News Projekt gestoppt: Rückzug der Deutschen Glasfaser im Landkreis Karlsruhe
Um einen flächendeckenden Ausbau von Glasfaserinfrastruktur im Landkreis Karlsruhe zu erreichen, hat dieser mit 28 Städten und Gemeinden eine Kooperationsvereinbarung mit der Deutschen Glasfaser Holding GmbH geschlossen. Nun wird das Projekt gestoppt.
Rückzug der Deutschen Glasfaser im Landkreis
Für einen flächendeckenden Ausbau von Glasfaserinfrastruktur im Landkreis Karlsruhe wurde gemeinsam mit 28 Städten und Gemeinden eine Kooperationsvereinbarung mit der Deutschen Glasfaser Holding GmbH geschlossen. Ungeachtet davon stoppt das Telekommunikationsunternehmen nun die im Landkreis für 2026 angekündigten Ausbauprojekte.
Ein endgültiger Rückzug soll dies nach Aussagen der Deutschen Glasfaser zwar noch nicht sein. Für den Landkreis und die betroffenen Städte und Gemeinde ist es dennoch ein schwerer Rückschlag, heißt es in einer Pressemeldung des Landkreises: „Entgegen vieler Beteuerungen auch aus der Politik müssen zahlreiche Menschen im Landkreis noch länger auf einen leistungsfähigen Glasfaserausbau warten“, so Landrat Dr. Christoph Schnaudigel.
„Für die betroffenen Städte und Gemeinden und auch den Landkreis ist der Projektstopp ein Vertrauensbruch. Vier Jahre Abstimmungen und Zuarbeit sind trotz der unterschriebenen Kooperationsvereinbarungen und aller Beteuerungen nun hinfällig. Der Glaube an den eigenwirtschaftlichen Ausbau wurde massiv erschüttert“, so der Landrat weiter.
Übrig blieben verärgerte Kunden und Verwaltungen, die einmal mehr das Versagen des Marktes auffangen müssten: „Die Entscheidung des Bundes, beim Ausbau der Glasfaserinfrastruktur vor allem auf private Anbieter zu setzen, erweist sich einmal mehr als Fehlentscheidung“, verdeutlicht Dr. Schnaudigel weiter.
Flächendeckende Versorgung bis 2030 „utopisch“
Die geplante flächendeckende Versorgung bis 2030 sei unter diesen Voraussetzungen ein utopisches Unterfangen.
Noch beim Pressegespräch im Juli 2025 hat die Deutsche Glasfaser am Ausbau im Landkreis festgehalten und den Kommunen die beabsichtigten Ausbaujahre bis 2028 mitgeteilt. Die bereits bestehenden Backboneverbindungen der BLK wurden dabei als Vorteil hervorgehoben.
Es hieß: Die Anbindung in zahlreichen Kommunen sei dadurch gesichert, die Kunden könnten auch schon während des Ausbaus online geschaltet werden: „Der Stopp des Ausbaus wirft in den Kommunen Fragen auf. Obwohl es bislang keinen Anlass gab, an den gemeinsamen Zielen zwischen Städten, Gemeinden und Deutsche Glasfaser zu zweifeln, färbt dieser Vertrauensbruch ungerechterweise auch auf die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister ab. Denn diese haben sich im Namen der Kooperationen öffentlich für das wachsende Glasfasernetz eingesetzt“, so Landrat Dr. Schnaudigel.
In Graben-Neudorf, Dettenheim, Hambrücken, Philippsburg und Ubstadt-Weiher hat der Ausbau bereits 2023/2024 begonnen. Dort sind die Arbeiten nahezu überall abgeschlossen, die Kunden online. Im vergangenen Jahr folgten Projektstarts in Linkenheim-Hochstetten, Forst, Kronau und Rheinstetten. Auch hier fanden bereits erste Kundenaktivierungen statt.
Nur neun der 28 Kommunen angeschlossen
Insgesamt sind in den genannten Kommunen rund 12.000 Hausanschlüsse geplant, wovon circa 7.500 bereits gebaut wurden. Die offenen Anschlüsse werden nach aktuellem Stand noch fertiggestellt. Damit wurde die Ausbauankündigung in neun der 28 Kommunen, die einen Kooperationsvertrag mit Deutsche Glasfaser unterzeichnet haben, bis Ende 2025 erfüllt.
