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Karlsruher Museumsdirektor erklärt: Eichen-Netzwanzen breiten sich nach Hitzewelle rasant aus

News Karlsruher Museumsdirektor erklärt: Eichen-Netzwanzen breiten sich nach Hitzewelle rasant aus

Quelle: Uli Deck/dpa
dpa

Die Eiche ist ein Nationalsymbol in Deutschland. Doch invasive Schädlinge rücken ihr zu Leibe. Welche Entwicklung Fachleute beobachten.

Mit der Hitzewelle tauchen mancherorts massiv Eichen-Netzwanzen auf. Dass sich die aus Nordamerika stammenden invasiven Schädlinge hierzulande vehement ansiedeln, sei neu, sagte der Direktor des Karlsruher Naturkundemuseums, Martin Husemann, der Deutschen Presse-Agentur. «Ich denke, dass sie sich schnell über Deutschland ausbreiten.»

Die ohnehin schon durch die Trockenheit geschwächten Eichen würden durch den Wanzenbefall zusätzlich geschwächt, erklärte Husemann. «Was das für Auswirkungen hat, kann man noch nicht so richtig einschätzen.»

 

Blätter werden angesaugt

Eichen-Netzwanzen (Corythucha arcuata) werden etwa drei Millimeter groß. Markante dunkle Flecken auf den sonst durchsichtigen Flügeln unterscheiden sie von den verwandten Platanen-Netzwanzen (Corythucha ciliata).

Die Insekten saugen an der Unterseite der Blätter verschiedenster Eichen-Arten. Zu sehen sind dann – etwa in Karlsruhe – hellgelbe Verfärbungen. Die Blätter können auch vertrocknen. Zudem mache die Schwächung es anderen Krankheiten wie Mehltau leichter, erklärte Husemann. Fachleute sehen in den Tieren eine erhebliche Bedrohung für die europäischen Eichenwälder.

 

Erstnachweis noch recht frisch

Im Jahr 2021 hatte die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) Baden-Württemberg den Fund einer Eichen-Netzwanze bestätigt. Diese habe damit Deutschland erreicht, teilte die FVA dazu mit.

Erstmals in Europa sei sie im Jahr 2000 in Italien nachgewiesen worden. Laut FVA war davon auszugehen, dass sich die Tiere entlang der Bahnstrecke zwischen Mannheim und Karlsruhe durch mit dem Wind vorbeifahrender Züge verwirbelt wurden und sich so in Baden-Württemberg ausbreiteten.

 

Eichen-Ökosysteme bedroht

«Besonders beunruhigend ist das rasante Tempo ihrer Ausbreitung seit ihrer Ankunft», schreibt ein internationales Forscherteam, zu dem Husemann zählte, in einer 2024 veröffentlichten Studie. «Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass sie das bedrohlichste invasive Gliederfüßertier in europäischen Eichen-Ökosystemen ist und vielfältige negative Auswirkungen nicht nur auf die Eichen selbst, sondern auch auf die Nahrungsnetze der Eichen hat.»

Der Klimawandel trägt seinen Teil zur Ausbreitung bei. Zudem blieben die Wanzen leicht an Haaren oder Kleidung hängen und würden so verschleppt, sagte Husemann. Auch könnten die Wanzen gut fliegen. Unter der dicken Rinde der Bäume überwintern sie seinen Angaben zufolge.

«Problematisch ist, dass man über Ausbreitung und Folgen hier noch relativ wenig weiß», sagte der Museumsdirektor. Weil Eichen-Netzwanzen recht unscheinbar seien, werde das Thema nicht so richtig wahrgenommen. In ihrer Heimat hätten die Tiere natürliche Gegenspieler, die hierzulande noch fehlten.

 

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