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Nach Todesfällen: Droht Flughafen-Malaria auch im Südwesten?

News Nach Todesfällen: Droht Flughafen-Malaria auch im Südwesten?

Quelle: James Gathany/AP/dpa
dpa

Die jüngsten Todesfälle nach Flughafen-Malaria in Frankfurt sorgen für Unsicherheit. Wie Experten die Lage in Baden-Württemberg einschätzen und was es mit den eingeschleppten Mücken auf sich hat.

Menschen in Baden-Württemberg müssen sich wegen der jüngsten Malaria-Fälle im Raum Frankfurt nach Einschätzung von Experten derzeit nicht besonders schützen oder ihr Verhalten anpassen. Das Risiko einer Ansteckung sei im Südwesten sehr gering, sagten ein Tübinger Tropenmediziner und eine Fachvirologin des Landesgesundheitsamts Baden-Württemberg der Deutschen Presse-Agentur.

Am Dienstag hatte das Frankfurter Gesundheitsamt bekanntgegeben, dass zwei Anwohner in der Nähe des Airports an sogenannter Flughafen-Malaria erkrankt seien, einer davon starb an der Infektion. Die Betroffenen arbeiteten demnach nicht am Flughafen und waren zuvor nicht in einem Malaria-Risikogebiet. Die Behörden vermuten, dass sie von infizierten, eingeschleppten Anopheles-Mücken gestochen wurden. Im Sommer waren bereits sechs Beschäftigte des Frankfurter Flughafens an Malaria erkrankt, zwei von ihnen starben.

Warum das Risiko im Südwesten gering ist

Damit es zu einer solchen Infektion kommt, müsste eine mit Malaria-Erregern infizierte Mücke etwa mit einem Flugzeug oder über Fracht nach Deutschland gelangen, den Transport überleben und anschließend einen Menschen stechen. Unter günstigen Bedingungen können Anopheles-Mücken mehrere Kilometer zurücklegen.

Der Tübinger Malaria-Experte Peter Kremsner hält es daher für wenig wahrscheinlich, dass eine infizierte Mücke aus den Tropen nach Deutschland gelangt. «Ganz auszuschließen ist es nicht, aber die Wahrscheinlichkeit ist sehr, sehr, sehr gering weit weg von internationalen Flughäfen», sagte er. Malaria werde nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Ein Reisender aus den Tropen könne die Krankheit daher nicht einfach an Angehörige weitergeben.

Das Risiko sei in Baden-Württemberg dennoch deutlich geringer als rund um den Frankfurter Flughafen, sagte Christiane Wagner-Wiening, Expertin des baden-württembergischen Landesgesundheitsamts. Weder in Stuttgart noch in Baden-Baden gebe es Fluglinien, die Malaria-Endemiegebiete anflögen. «Wir haben in den letzten Jahrzehnten keine Infektion im Zusammenhang mit Flughäfen beobachtet», sagte sie.

Warum sich Malaria kaum ausbreitet

Auch eine dauerhafte Übertragung von Malaria hält Kremsner in Baden-Württemberg für sehr unwahrscheinlich. Zwar gebe es hier Anopheles-Arten, die den Erreger grundsätzlich übertragen könnten. Sie seien dafür jedoch weniger geeignet als tropische Arten. Hinzu komme, dass Infektionen in Deutschland wegen des gut ausgebauten Gesundheitssystems in der Regel erkannt und behandelt würden.

Menschen, die nicht oder nur selten mit Malaria in Kontakt gekommen seien, würden bei einer Infektion immer erkranken und seien medizinisch auffällig, sagte Kremsner. Dadurch könne die Krankheit behandelt werden, bevor sich eine weitere Übertragungskette entwickle.

Die Todesfälle in Frankfurt hingegen könnten nach Einschätzung der Stuttgarter Expertin auch damit zusammenhängen, dass die Diagnose zunächst nicht gestellt wurde. Malaria tropica sei grundsätzlich gut behandelbar. Problematisch werde es, wenn eine Infektion nicht in Betracht gezogen werde. Nach der ungewöhnlichen Häufung und den Todesfällen sei die Ärzteschaft nun aber stärker sensibilisiert.

Empfehlungen für die Bevölkerung

Für Baden-Württemberg sieht das Landesgesundheitsamt derzeit keinen Anlass für zusätzliche Maßnahmen, auch wenn es die Gesundheitsämter im August sensibilisiert hat. Unabhängig von den Fällen in Frankfurt empfiehlt sich in den Sommermonaten ein allgemeiner Mückenschutz – insbesondere in der Oberrheinregion. Dort können Stechmücken unter bestimmten Umständen auch Erreger wie Dengue- oder Chikungunya-Viren übertragen.

Die Stadt Frankfurt rät ihren Bürgerinnen und Bürgern wegen der neuen Fälle zu Mückenschutz durch Repellents und bedeckender Kleidung sowie zu Fliegengittern in Wohnräumen. Die Gefahr, sich mit Malaria zu infizieren, ist nach Angaben des örtlichen Gesundheitsamts aber auch in der Mainmetropole sehr gering. Die klimatischen Bedingungen in Deutschland seien aktuell für den Entwicklungszyklus von Mücke und Erreger ungünstig.

 

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