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Kriminalstatistik: Mehr Sexualstraftaten und mehr Kinder-Gewalt in Baden-Württemberg

News Kriminalstatistik: Mehr Sexualstraftaten und mehr Kinder-Gewalt in Baden-Württemberg

Quelle: Bernd Weißbrod/dpa
dpa

Die Zahl der Sexualstraftaten wächst. Besonders die Verbreitung pornografischer Inhalte nimmt zu – die Fallzahlen gehen auf Informationen aus den USA zurück. Auch die Gewalt unter Kindern steigt an.

Die Zahl der Sexualstraftaten im Südwesten ist zuletzt deutlich angewachsen. Sie stieg im vergangenen Jahr um 13,8 Prozent auf 14.420 Fälle im Vergleich zum Vorjahr, wie das Innenministerium der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Bei fast der Hälfte der Delikte geht es um die Verbreitung pornografischer Inhalte – nämlich 6.777 Fälle. Die Zahlen in dem Bereich stiegen um knapp 20 Prozent.

Der Anstieg ist laut Innenministerium vor allem auf die hohe Zahl an Verdachtsmeldungen aus den USA zurückführen. Die kommen von der halbstaatlichen Organisation «National Center for Missing and Exploited Children», kurz NCMEC. Im Jahr 2024 gingen demnach 6.288 entsprechende Hinweise beim Landeskriminalamt im Südwesten ein – rund sechs Prozent mehr als im Vorjahr.

Vergehen statt Verbrechen

Das Problem: Kinder und Jugendliche würden strafbare Inhalte häufig ohne «pädosexuelle Motivation» über Messengerdienste versenden, so das Ministerium. Auch Eltern oder Lehrerinnen und Lehrer, die kinderpornografische Bilder oder Videos entdeckten und an andere Eltern oder die Schulleitung weiterleiteten, um diese zu informieren, könnten sich strafbar machen.

Um dem juristisch angemessen zu begegnen, sieht eine 2024 in Kraft getretene Strafrechtsänderung in bestimmten Fällen der Kinderpornografie eine Herabstufung vom Verbrechen zum Vergehen vor, wie das Innenministerium betont. Damit wurde die Mindestfreiheitsstrafe wieder auf unter ein Jahr gesenkt. «Die Staatsanwaltschaften und Ermittlungsbehörden haben somit die Möglichkeit, angemessen – zum Beispiel durch Einstellung des Verfahrens – auf Fälle zu reagieren, denen keine pädokriminelle Energie zugrunde liegt.»

Speicherung von IP-Adressen

Innenminister Thomas Strobl forderte in dem Zusammenhang mit Kinderpornografie eine angemessene Speicherfrist von Telekommunikationsdaten. «Die Speicherung der IP-Adressen und der damit verbundenen Anschlussinhaberinformationen ist in solchen Fällen oftmals der einzige Ermittlungsansatz», sagte der CDU-Politiker. «Deshalb brauchen unsere Sicherheitsbehörden dringend eine angemessene Speicherfrist von Telekommunikationsdaten. Nur so können wir diese Taten aufklären.» Strobl sagte, er erwarte von einer neuen Bundesregierung, dass die IP-Adressenspeicherung nun zügig komme.

Die Speicherung von IP-Adressen ist zwischen Strafverfolgern und Datenschützern umstritten. Derzeit gibt es keine anlasslose Speicherung, aber Forderungen nach längeren Fristen für Ermittlungszwecke nehmen zu.

Am Mittwoch will der Minister die Kriminalstatistik für das Jahr 2024 präsentieren. Die Jugendkriminalität, in der mindestens ein Tatverdächtiger unter 21 Jahren alt ist, war dem Ministerium zufolge zuletzt rückläufig. Wenn man Verstöße gegen das Ausländerrecht hinaus rechne, sei die Zahl junger Tatverdächtiger im Vergleich zum Vorjahr um 7,8 Prozent gesunken. Die Ursache dafür liegt vor allem im Rückgang im Bereich der Rauschgiftdelikte nach der Teil-Legalisierung von Cannabis. Auch im Bereich der Diebstahlsdelikte und des Schwarzfahrens sind die Zahlen rückläufig.

Körperverletzungen und Sexualstraftaten steigen

Nicht in allen Bereichen geht die Jugendkriminalität allerdings zurück. Bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung stieg die Zahl junger Tatverdächtiger – bei Kindern bis 13 Jahre sogar um 34,8 Prozent. Auch das ist vor allem auf die Verbreitung pornografischer Inhalte zurückzuführen.

Auch Körperverletzungen unter Kindern und Jugendlichen nehmen zu. Die Zahl der Tatverdächtigen bis 13 Jahre in dem Bereich stieg um 13,2 Prozent auf 2.640 Kinder an. Auch bei den 14- bis 17-Jährigen gibt es einen Anstieg im zweistelligen Bereich. Im langfristigen Vergleich bewegten sich die Zahlen aber weiterhin auf einem niedrigen Niveau, so das Ministerium.

Mehr Gewaltopfer an Schulen

Bei der Gewaltkriminalität stieg die Zahl junger Verdächtiger um 8,3 Prozent auf 6.705 an. Im vergangenen Jahr wurden mit 2.545 Fällen von Gewalt an Schulen gleich viele Straftaten wie im Vorjahr registriert. Allerdings bewegt sich die Zahl der Opfer an Schulen auf einem Fünfjahreshoch: 2.796 Schülerinnen und Schüler sowie 245 Lehrkräfte wurden 2024 Opfer einer Straftat. Meist handle es sich um vorsätzliche leichte Körperverletzungen, so das Ministerium.

«Bei der Bekämpfung der Jugendkriminalität setzen wir in Baden-Württemberg vor allem auf Prävention, Aufklärung und Wiedereingliederung», sagte Strobl. «Klar ist dabei auch: Greift das nicht, handeln wir hier sehr konsequent und zeigen straffälligen Jugendlichen ihre Grenzen auf. Wichtig ist dabei, dass die Strafe auf dem Fuße folgt, sprich: Der Zeitraum zwischen Straftat und Strafe ist möglichst kurz.»

 

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