News aus der Fächerstadt
„Wirtschaftliche Lage verschärft sich“: Karlsruher Kliniken fordern kurzfristige Finanzhilfen

News aus der Fächerstadt „Wirtschaftliche Lage verschärft sich“: Karlsruher Kliniken fordern kurzfristige Finanzhilfen

Quelle: Markus Kümmerle

Die Karlsruher Kliniken fordern kurzfristige Finanzhilfen, um die Finanzierungsprobleme aufgrund von Inflation, Energiepreisen und den anstehenden Tarifabschlüssen abzufangen – darüber wurde am Mittwoch, 05. April 2023, in einer Pressekonferenz informiert.

Schnelle Finanzierungshilfen für Kliniken notwendig

Schon im September 2022 haben das Städtische Klinikum Karlsruhe, die ViDia Christliche Kliniken Karlsruhe und das SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach im Rahmen der bundesweiten Aktion „Alarmstufe Rot – Krankenhäuser in Gefahr“ auf die massive wirtschaftliche Bedrohung der Kliniken in Deutschland aufmerksam gemacht.

Da sich die wirtschaftliche Lage der Häuser zwischenzeitlich noch einmal verschärft habe und sich Monat für Monat weiter dramatisch zuspitze, fordern die Karlsruher Klinken im Zuge einer gemeinsamen Pressekonferenz von der Politik schnelle finanzielle Hilfen und ein klares Bekenntnis zur Wahrung der Qualität der Gesundheitsversorgung in der Region, geht aus einer Pressemeldung hervor.

 

Es fehlen bis Ende 2023 mindestens 800 Millionen Euro

Eine Blitzumfrage der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG) im März weise darauf hin, dass den Kliniken im Land allein im Jahr 2023 mindestens 800 Millionen Euro fehlen werden.

Besonders politische Fehlentscheidungen hätten die Situation in den vergangenen sechs Wochen noch einmal verschärft, wird informiert. Diese sollen als erstes korrigiert werden, so die Forderungen der Kliniken, die darüber hinaus weitere Hilfen für unabdingbar halten. Das Vertrösten auf eine künftige Krankenhausreform könne nicht hingenommen werden.

 

„prekäre finanzielle Lage“ & steigende Tarifvergütungen

Die prekäre finanzielle Lage der Krankenhäuser werde durch die absehbar stark steigenden Tarifvergütungen zusätzlich verschärft.

„Wir verstehen die Forderungen der Menschen, die täglich Herausragendes für unsere Patientinnen und Patienten leisten“, so Jörg Schwarzer, Geschäftsführer am SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach und ergänzt: „Wir können das Gehalt unserer Mitarbeitenden nur mit dem finanzieren, was uns die Politik als finanziellen Rahmen zur Verfügung stellt. Tarifsteigerungen dürfen nicht die Existenz von Einrichtungen bedrohen.“

 

Personalkosten-Steigerung von mindestens 43 Millionen Euro

„Wir gehen für das SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach, die ViDia Kliniken und das Städtische Klinikum Karlsruhe insgesamt von einer Steigerung der Personalkosten von mindestens 43 Millionen Euro aus. Dieser Anstieg von wenigstens 8 Prozent steht derzeit einem Anstieg des Landesbasisfallwertes von lediglich 4,32 Prozent für das Jahr 2023 gegenüber“, so Caroline Schubert, Vorständin der ViDia Kliniken.

Dass diese Rechnung mit den aktuell gegebenen Finanzierungsmechanismen für Krankenhäuser nicht aufgehen könne, erkläre sich von selbst, so Schubert weiter.

 

Entlastungen bei den Energiekosten & Inflationsausgleich

Es sei davon auszugehen, dass allein in Baden-Württemberg in Summe 85 Prozent der angekündigten Mittel überhaupt nicht zur Auszahlung kommen. Hinzu komme, dass alle anderen inflationsbedingten Kostensteigerungen bei den aktuellen Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung außen vor gelassen wurden.

Das daraus resultierende Missverhältnis von Kosten und Erlösen werde gravierende Konsequenzen für die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser haben, wird weiter informiert.

 

Ausgleich der nicht gedeckten Energiekosten

„Allein die drei Karlsruher Kliniken rechnen mit zusätzlichen Belastungen an nicht gedeckten Kosten im Bereich der Energie von 9 Millionen Euro und im Bereich der Sachkostensteigerungen von rund 15 Millionen Euro“, prognostiziert Markus Heming, Kaufmännischer Geschäftsführer des Klinikums Karlsruhe, im Zuge der Pressekonferenz.

„Darum fordern wir als Klinikchefs einen direkten Ausgleich der nicht gedeckten Energiekosten auf Basis der Berechnungswerte von 2021. Darüber hinaus benötigen wir einen adäquaten Ausgleich für die inflationsbedingten Kostensteigerungen“, unterstreicht Heming.

 

Vergütung, Fallpauschalen, Landesbasisfallwert & mehr

Das Ministerium habe ohne sachliche Grundlage die Vergütung der Fallpauschalen zulasten der Krankenhäuser gesenkt und den Häusern dadurch wichtige Einnahmen entzogen. Zudem ist die Berechnungsformel für den Landesbasisfallwert – das ist der Preis der Krankenhausleistungen – ungerechtfertigt verändert worden, heißt es in der Pressemeldung.

„Der Landesbasisfallwert liegt durch die willkürlichen Eingriffe des Gesetzgebers deutlich niedriger, für die ViDia Kliniken, das Städtische Klinikum und das SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach summiert sich dies auf mehr als 20 Millionen Euro. Das muss dringend korrigiert werden“, erklärt Richard Wentges, Vorstandsvorsitzender der ViDia Kliniken.

 

Auswirkungen der Situation auf die Krankenhausreform

Aus Sicht der Klinikchefs ist die aktuelle Entwicklung hochproblematische, nicht nur für die Versorgung der Bevölkerung, sondern auch für die später umzusetzende Krankenhausstrukturreform:

„Die Diskussion über eine dringend notwendige Krankenhausstrukturreform steht momentan im Fokus des politischen Handelns. Zuerst einmal müssen aber sofort die finanziellen Rahmenbedingungen für die Kliniken so verbessert werden, dass mit den dann stabilisierten Kliniken und den Ländern die Vorgaben einer gesetzlichen Strukturreform der Krankenhauslandschaft überhaupt sinnvoll angegangen werden können“, erklärt Prof. Dr. Michael Geißler, Medizinischer Geschäftsführer des Städtischen Klinikums Karlsruhe.

 

Einbeziehung der Krankenhäuser wird gefordert

„Wir fordern von der Politik die dringende Einbeziehung der Krankenhäuser in die Ausgestaltung der geplanten Krankenhausreform“, fordert Richard Wentges, der zugleich 2. Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der katholischen Krankenhäuser in der Baden-Württemberg ist.

„Eine Reform der Krankenhauslandschaft ist ohne Zweifel grundsätzlich notwendig. Wenn Herr Lauterbach aber die eigentlichen Experten in die Überlegungen der Expertenkommission nicht einbezieht, sehen wir die Versorgung gefährdet“, so Wentges weiter.

 

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