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Allergiker aufgepasst: Die Ambrosia-Hochsaison beginnt

News Allergiker aufgepasst: Die Ambrosia-Hochsaison beginnt

Quelle: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB
dpa

Ambrosia blüht und kann schon in winzigen Mengen starke Allergien auslösen. Warum gerade Straßenränder zur Gefahr werden – und was Allergiker jetzt wissen müssen.

Für manche Pollenallergiker stehen harte Zeiten bevor. Während Bäume wie Birke, Hasel und Erle im Frühjahr blühen und auch die meisten Gräser längst durch sind, hat eine Pflanze im Spätsommer Hochsaison: Und Ambrosia birgt gleich in mehrfacher Sicht Tücken. Die Pollen sind sehr allergen, wie Anke Kniffka vom Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung Freiburg des Deutschen Wetterdienstes (DWD) erklärt. «Also wäre eine Vorhersage wünschenswert.» Doch es fehle an guten Informationen.

«In diesem Jahr befinden wir uns noch am Anfang der Saison, über einen speziellen Verlauf können wir also noch nichts sagen», so Kniffka. Was man über die nach Deutschland eingeschleppte Pflanze wissen muss:

 

Wie gefährlich ist Ambrosia?

Pollen der Ambrosia – im Fachjargon Beifußblättriges Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia) genannt – haben laut Umweltbundesamt (UBA) ein fünfmal höheres Allergiepotenzial als Gräserpollen. «Ihr Pollen kann schon in kleinen Mengen heftige Gesundheitseffekte beim Menschen auslösen.» Dazu zählten Heuschnupfen, Bindehautreizungen und allergisches Asthma. Bei einigen Menschen könne schon die Berührung allergische Reaktionen auf der Haut verursachen, erklärt die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW).

Besonders betroffen sind laut der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst Allergiker, die auf Gemeinen Beifuß (Artemisia vulgaris) reagieren. Hintergrund ist eine hohe Kreuzreaktivität: Beifußallergiker reagieren auf Pollen beider Arten.

Forschende des Helmholtz-Zentrums in München haben vor Jahren herausgefunden, dass Ambrosia ausgerechnet an Straßenrändern so richtig aggressiv wird. Stickstoffdioxid (NO2) aus Abgasen verursache bei ihr Stress. Dadurch verändere sich die Protein-Zusammensetzung der Pollen. Die Menge sogenannter allergener Proteine werde größer.

 

Wann blüht die Pflanze?

Von Juli bis Oktober. Ambrosia kann dem Polleninformationsdienst zufolge noch bis zum Absterben beim ersten Frost Pollen produzieren und abgeben. Diese werden Kniffka zufolge über weite Strecken geweht – auch aus Nachbarländern nach Deutschland. Regen sei gut für Allergiker. «Denn die Niederschläge waschen Ambrosia-Pollen schnell wieder aus.»

Eine Pflanze produziert Tausende von Samen. Diese können Fachleuten zufolge über Jahre hinweg im Boden keimfähig bleiben – was die Ausbreitung von Ambrosia fördert.

 

Wo können sich Allergiker über die aktuelle Lage informieren?

Unter anderem bietet der DWD im Internet einen Pollenflug-Gefahrenindex. Hier kann man sich für den aktuellen und die kommenden beiden Tage dazu informieren, wie hoch die Belastung in verschiedenen Regionen ist. Die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst veröffentlicht auf ihrer Homepage unter anderem eine Wochenpollenvorhersage für Deutschland.

 

Wie erkennt man Ambrosia?

Ambrosia ist laut Polleninformationsdienst zwischen 15 und 180 Zentimeter hoch. Die Stängel der einjährigen Pflanze seien stark verzweigt und zur Blütezeit leicht rötlich gefärbt. Bei der Bestimmung sollte man der LUBW zufolge insbesondere auf die Blattform, die Blattunterseite und Behaarung des Stängels achten. Die Blattunterseite sei nur wenig heller gefärbt als die Blattoberseite.

