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Zwischen Sexfrust und Salafismus: die „Mincel“-Bewegung

News Zwischen Sexfrust und Salafismus: die „Mincel“-Bewegung

Quelle: Monika Skolimowska/dpa
dpa

Im Netz gedeihen neue Ideologen, die Gleichberechtigung ablehnen und starre Rollenbilder zementieren. Wie gefährlich ist die neue Bewegung?

Zwischen unerfüllter Sehnsucht, toxischen Männlichkeitsidealen und islamistischer Ideologe: Ein neues Radikalisierungsphänomen im Netz macht den Sicherheitsbehörden große Sorgen. Es geht um sogenannte Mincels – der Begriff ist eine Zusammensetzung aus den Worten Muslim und «Incel». «Incel» wiederum steht für involuntary und celibate (unfreiwillig sexuell enthaltsam/zölibatär).

Im neuen baden-württembergischen Verfassungsschutzbericht ist von einer «neuen Form der Radikalisierung» die Rede. «Die Bewegung spricht insbesondere junge, männliche Muslime an, die sich eine Partnerin wünschen, diese aber nicht finden und unfreiwillig zölibatär leben», sagt Verfassungsschutzpräsidentin Beate Bube. Diese radikalisieren sich im Netz.

Männliches Grundrecht auf Sex

Islamistische Werte würden in diesen Communitys mit der eigenen Sexualität und der Rolle der Frau in der Gesellschaft verknüpft. Toxische Männlichkeitsideale, Verschwörungstheorien und frauenfeindliche Sichtweisen verbreiteten sich im Netz. «Es wird behauptet, Männer hätten ein Grundrecht auf Sex, oder Frauen hätten übergroße Freiheiten», heißt es in dem Bericht.

Influencer verbreiteten etwa Narrative, wonach die Besinnung auf strenge islamisch-salafistische Vorschriften in Verbindung mit einer entsprechenden Körperpflege helfen könne, «um auf Frauen anziehender zu wirken», so Bube. Das diene dazu, Propaganda für islamistische Sichtweisen und Weltsichten zu verbreiten. Gleichzeitig werde der Salafismus als Instrument genutzt, um eine frauenfeindliche Agenda zu begründen.

Die einen wollen schnell heiraten

Die «Incel»-Subkultur sei eigentlich primär dem Rechtsextremismus zuzurechnen, so die Verfassungsschützer. Aber die Frauenfeindlichkeit diene als Brückennarrativ, das sich auch im Islamismus finde. «Typischerweise sind Frauen im Islamismus marginalisiert und in ihrem Selbstbestimmungsrecht eingeschränkt, was sich beispielsweise daran zeigt, dass sie bestimmten restriktiven Kleiderordnungen unterliegen.» Viele Islamisten seien der Ansicht, dass Frauen ihnen hörig sein müssten. Auf Grundlage dieser «Ideale» radikalisieren sich junge Männer im Netz zunehmend.

«“Incels“ eint der Wunsch nach einer romantischen Beziehung mit sexueller Erfüllung», so der Bericht. Es gibt aber Unterschiede: Im Gegensatz zu «Incels» wollten «Mincels» schnellstmöglich heiraten, um in einer islamkonformen Beziehung zu leben, so die Verfassungsschützer aus Baden-Württemberg. «Jungfräulichkeit wird in diesem Zusammenhang als Stärke des eigenen islamischen Glaubens ausgelegt und ist daher nicht negativ belegt.»

 

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