News aus Baden-Württemberg
Betrugsmasche: Viele Enkeltrick- und Schockanrufe stammen aus dem Ausland

News aus Baden-Württemberg Betrugsmasche: Viele Enkeltrick- und Schockanrufe stammen aus dem Ausland

Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Symbolbild
dpa

Mal ruft ein angeblicher Enkel an, mal ein Staatsanwalt, Arzt oder Polizist. Ihr Ziel: das Geld der Angerufenen. Dazu nutzen Kriminelle zunehmend die skrupellose Masche des «Schockanrufs». Die meisten Anrufer sitzen gar nicht in Deutschland.

Die weitaus meisten sogenannten Enkeltrick- und Schockanrufe werden nach Zahlen der Polizei aus dem Ausland erfasst. So seien im vergangenen Jahr von den 3675 als «Enkeltrick» gelisteten Betrugsversuchen nur 478 aus dem Inland gewesen, weitere 3197 aus dem Ausland, zitiert das Innenministerium in einer Antwort auf eine Landtagsanfrage der SPD aus der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS). Beim Phänomen «Falscher Polizeibeamter» waren es mit 9194 Anrufen aus dem Ausland vier Mal so viele wie aus dem Inland, bei den «Schockanrufen» war das Verhältnis etwa 1:2 und somit vergleichsweise gering.

Besonders auffallend war die Diskrepanz beim sogenannten WhatsApp-Fraud, also bei betrügerischen Nachrichten oder SMS von angeblichen Familienangehörigen, die auf diese Art und Weise um Geld bitten. Dort wurden 583 Taten aus dem Inland registriert, weitere 8086 und damit 13-mal so viele waren es aus dem Ausland.

Insgesamt wurden im Jahr 2022 genau 18 549 solcher betrügerischen Anrufe in Baden-Württemberg erfasst – das war ein Anstieg von 62 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 95 Prozent dieser Straftaten blieben allerdings im Versuchsstadium. Dennoch stieg auch der entstandene Schaden stark an: im Vergleich zum Vorjahr um 36,1 Prozent auf 20,6 Millionen Euro. Nur 2,1 Prozent der bekannt gewordenen Fälle wurden aufgeklärt, vor allem, weil die Anrufe über generierte Nummern und Call Center unter anderem in der Türkei kommen. Annähernd die Hälfte aller Geschädigten ist laut PKS zwischen 80 und 90 Jahre alt, knapp zwei Drittel der Geschädigten sind weiblich.

Aus Sicht der SPD unternimmt das Innenministerium nicht genug, um die Betrüger zu fassen. «Enkeltricks sind keine Einzeltaten, sondern häufig organisierte Kriminalität», sagte SPD-Innenexperte Sascha Binder. Er fordert spezialisierte Ermittlungsgruppen. Diese dürften nicht nur die einzelnen Taten verfolgen, sondern müssten Banden wirksam zerschlagen.

Beim sogenannten Enkeltrick melden sich angebliche Verwandte wegen eines vorgetäuschten finanziellen Engpasses oder weil sie für den sofortigen Kauf einer Immobilie Geld benötigen. Die Zahl dieser Art von Anrufe sinkt weiter. Bei der deutlich zunehmenden Masche «Schockanruf» rechnen Betrüger hingegen skrupellos mit der Schockstarre erschütterter Opfer. Die Kriminellen – sogenannte Keiler – täuschen als angebliche Kinder, Enkel, vermeintliche Polizeibeamte oder Rechtsanwälte eine Notlage oder gar die Lebensgefahr des Angehörigen vor und treiben ihre Opfer durch eine manipulative Gesprächsführung, den Aufbau eines Drohszenarios und durch Zeitdruck massiv in die Enge.

 

Weitere Nachrichten

Bundesgerichtshof in Karlsruhe entlastet Kaskoversicherer beim Werkstattrisiko

Sind Kaskoversicherer für übertrieben hohe Werkstattkosten zuständig? Nein, entschied der BGH. Was Versicherungsnehmer jetzt beachten sollten.

Warum Luchs "Nero" besonders ist - und welche Mission er hat

Im Schwarzwald leben nun 14 erwachsene Luchse. Manche kommen aus zoologischen Einrichtungen. Warum das wichtig ist und worum es bei der Auswilderung geht.

15 ungewöhnliche Orte am "Tag des offenen Denkmals" in Baden-Württemberg

Von der historischen Fähre auf dem Bodensee bis zum Eiskeller in Markgröningen: Diese Denkmäler erzählen spannende Geschichten aus Technik und Alltag.

Augenscreening bei dm - Gericht fragt zu Gesundheitsgefahren

Ein Augenscreening für 14,95 Euro, während man eigentlich gerade Windeln, Make-up oder vegane Landjäger einkauft? Am Landgericht Karlsruhe geht es darum, ob ein Angebot von dm rechtlich zulässig ist.

Versuchter Totschlag? Junge stürzt von Karlsruher Brücke - Zeugensuche bei «Aktenzeichen XY…»

Es gibt bis zu 5.000 Euro Belohnung. Worum es bei dem Fall aus Karlsruhe geht, den das ZDF nun vorstellt. Und worauf die Ermittler hoffen.




 

Logo meinKA

 

Anzeige

Jetzt meinKA als Werbe-Plattform nutzen!

Informieren Sie sich über Daten, Zahlen und Fakten rund um meinKA und die entsprechenden Werbeformen in unseren Mediadaten: jetzt Mediadaten anfordern.

Wir freuen uns über Ihr Interesse und beraten Sie gerne!

 


 
















Auch interessant


Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.