 

Woher kommt die Pflanze?

Sie stammt aus Nordamerika. Mitte des 19. Jahrhunderts gelangten laut LUBW Samen mit sonnenblumenhaltigen Saat- und Futtermischungen nach Europa. In Ungarn, Italien und Frankreich ist Ambrosia nach Angaben des Julius Kühn-Instituts (JKI), dem Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, schon länger als Problempflanze bekannt – nicht nur wegen der stark allergieauslösenden Pollen, sondern auch als lästiges Unkraut in der Landwirtschaft.

 

Wo breitet sie sich aus?

Ambrosia wächst laut LUBW an gut belichteten, vegetationsarmen Standorten. Man finde sie zum Beispiel auf Brachflächen, Neubaugebieten, Erddeponien, an Randstreifen und Böschungen von Wegen, Straßen, Autobahnen und Gleisen, aber auch in Gärten und landwirtschaftlich genutzten Flächen, auf denen etwa Sonnenblumen oder Mais angebaut werden.

Nach Auskunft von DWD-Expertin Kniffka ist der Hauptverbreitungsweg Vogelfutter. «In osteuropäischen Gebieten, in denen viel Vogelfutter angebaut wird, und auch dort, wo Sonnenblumen angebaut werden, tritt Ambrosia am häufigsten auf.»

Die Pflanze ist nicht sehr frostresistent. «Daher spielt auch der Klimawandel eine Rolle, dass sie mittlerweile doch permanent anzutreffen ist», erklärt Kniffka. Mittlerweile sei die Art in Deutschland etabliert, insbesondere im Süden und Südwesten, im südlichen Brandenburg und Hessen. «Vor allem im südlichen Brandenburg befindet sich ein Hotspot, wie unsere Messungen zeigen.»

 

Wird die Verbreitung erfasst?

Wer Ambrosia-Bestände sieht, sollte sie laut UBA dem örtlichen Grünflächen- oder Pflanzenschutzamt melden oder dem JKI. Allerdings gibt es in keinem Bundesland eine gesetzliche Melde- und Bekämpfungspflicht, wie jüngst eine Umfrage des ARD-Politikmagazins «Report Mainz» ergab. Demnach gab etwa das Umweltministerium in Baden-Württemberg an, dass seit 2019 «aufgrund der großräumigen Verbreitung kein (…) systematisches Monitoring mehr möglich» gewesen sei.

Ein Problem auch für Vorhersagen, wie Kniffka vom DWD schildert: «Um den Pollenflug zu modellieren, bräuchte man als Ausgangsinformation eine sogenannte Verbreitungskarte, in der das Vorkommen der Art möglichst räumlich genau erfasst ist.» Es gebe aber nicht ausreichend Informationen über die tatsächliche Verbreitung der Pflanze in Deutschland.

 

Wird die Verbreitung erfasst?

Wer Ambrosia-Bestände sieht, sollte sie laut UBA dem örtlichen Grünflächen- oder Pflanzenschutzamt melden oder dem JKI. Allerdings gibt es in keinem Bundesland eine gesetzliche Melde- und Bekämpfungspflicht, wie jüngst eine Umfrage des ARD-Politikmagazins «Report Mainz» ergab. Demnach gab etwa das Umweltministerium in Baden-Württemberg an, dass seit 2019 «aufgrund der großräumigen Verbreitung kein (…) systematisches Monitoring mehr möglich» gewesen sei.

Ein Problem auch für Vorhersagen, wie Kniffka vom DWD schildert: «Um den Pollenflug zu modellieren, bräuchte man als Ausgangsinformation eine sogenannte Verbreitungskarte, in der das Vorkommen der Art möglichst räumlich genau erfasst ist.» Es gebe aber nicht ausreichend Informationen über die tatsächliche Verbreitung der Pflanze in Deutschland.

 

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