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175 Jahre Kuckucksuhr – Schwarzwald-Ikone vor Wandel

News 175 Jahre Kuckucksuhr – Schwarzwald-Ikone vor Wandel

Quelle: Philipp von Ditfurth/dpa
dpa

Die Kuckucksuhr in ihrer typischen Form feiert 175 Jahre – doch die Branche steht vor Herausforderungen. Warum Hersteller jetzt auf mehr Schutz und neue Wege setzen.

Die Kuckucksuhr gehört zum Schwarzwald wie der Bollenhut und die Schwarzwälder Kirschtorte. Der Zeitmesser im typischen Holzgehäuse blickt auf eine 175-jährige Tradition zurück und ist ein beliebtes Souvenir – auch für Prominente. Vor acht Jahren erhielten der britische Thronfolger Prinz William und Herzogin Kate bei einem Besuch in Heidelberg eine Kuckucksuhr als Geschenk.

Hersteller aus der Touristenregion liefern die Uhren in zahlreichen Varianten in die ganze Welt – die USA sind nach Branchenangaben dabei besonders wichtig. Dort und woanders ist von der «Cuckoo-Clock» die Rede.

Der Verein für die Schwarzwalduhr (VdS) schätzt, dass pro Jahr rund 150.000 mechanische Kuckucksuhren verkauft werden. «Das waren schon einmal mehr», bilanziert Vorsitzender Jürgen Clute. In dem Verband sind über 50 Hersteller, Händler und Sammler organisiert.

Verband: US-Markt schwächelt

«Es ist schwierig geworden», fügt der 62-Jährige hinzu. Der wichtige US-Markt schwächele, und bei Besuchern im Schwarzwald sitze das Geld nicht mehr so locker, bilanziert der Vereinschef, der auch Geschäftsführer der Kuckucksuhrenfabrik Anton Schneider Söhne in Schonach (Schwarzwald-Baar-Kreis) ist. Einige Betriebe haben in den zurückliegenden Jahren bereits aufgegeben, wie er sagt.

Die Branche will nicht tatenlos zusehen und ihren Auftritt verstärken. Sie strebt an, die Schwarzwald-Ikone von der Unesco als Kulturerbe anerkennen zu lassen. «Wir sind in einer Nische, die geschützt werden muss», meint Clute. Der Verband schuf bereits ein eigenes Siegel, um die Herkunft aus dem Schwarzwald und damit auch ein «Made in Germany» zu verbriefen.

Uhrmacherhandwerk ist bereits geschützt

Wie die Deutsche Unesco-Kommission auf ihrer Internetseite berichtet, steht zwar das Uhrmacherhandwerk auf der nationalen Liste, nicht aber das Herstellen von Kuckucksuhren. Das immaterielle Kulturerbe repräsentiert nach Auffassung der UN-Kulturorganisation eine lebendige Alltagskultur, die über Generationen weitergegeben wird. Dazu zählen unter anderem Bräuche und Handwerkstechniken.

In der von Clute geleiteten Fabrik kommen Teile wie das Uhrwerk immer noch aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Nötig sind unter anderem Zeiger, Zifferblatt, Gewichte und der Vogel. Geschnitzt wird im eigenen Haus – das Lindenholz dafür lagert in einer großen Halle.

Künstler dekoriert mit Totenköpfen

Es gibt Betriebe, die Kuckucksuhren in bunten Farben und modernem Design anbieten. Bei Händlern sind auch Quarzuhren zu sehen, die mit Batterien arbeiten. Ein Wegbereiter für ein entstaubtes Image war der Offenburger Künstler Stefan Strumbel, der seine schrillen Kuckucksuhren etwa mit Totenköpfen dekorierte. Ein Geschäft baute in Triberg die nach eigenen Angaben weltgrößten Kuckucksuhr auf – der riesige Vogel dort ist 150 Kilo schwer.

Die Ursprünge der Kuckucksuhr liegen im Dunkeln, wie das Deutsche Uhrenmuseum in Furtwangen berichtet. Und wer das erste Exemplar im Schwarzwald zusammenbaute, ist auch nicht richtig klar.

Designwettbewerb als entscheidende Etappe

Eine entscheidende Etappe gab es auf jeden Fall Mitte des 19. Jahrhunderts. 1850 – also vor 175 Jahren – veranstaltete der damalige Chef der Uhrmacherschule in Furtwangen, Robert Gerwig, einen Designwettbewerb. Der Erfolgsentwurf stammte von Friedrich Eisenlohr, der Bauten entlang der badischen Staatseisenbahn verantwortete.

Der Architekt zierte die nachempfundene Fassade eines Bahnwärterhäuschens mit einem Zifferblatt. Das Urbild der Kuckucksuhr war geboren. Später wurde dieses Design ergänzt und verändert, so kamen Tier- und Pflanzenschnitzereien dazu. Ingenieur Gerwig stieg später zum Eisenbahnpionier auf und baute die tunnelreiche Schwarzwaldbahn von Offenburg nach Konstanz.

In der Uhrenfabrik Anton Schneider riecht es nach Holz und Lack. In Regalen stehen Schablonen für Uhren, die schon lange nicht mehr hergestellt werden. Wenn er nach seinem Beruf gefragt wird, antwortet Geschäftsführer Clute nach eigenem Bekunden, er arbeite in einer Fabrik. «Wenn ich dann hinzufüge, dass ich Kuckucksuhren mache, kommt immer ein Lachen. Das ist großartig.»

 

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