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Besondere Löwenfreundschaft: Der Mann vom Bodensee und das Raubtier

News Besondere Löwenfreundschaft: Der Mann vom Bodensee und das Raubtier

Quelle: Fabian Gieske/Modisa Wildlife Project/dpa
dpa

Der Baden-Württemberger Valentin Grüner aus Horn am Bodensee rettet ein Löwenbaby in der Kalahari. Daraus wächst eine ungewöhnliche Beziehung, die Millionen Menschen online bewegt.

Valentin Grüner schiebt den Riegel zurück und öffnet eine hoch umzäunte Gittertür. Er kann gerade noch einen Schritt zurücktreten, da schießt eine ausgewachsene Löwin auf ihn zu und reißt ihn zu Boden. Doch schnell wird klar: Es handelt sich nicht um einen Angriff, sondern um einen «Liebesbeweis». Die 180-Kilogramm schwere Raubkatze reibt ihren Kopf gegen den von Grüner. Ihre Vorderpfoten legen sich um seinen Hals, die Tatzen fast so groß wie sein Kopf.

Diese ungewöhnliche Begegnung zwischen dem 39-jährigen Deutschen aus dem baden-württembergischen Horn am Bodensee und der Löwin Sirga sind auf Dutzenden Videos in sozialen Medien zu sehen. Weltweit verfolgen Follower auf Instagram und TikTok die Freundschaft zwischen dem Mann und dem wilden Tier.

In den Clips sieht man Grüner barfuß, in Shorts und T-Shirt, mit Sirga durch die Kalahari in Botsuana streifen. Mal rauft er sich mit ihr auf dem staubigen Boden oder krault ihr den mächtigen Hals. Mal geht er mit Sirga auf die Pirsch. Oder sie liegen unter einem Dornbusch im Schatten.

Sirga ist keine domestizierte Löwin – sie lebt in der Wildnis, wurde aber von Grüner aufgezogen und betrachtet ihn – wie er erzählt – als Teil ihres Rudels. Er habe vor 14 Jahren ein von seiner Mutter verstoßenes Löwenbaby gefunden. Damals habe er auf einer privaten Wildtierfarm in Botsuana im südlichen Afrika gearbeitet, sagt Grüner. Der Welpe sei nur zwei Wochen alt gewesen und habe fast regungslos unter einem Busch gelegen. Grüner habe beschlossen, das Löwenbaby zu retten und taufte es Sirga.

Obwohl er die Löwin von Hand aufzog, stand für Grüner von Anfang an fest: Er wollte Sirga nicht zähmen, sondern ihr ein möglichst wildes Leben ermöglichen. «Ich habe sie nie trainiert oder ihr irgendwas beigebracht», erzählt Grüner.

Schon von klein auf hatte Grüner den Traum, Naturschützer in Afrika zu sein. Mit 21 Jahren war es dann so weit: Grüner flog nach Namibia, um für eine Tierauffangstation zu arbeiten. Ein Jahr später zog es ihn ins benachbarte Botsuana. Grüner ließ sich zum Wildtier-Ranger und Safari-Guide ausbilden.

Nachdem Grüner das Löwenjunge aufgepäppelt hatte, sei er täglich mit ihr in der Savanne spazieren gegangen. Sirga sei ihm hinterher getappt wie einer Löwenmutter, sagt Grüner. Das Jagen habe sie sich instinktiv selbst beigebracht, mit 16 Monaten zum ersten Mal eine Antilope gerissen. Da die Löwin nicht komplett ausgewildert ist, bekommt sie aber mitunter auch von Grüner ein Stück Fleisch, wie er erzählt.

Sirga lebt in einem 20 Quadratkilometer großen Gebiet in der Kalahari – etwa so groß wie die Nordseeinsel Amrum – in dem sie sich frei bewegen kann. Ein Halsband mit GPS-Tracker zeigt an, wo sie sich gerade aufhält.

Sirgas Revier ist Teil des von Grüner gepachteten 170 Quadratkilometer großen Naturschutzgebiets in einem der abgelegensten Teile Botsuanas. Heute setzt sich Grüner nicht nur für Sirga ein, sondern für das gesamte Ökosystem der Kalahari. Zwar betreibt er ein kleines Gästecamp für Safari-Touristen; vor allem aber geht es ihm um den Naturschutz. Sein Modisa-Projekt unterstützt naturwissenschaftliche Forschungsprojekte, kontrolliert Tierbestände und hilft nationalen Naturschutzbehörden bei Tierzählungen.

Inzwischen, da Sirga ausgewachsen ist, verbringt Grüner einen Tag pro Woche mit ihr in der Savanne. «Ich fahre einfach raus, guck, wo sie ist, und dann laufen wir den ganzen Tag durch die Pampa», erzählt er. Einer Sache sei er sich dabei immer bewusst: Seine besondere Bindung mit Sirga mache ihn nicht unverwundbar. Bei ihrem Gewicht und ihrer Stärke könne es schnell zu Unfällen kommen, vor allem bei Sirgas mächtigen Begrüßungssprüngen.

«Sie hat mir mal eine Rippe gebrochen. Ab und zu muss ich bisschen genäht werden, wenn sie mal mit der Kralle ausrutscht. Aber das ist immer aus Versehen», meint Grüner. Dass die Löwin ihn bewusst verletzen würde, schließt er aus.

Die sozialen Medien haben Grüner und Sirga berühmt gemacht. Das sei eigentlich nicht so geplant gewesen, gibt Grüner an. Zuerst hatten Besucher seines Camps Videos von Sirgas monströsen Begrüßungssprüngen veröffentlicht. Dann sah Grüner in der Faszination, die seine einzigartige Beziehung mit der Löwin erzeugt, eine Chance, für den Naturschutz zu werben.

Die Tierschutzorganisation Pro Wildlife steht dem Social-Media-Auftritt Grüners kritisch gegenüber. «Beim schnellen Scrollen bleibt oft der Eindruck hängen, hier gehe es nicht um ein Wildtier, sondern um ein Kuscheltier – gerade bei einer so großen Reichweite wiegt das schwer», sagt Pro-Wildlife-Expertin Mona Schweizer. Selbst wenn Grüner in Posts betone, dass es sich um eine ganz besondere, nicht übertragbare Beziehung handele, könnten die Bilder und Videos falsche Erwartungen wecken und dazu beitragen, den direkten Kontakt mit Wildtieren zu normalisieren, sorgt sich Schweizer.

 

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