Ware ihren Reibach zu machen.» Ein Raummeter Holz kostete im vergangen Jahr je nach Region noch zwischen 100 und 120 Euro, jetzt sind es schon 200 bis 240 Euro.

Regionale Schwerpunkte waren 2021 die Polizeipräsidien Aalen (50 Fälle), Reutlingen (47) und Freiburg (42). «Das sind ländliche Gebiete mit viel Wald», erläutert LKA-Mann Fritsch. In städtischen Regionen wie Mannheim (15) und Stuttgart (5) kommt das Delikt deutlich seltener vor.

Die Aufklärungsquote liegt seit Jahren bei rund 30 Prozent. «Die Waldbesitzer können damit nicht zufrieden sein», sagt Ulrich Potell, Sprecher des Landeswaldverbandes. Allerdings sei der Wald mit rund 40 Prozent der Landesfläche riesig und damit nicht zu bewachen. Viele Geschädigte sähen wegen der geringen Aufklärungschancen von einer Anzeige ab. Waldbesitzer sollten Diebstähle jedoch in jedem Fall anzeigen, meint Potell. «Dadurch werden die Zahlen sichtbar und ein politisches Handeln sehr viel wahrscheinlicher.»

Je höher der Verarbeitungsgrad, desto diebstahlsgefährdeter ist das Holz. Beliebt sind nach Angaben des Landeswaldverbandes schon gespaltene und gestapelte Hölzer von Laubbäumen mit hohem Brennwert. Waldbesitzer sollten Holz an abgelegenen Plätzen lagern. Potell: «Bei vielen Spaziergängern kommt dann doch mal einer auf dumme Ideen.» Dabei sollte jedem Langfinger klar sein, dass das jetzt entwendete Holz ein, zwei Jahre trocknen muss, bis damit geheizt werden kann.

Wenn Leute dennoch Äste vom Boden mitgehen lassen, sei das kein Kavaliersdelikt, betont Potell. «Niemand sollte sagen: Das Geäst liegt doch eh nur da, und keiner will es.» Es habe eine wichtige ökologische Funktion. Äste unter sieben Zentimeter Durchmesser würden bewusst nicht «aufgeräumt». Der Wald brauche sie für seine Nährstoffversorgung.

Der Forst gehöre entgegen weit verbreiteter Meinung auch nicht allen, betont Potell vom Waldverband. Ein gutes Drittel der Waldfläche in Baden-Württemberg verteilt sich laut Landeswaldverband auf mehr als 260 000 private Besitzer. Doch auch die Kommunen und das Land bewirtschaften den Forst und verkaufen die Erzeugnisse regulär. Das bei Dieben beliebte Holz von Laubbäumen gibt es vor allem im Gemeinde- und Staatswald.

Waldbesitzer setzen im Kampf gegen den Holzklau inzwischen auf moderne Technik: die sogenannten Tracker. Das sind ins Holz eingebohrte oder in Stapel versteckte Ortungsgeräte, die bei Bewegung Alarm schlagen und dem Holzbesitzer ermöglichen, die Polizei mit den GPS-Daten sofort zum Tatort zu schicken. «Es ist ganz entscheidend, die Diebe auf frischer Tat zu ertappen, denn sobald Markierungen der Besitzer entfernt werden und die Diebe den Wald verlassen haben, ist das Holz nicht mehr zuzuordnen, ein Diebstahl nicht mehr nachzuweisen», erläutert Potell. Der Verbandsvertreter fordert härtere Sanktionen für Holzdiebe. «Das ist kein Randphänomen mehr.»

 

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