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Schläge, Tritte, Mobbing: Umfrage zu Gewalt – wenn Lehrkräfte zu Opfern werden

News Schläge, Tritte, Mobbing: Umfrage zu Gewalt – wenn Lehrkräfte zu Opfern werden

Quelle: Marijan Murat/dpa/Symbolbild
dpa

Lehrkräfte müssen einer Umfrage zufolge an vielen Schulen mit Bedrohungen, Beleidigungen, Mobbing und sogar körperliche Angriffen umgehen. Die Schulleiter nehmen einen Anstieg wahr.

Eine Lehrerin, die von einem Drittklässler gegen Rücken und Brust geschlagen wird oder ein Kollege, dem ein Vater auf dem Pausenhof in den Rücken springt – die Beispiele, die der Verband Bildung und Erziehung (VBE) gesammelt hat, sind drastisch. Immer wieder werden einer Umfrage unter Schulleitern zufolge Lehrerinnen und Lehrer Opfer von körperlicher Gewalt, aber auch Beleidigungen, Mobbing und Hasskommentare im Internet sind an der Tagesordnung.

«Gewalttaten gegen Lehrkräfte sind keine Einzelfälle», sagte Gerhard Brand, Landes- und Bundeschef des VBE in Stuttgart. Einer Umfrage zufolge nehmen viele Schulleiterinnen und Schulleiter einen Anstieg der Fälle wahr. Demnach gaben 61 Prozent der Befragten an, dass körperliche und psychische Gewalt an ihrer Schule in den vergangenen fünf Jahren eher zugenommen habe. Einen Rückgang der Gewalt nahmen nur drei Prozent der Befragten wahr.

«Das soziale Klima ist in den letzten Jahren spürbar rauer geworden, das spiegelt sich auch an den Schulen wider», sagte Brand. Die Daten bestätigten, was viele Lehrkräfte und Schulleitungen immer wieder äußerten: Das soziale Miteinander breche auf, die Empathiefähigkeit bei Kindern und Eltern habe nachgelassen, Konflikte eskalierten häufiger und schneller. «Wir beobachten, dass der Respekt gegenüber schulischen Autoritäten abnimmt und es regelmäßig zu Grenzüberschreitungen kommt», sagte der Gewerkschaftschef.

Deutlicher Anstieg seit 2018

Viele Schulleitungen berichteten in der Umfrage von Fällen, bei denen Lehrkräfte beschimpft, bedroht, beleidigt, gemobbt oder belästigt wurden. Mehr als die Hälfte aller Befragten (59 Prozent) kann sich an einen entsprechenden Fall in den vergangenen fünf Jahren erinnern.

An mehr als jeder dritten Schule wurden Lehrkräfte über das Internet bedroht (34 Prozent), jede vierte Schulleitung (26 Prozent) berichtete über Fälle von körperlichen Angriffen auf Lehrkräfte (35 Prozent). Das sind ähnliche Werte wie bei einer Befragung im Jahr 2022. 2018 lagen die Werte deutlich niedriger.

Kritik übte Brand an der Reaktion der Politik auf die gestiegenen Zahlen. «Wir hatten eigentlich gedacht, dass wir die Politik mit unseren Daten wachgerüttelt haben. Das ist nicht geschehen», sagte der VBE-Vorsitzende.

Man habe von der Politik Versprechungen gehört, dass das Thema ernst genommen und Chefsache werde. «Wenn die Politik es wirklich so behandelt hat, dann hat sie auf ganzer Strecke versagt», kritisierte Brand. Die Kultusministerien müssten Vorfälle überhaupt erst einmal erfassen. Zudem müssten betroffene Lehrkräfte durch ihren Dienstherrn besser unterstützt werden.

«Jede Art von Gewalt an Lehrkräften ist absolut inakzeptabel», sagte ein Sprecher des baden-württembergischen Kultusministeriums. Man habe die Lehrkräfte bereits 2018 gebeten, Gewaltvorfälle im Arbeitsalltag der Schulleitung und der Schulverwaltung zu melden.

«Die Lehrkräfte wurden dabei auch auf die Möglichkeit hingewiesen, Gewaltvorfälle als Dienst- beziehungsweise Arbeitsunfälle anzuzeigen und deshalb Strafanzeige zu erstatten», teilte der Sprecher mit. Auch gebe es bereits eine Meldepflicht für diskriminierende Vorfälle. Zudem unterstütze man die Lehrkräfte mit Präventionsmaßnahmen, einem dichten Netz an Beratungslehrkräften sowie mit Schulpsychologen und Schulsozialarbeitern.

Psychische Gewalt von Angesicht zu Angesicht übten der Erhebung zufolge vor allem Eltern aus, im Internet waren demnach am häufigsten Schülerinnen und Schüler die Täter. Körperliche Gewalt ging fast ausschließlich von Schülerinnen und Schülern aus.

Beim Umgang mit Gewalterfahrungen sehen die Befragten noch Luft nach oben. Nur etwa jeder Dritte meint, dass mit dem Thema Gewalt gegen Lehrkräfte an den Schulen offen umgegangen werde. Die Hälfte der Befragten spricht dagegen von einem Tabu-Thema. Verschlechtert hat sich aus Sicht der Schulleiter zudem die Unterstützung für Betroffene. Gaben 2018 noch 85 Prozent an, ihre Kolleginnen und Kollegen bei Fällen von Gewalt ausreichend unterstützen zu können, waren es im vergangenen Jahr nur noch 53 Prozent.

Am häufigsten werden Schüler Opfer von Gewalt

Laut Innenministerium macht die Zahl der Gewalttaten gegen Lehrkräfte nur einen kleinen Teil der gesamten Gewalttaten an Schulen aus. 2023 wurden demnach 141 Lehrerinnen und Lehrer Opfer von Gewalttaten – sowie knapp 2.700 Schülerinnen und Schüler. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der Fälle um 13,5 Prozent an.

Zahlen für das Jahr 2024 liegen noch keine vor, das Ministerium sieht aber einen ersten Trend: «Demnach zeichnet sich bei den Opfern von Gewalt an Schulen im Jahr 2024 – sowohl bei den Schülerinnen und Schülern, als auch bei den Lehrkräften – ein Anstieg ab», teilte eine Sprecherin mit.

Für die Umfrage unter den Lehrkräften hatte das Meinungsforschungsinstitut Forsa zwischen Mitte September und Mitte Oktober vergangenen Jahres gut 1.300 Schulleitungen bundesweit befragt, darunter auch etwa 250 in Baden-Württemberg. Die Ergebnisse sind laut Forsa mit einer Fehlertoleranz von drei Prozentpunkten repräsentativ.

 

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