News
Pilotprojekte im Regionalverkehr: Wie Bahnfahren sicherer werden soll

News Pilotprojekte im Regionalverkehr: Wie Bahnfahren sicherer werden soll

Quelle: Bernd Weißbrod/dpa
dpa

Mehr Präsenz im Zug: Mit Doppelbesetzungen und Bodycams wollen die Verkehrsunternehmen im Land auf körperliche Übergriffe reagieren. Nun stehen die Pilotstrecken fest.

Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz starten im Südwesten nun Pilotprojekte für Doppelbegleitungen in Regionalzügen. Auf mehreren Strecken werden künftig zwei Mitarbeiter gemeinsam in einem Zug eingesetzt, um die Sicherheit für Fahrgäste und Personal zu erhöhen, wie das Verkehrsministerium mitteilte. Das Land hatte zuvor alle wichtigen Akteure zu einem Austausch eingeladen.

Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) teilte mit: «Ziel ist es, durch eine verstärkte Präsenz von Personal im Zug die Sicherheit der Fahrgäste zu erhöhen und gleichzeitig das Begleitpersonal besser zu schützen.» Dazu werden demnach gemeinsam mit den Verkehrsunternehmen verschiedene Modelle erprobt – darunter Teams aus zwei Kundenbetreuern oder gemischte Teams aus Kundenbetreuung und Sicherheitspersonal.

Auf diesen Strecken wird getestet

Die DB Regio startet von März an ein Pilotprojekt zur Doppelbesetzung auf der Schwarzwaldbahn sowie im Regionalexpress von Stuttgart über Ulm an den Bodensee. Bodycams können dort bereits landesweit genutzt werden. Das Unternehmen setzt zusätzlich auf einen sogenannten Prio-Ruf – einen Notfall-Druckknopf für das Zugpersonal. Künftig soll bei Ticketkontrollen das Prinzip Eigensicherung vor Prüfung gelten.

Arverio will auf der Filstalbahn (Stuttgart – Göppingen – Ulm) zu bestimmten Zeiten immer eine Besetzung mit Zugbegleiter und einem Sicherheitsmitarbeiter testen. Außerdem treibt das Unternehmen die Einführung von Bodycams voran. Die SWEG plant vorerst bis Ende 2026 befristete Doppelbesetzungen auf drei Strecken: der Europabahn zwischen Offenburg und Kehl, der Brenzbahn (Aalen – Ulm) sowie der Donaubahn zwischen Ulm und Munderkingen.

Der Grund: Aggressionen nehmen zu

Hintergrund der Maßnahmen sind Aggressionen im öffentlichen Raum. Diese nehmen Hermann zufolge messbar zu. Allein bei der Deutschen Bahn kam es 2025 nach Unternehmensangaben bundesweit zu insgesamt rund 3.000 körperlichen Übergriffen auf Beschäftigte. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Landesregierung auf das Thema reagiert – und zum Beispiel die schrittweise Ausweitung des Einsatzes von Sicherheitspersonal beschlossen.

Die Pilotprojekte will das Land demnach auswerten und daraus Maßnahmen für den dauerhaften Personaleinsatz ableiten. In den kommenden Wochen sollen außerdem weitere Schritte erarbeitet werden. «Dazu gehören auch klare Anforderungen für die Zusammenarbeit mit der Polizei oder an die finanzielle Verantwortung des Bundes», hieß es.

 

Weitere Nachrichten

Warum mehr Kinder im Südwesten eine ADHS-Diagnose bekommen

Immer mehr junge Menschen bekommen im Südwesten eine ADHS-Diagnose. Woran das liegt - und warum Experten das gar nicht mal so negativ bewerten.

Diese Bahnstrecken werden vorerst nicht reaktiviert

Elf stillgelegte Bahnstrecken sollen auch künftig vorerst nicht wieder in Betrieb genommen werden. Welche Strecken sind betroffen? Und was sagt das Verkehrsministerium dazu? Ein Überblick.

Jugendwort 2026: "Ragebait" macht das Rennen

«Ragebait» wird zum neuen Jugendwort gekürt. Warum kommt das wenig überraschend, was bedeutet der Begriff genau - und wie cringe sind Erwachsene, die Jugendsprache nutzen?

Feuer im Tierpark Bretten: Schuppen abgebrannt, Wohnhaus unbewohnbar

Bei einem Brand im Tierpark Bretten (Landkreis Karlsruhe) ist ein Schuppen abgebrannt und ein Wohnhaus unbewohnbar geworden. Menschen und Tiere blieben unverletzt, wie die Polizei mitteilte.

Verwaltungsvorschrift geändert: Polizei nennt Nationalität von Verdächtigen nun regelmäßig

Die Landesregierung hat die Regeln geändert: Die Staatsangehörigkeit von Verdächtigen wird nun in den allermeisten Fällen genannt. Wie die Minister das begründen und welche Ausnahmen es gibt.

BGH in Karlsruhe prüft: Bekommt Maler Beltracchi seine Fälschung zurück?

Wolfgang Beltracchi fordert die Herausgabe seines berühmten Gemäldes «Rotes Bild mit Pferden» - doch wem gehört das Kunstwerk wirklich? Der Bundesgerichtshof muss entscheiden.



















Auch interessant


Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.