Der Landkreis Karlsruhe wird zusammen mit der BLK versuchen, den betroffenen Städten und Gemeinden, aktuell sind das Karlsdorf -Neuthard, Bad Schönborn und Ettlingen, abhängig von ihrem geförderten Ausbau mögliche Alternativen, ohne den eigenwirtschaftlichen Ausbau aufzuzeigen.
Auch für die anderen Städte und Gemeinden, bei denen sich der Zeitplan als Folge deutlich verschieben oder sogar vollständig zum Erliegen kommen könnte, müssen erneut weitere Lösungsansätze diskutiert werden. Über die Förderungen von Bund und Land haben die Kommunen landkreisweit bereits über 5.000 Glasfaseranschlüsse gebaut und versorgen sowohl private als auch gewerbliche Kunden.
Überblick über die Situation im Landkreis Karlsruhe, abhängig von den örtlichen Gegebenheiten zum Zeitpunkt des Ausbaustopps der Deutschen Glasfaser:
· In Kraichtal mit seinen neun Ortsteilen sind die POP (Point of Presence), der zentrale Hauptverteilerkasten als Herzstück des lokalen Glasfasernetzes, durch die Deutsche Glasfaser bereits aufgebaut, sodass geklärt werden muss, wie es an den Übergabestationen in den Ortsteilen weitergeht.
· In Ettlingen, Bad Schönborn und Karlsdorf Neuthard hatte die Deutsche Glasfaser den Ausbau für 2026 vorgesehen, der nun gestoppt wurde.
· Die Stadt Ettlingen hat den eigenwirtschaftlichen Glasfaserausbau in der Kernstadt – nach ihrem geförderten Ausbau vor allem der Gewerbegebiete – an die Deutsche Telekom gegeben. Hierin besteht eine Option nach dem Rückzug der Deutschen Glasfaser zum flächendeckenden Ausbau in den Stadtteilen.
· Karlsbad baut bereits gefördert die Ortsteile Auerbach, Mutschelbach und Spielberg flächendeckend aus. Auch Oberderdingen hat mit dem geförderten Ausbau verschiedene Bereiche mit Glasfaser erschlossen.
· Oberhausen-Rheinhausen, Gondelsheim, Östringen, Sulzfeld, Zaisenhausen, Weingarten, Walzbachtal, Eggenstein-Leopoldshafen, Waghäusel, Pfinztal und Bruchsal haben sich in den vergangenen Jahren ebenfalls intensiv mit dem Glasfaserausbau beschäftigt und Gewerbegebiete sowie landwirtschaftliche Betriebe erschlossen. Aufgrund des aktuellen Förderprogramms durften sie die Ortslagen nicht gefördert ausbauen. Die Deutsche Glasfaser hatte den eigenwirtschaftlichen Ausbau in Oberhausen-Rheinhausen, Gondelsheim, Östringen, Sulzfeld, Zaisenhausen, Weingarten, Karlsdorf-Neuthard, Walzbachtal und Pfinztal 2027 konkret angekündigt. Die übrigen Städte und Gemeinden sollten dann ab 2028 folgen.
· Bretten hat mit der Breitbandversorgung (BBV) Rhein-Neckar die Kernstadt und einzelne Ortsteile versorgt. Für die restlichen Ortsteile sollte auch die Deutsche Glasfaser den Ausbau übernehmen.
· Darüber hinaus haben Marxzell und Kürnbach den flächendeckenden Ausbau in Zusammenarbeit mit der BLK und der Netcom vereinbart. Der Ausbau soll in Marxzell 2026 und in Kürnbach 2027 starten.
· Die Stadt Stutensee versucht seit Anfang des Jahres – nun nach der Absage der Deutschen Glasfaser – das Angebot der Deutschen Telekom zum flächendeckenden Ausbau mit konkretem Beginn 2026 in allen Ortsteilen zu erreichen.
· Waldbronn und Malsch versuchen, den flächendeckenden Ausbau mit der Deutschen Telekom zu realisieren.