News aus Baden-Württemberg
Boris Becker zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt

News aus Baden-Württemberg Boris Becker zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt

Quelle: Carsten Rehder
dpa

Für zahlungsunfähig erklärte 2017 ein Gericht den früheren Tennisstar Boris Becker. Er musste sein Vermögen offenbaren – doch dem kam der Leimener nicht vollständig nach. Das hat schwere Konsequenzen.

Tennis-Legende Boris Becker muss ins Gefängnis. Ein Gericht in London verurteilte den aus dem nordbadischen Leimen stammenden 54-Jährigen am Freitag wegen mehrerer Insolvenzstraftaten zu zweieinhalb Jahren Haft. Davon muss er die Hälfte absitzen, bevor er den Rest auf Bewährung in Freiheit verbringen darf, wie Richterin Deborah Taylor am Southwark Crown Court entschied. Der dreifache Wimbledon-Sieger wurde umgehend in Gewahrsam genommen. Er hat nun 28 Tage Zeit, um gegen das Urteil Rechtsmittel einzulegen.

Becker war 2017 gerichtlich für zahlungsunfähig erklärt worden und musste daraufhin sein Vermögen offenlegen. Dennoch verschwieg er mehrere Besitztümer. Eine Jury sprach den Deutschen deshalb vor drei Wochen in 4 von 24 Anklagepunkten schuldig. Die Laienrichter gelangten zu der Ansicht, dass Becker eine Immobilie in seinem Heimatort Leimen im Schätzwert von rund 1,2 Millionen Euro verschleierte, unerlaubterweise insgesamt 427 000 Euro auf andere Konten überwies sowie Anteile an einer Firma für künstliche Intelligenz im Wert von 78 600 Euro und eine Darlehensschuld in Höhe von 825 000 Euro verschwieg.

Richterin Taylor kritisierte, Becker habe keine Reue gezeigt und versucht, sich von Beratern, die er für seine Probleme verantwortlich machte, zu distanzieren. Er habe seine Pflichten wegen der Insolvenz gekannt. Eine große Summe Geld sei für immer verloren und könne nicht Beckers Gläubigern zugutekommen. Zugleich erkannte Taylor an, dass Beckers Karriere und Image endgültig zerstört seien.

Taylor verurteilte Becker wegen der unerlaubten und vorsätzlichen Überweisung von mehreren Hunderttausend Euro zu zweieinhalb Jahren Haft. Wegen der anderen drei Schuldsprüche ordnete sie jeweils 18 Monate Haft an. Da die Strafen formal parallel verbüßt werden, ergab sich die Gesamtdauer von 30 Monaten Haft. Die Insolvenzbehörde (Insolvency Service) teilte nach der Verkündung des Strafmaßes mit, dieses zeige klar, «dass es ein ernstzunehmendes Verbrechen ist, Vermögen in einer Insolvenz zu verbergen, für das wir Täter verfolgen und ihrer Strafe zuführen».

Staatsanwältin Rebecca Chalkley hatte Becker zuvor einen schweren Vertrauensbruch vorgeworfen. Sie verwies zudem darauf, dass er in Deutschland wegen Steuerhinterziehung verurteilt worden war – dies erwähnte auch Richterin Taylor anschließend als strafverschärfend. Chalkley nannte keine Strafmaßforderung, machte aber deutlich, dass sie eine Bewährungsstrafe nicht für ausreichend hält. Dass er am Tag nach der gerichtlich angeordneten Insolvenz noch hohe Summen überwiesen hatte, ähnele Geldwäsche.

Beckers Anwalt Jonathan Laidlaw hingegen bat in seinem Schlusswort um Milde und sprach sich für eine Bewährungsstrafe von nicht mehr als zwei Jahren aus. Bei den Überweisungen habe es sich um Zahlungen an seine Ex-Frau Barbara sowie seine Gattin Lilly und seine Kinder gehandelt, die von ihm abhängig gewesen seien. Laidlaw räumte ein, dass Becker damit das Gesetz gebrochen hatte, es sei aber kein schwerwiegender Fall. Der 54-Jährige habe sich in einer verzweifelten finanziellen Lage befunden. Seine Karriere und sein Ruf seien zerstört. «Er hat praktisch alles verloren», sagte Laidlaw. Becker äußerte sich nicht.

Am Gerichtshof Southwark Crown Court herrschte zur Entscheidung großer Andrang. Die Sitzung wurde deshalb in einen deutlich größeren Saal verlegt. Becker kam wie bei jeder Sitzung in Begleitung seiner Partnerin Lilian De Carvalho Monteiro, das Paar hielt Händchen, als es an zahlreichen Fotografen und Kameraleuten vorbei ins Gericht ging. Beckers ältester Sohn Noah trug eine gepackte Reisetasche, die zu Becker in den Glaskasten gestellt wurde, in dem sich der Angeklagte aufhalten muss.

Der Präsident des Deutschen Tennis Bundes (DTB), Dietloff von Arnim, bekräftigte vor der Strafmaßverkündung seine Loyalität mit Becker. Dieser habe für das deutsche Tennis «unstreitig herausragende Erfolge» gefeiert, sagte von Arnim am Freitag am Rande des Sandplatzturniers in München. «Wir stehen da, würde ich sagen, treu an der Seite unserer Tennis-Ikone.»

 

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