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Amphibiensterben: Straße gesperrt? Warum die Krötenwanderung so wichtig ist

News Amphibiensterben: Straße gesperrt? Warum die Krötenwanderung so wichtig ist

Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa
dpa

Jahr für Jahr setzen sich ungezählte Amphibien bei der Krötenwanderung in Bewegung. Nicht selten wird sie zur Todesfalle. Warum die Wanderung wichtig ist – und was der Biber damit zu tun hat.

Die jährliche große Kröten-Wanderung auf den baden-württembergischen Straßen ist wieder im Gange: Zehntausende der quakenden Zeitgenossen queren in diesen Wochen Richtung Laichgewässer – und Ehrenamtliche mit Eimern im Anschlag retten sie vor dem Unfalltod unter den Reifen der Fahrzeuge.

Allerdings bekommen diese «Krötenhelfer» immer weniger zu tun. Denn die Zahl der Frösche, Kröten und Molche in Baden-Württemberg schwindet rapide. Mehr als die Hälfte der Arten ist bereits gefährdet. Wie kommt das? Und wie lässt sich verhindern, dass auch die verbliebenen Quäker verstummen?

Wie schlecht geht es Amphibien hierzulande?

In Baden-Württemberg steht mehr als die Hälfte der heimischen Amphibien- und Reptilienarten auf der Roten Liste. Von 21 in Deutschland heimischen Amphibienarten leben 19 in Baden-Württemberg, darunter der Feuersalamander, der Bergmolch, der Teichmolch und der Springfrosch. 11 gelten als gefährdet – einige davon sind sogar akut vom Aussterben bedroht. Fachleute sprechen von einer weiterhin besorgniserregenden Situation. Sie fordern ein dichtes Netz an Biotopen, um die Bestände zu stabilisieren.

Welche Arten sind im Südwesten besonders bedroht?

Die Geburtshelferkröte, die Knoblauchkröte und der Moorfrosch gelten in Baden-Württemberg als vom Aussterben bedroht. Stark gefährdet sind außerdem Arten wie der Kammmolch und der Laubfrosch. Verschwinden ihre Lebensräume weiter, sind die Tage dieser Tiere im Südwesten gezählt. Für die Gelbbauchunke trägt das Land nach Ansicht der Naturschützer sogar eine besondere Verantwortung. «Diese Art hat ihren Verbreitungsschwerpunkt im Südwesten», teilte der Naturschutzbund (Nabu) Deutschland mit.

Warum brechen die Bestände ein?

Das liegt vor allem am Verlust der Lebensräume und «Wanderwege»: Straßen zerschneiden die Wege, Feuchtgebiete werden trockengelegt, die Landschaft verändert sich. Dazu kommt eine Landwirtschaft, in der Dünger und Pestizide stark eingesetzt werden. Das belastet die Laichgewässer und trocknet die Böden aus. Verstärkt wird der Druck durch den Klimawandel, der Flachgewässer austrocknen lässt und Krankheiten begünstigt.

Was bedeutet der Klimawandel für Frösche, Kröten und Salamander?

Die Amphibien sind große Verlierer des Klimawandels, sagt der baden-württembergische Amphibienexperte Hubert Laufer. Sie kämpfen mit den steigenden Temperaturen, mit Pilz- und Hautkrankheiten und mit dem Insektensterben. Auch die sehr trockenen und ungewöhnlich warmen Sommer der vergangenen Jahre haben vielen Amphibien im Südwesten zugesetzt. Denn die Arten sind beim Fortpflanzen extrem auf Wasser angewiesen.

Die meisten legen ihre Eier in Tümpel, Pfützen oder andere Gewässer. Daraus schlüpfen Larven, die sich zu Fröschen, Molchen oder Kröten entwickeln. Da diese zunehmend austrockneten, fehlen den Tieren die Brutplätze. Kaulquappen schaffen es zudem nicht mehr rechtzeitig zur Verwandlung und sterben massenhaft.

Wie ist die Lage in diesem Jahr?

Der zuletzt dramatische Rückgang der Amphibienzahlen stagniert, sagt Laufer. Einigen Populationen gehe es sogar besser. «Wir hatten zuletzt nicht mehr so trockene Phasen, es hat mehr geregnet.» Außerdem zahle sich aus, dass der Biber sich ausbreite. «Das ist der beste Freund der Frösche», erklärt Laufer, der auch Vorsitzender des Vereins Amphibien-Reptilien Biotopschutz Baden-Württemberg ist. Populationen werden dort größer, wo der Biber das Wasser staue und optimale Lebensräume für Amphibien schaffe. In Radolfzell etwa habe sich durch die Biber-Rückkehr die Zahl der wandernden Amphibien vervierfacht.

Wie bedeutsam ist die Wanderung der Kröten?

Die jährliche Krötenwanderung zu den Laichgewässern ist für Amphibien entscheidend. Sie sichert die Fortpflanzung, da die Tiere zu ihren Geburtsorten zurückkehren, um Eier abzulegen. Ohne Schutz etwa von Helfern mit Plastikeimern würden viele unter den Autorädern sterben und ganze Populationen gefährdet sein. Als Schlüsselarten stabilisieren Kröten ganze Ökosysteme, weil sie Insekten regulieren, als Nahrung dienen und Nährstoffe transportieren. Gleichzeitig mobilisiert die Wanderung Ehrenamtliche und schafft Bewusstsein für Artenschutzmaßnahmen, betont der Nabu.

Gibt es erste Zahlen zur Krötenwanderung in diesem Jahr?

Die Kröten wandern seit fast drei Wochen, zuletzt deutlich stärker, weil es warm war und auch nachts geregnet hat. Die große Welle kommt in den kommenden Wochen. Nach ersten Zählungen sind bislang rund 20 000 Amphibien «gewandert» – sie landeten also bei den Krötenhelfern im Eimer oder in den Tunneln. «Das ist wegen des frühen Starts und der zuletzt warmen Tage etwas mehr als im vergangenen Jahr», sagt Laufer. Zahlt sich das aus? Es kommt drauf an: «Die Frösche können früher ablaichen, der Laich hat mehr Zeit. Aber wenn es späte Nachtfröste gibt, stirbt alles ab.»

Und was kann ich zu Hause tun?

Nach Angaben des Nabu ist es gar nicht so schwer, Lebensräume für Frösche und Kröten im eigenen Garten zu schaffen. «Ein kleiner naturnaher und sonniger Gartenteich ohne Fische, aber mit Pflanzen und flachem Uferbereich lockt meist schnell Bergmolch, Erdkröte oder Grasfrosch an», sagt Amphibienexperte Hans-Joachim Bek. Die Tiere nutzen auch im Sommer giftfreie und vielfältige Gärten als Lebensraum. Wichtig sei es, Fallen wie Rohre, Abflüsse, Schächte, Brunnen und Kellerfenster abzusichern und Verstecke wie Büsche, wilde Ecken und Totholzhaufen anzubieten.

 

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