News aus Baden-Württemberg
CDU mit historischem Minus: Kretschmann enttäuscht

News aus Baden-Württemberg CDU mit historischem Minus: Kretschmann enttäuscht

Quelle: Marijan Murat
dpa

Es ist eine schlimme Schlappe für die einst so stolze CDU in Baden-Württemberg. War es nur der unbeliebte Kanzlerkandidat? Auch die Grünen sind enttäuscht. Nach oben geht es für die Südwest-SPD – dank Olaf Scholz.

Bei der Bundestagswahl muss die CDU auch im Südwesten herbe Verluste hinnehmen. Nach der zweiten Hochrechnung (Stand: 19.48 Uhr) von Infratest dimap für den SWR vom Sonntagabend stürzt die Landes-CDU um 8,4 Punkte auf nur noch 26,0 Prozent (2017: 34,4 Prozent). Das wäre das schlechteste Ergebnis der Südwest-CDU bei Bundestagswahlen und die zweite Pleite nach der Landtagswahl im März, als die Union den Grünen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann unterlag. Die Landes-CDU liegt noch vor SPD und Grünen, die aber beide deutlich zulegen konnten. Angesichts des engen Rennens zwischen Union und SPD auf Bundesebene hofft die Spitze der Landes-CDU noch auf einen Sieg und eine Jamaika-Koalition mit Grünen und FDP.

CDU-Landeschef und Innenminister Thomas Strobl sagte: «Das ist ein Ergebnis, das uns überhaupt nicht zufrieden stellt.» Immerhin sei wohl eines der Wahlziele erreicht und Rot-Grün-Rot auf Bundesebene verhindert worden. Zudem sei die CDU im Südwesten mit Abstand die stärkste Partei. «Deutlich vor der SPD, sehr deutlich vor den Grünen. Wir sind stärker als die Bundespartei», sagte Strobl. Zudem müsse nicht automatisch die Partei den Kanzler stellen, die am Ende des Tages auch vorne liege. Die Union mit Kanzlerkandidat Armin Laschet muss nach Hochrechnungen schwere Einbußen hinnehmen und um den Verbleib in der Regierung bangen.

Die Südwest-SPD profitiert vom Aufschwung der Bundespartei unter Kanzlerkandidat Olaf Scholz und gewinnt 4,7 Punkte hinzu (2017: 16,4 Prozent). Das wären 21,1 Prozent. Der SPD um Saskia Esken, Parteichefin im Bund und Spitzenkandidatin im Land, würde damit die Wiedergutmachung für das desaströse Landtagswahlergebnis im März gelingen, als sie nur bei 11 Prozent landete. Zudem machen sich die Sozialdemokraten noch Hoffnungen auf Direktmandate, etwa in Mannheim. SPD-Landeschef Andreas Stoch freute sich, dass seine Partei am meisten dazugewinnen konnte.

Die Grünen im Land können sich laut Hochrechnung um 3,3 Punkte steigern und erreichen 16,8 Prozent (2017: 13,5 Prozent). Das ist ihr bestes Ergebnis jemals bei Bundestagswahlen. Allerdings hatte die Partei höher gesteckte Ziele, die sie mit ihrer Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock nicht erreichen konnten. Die Landes-Grünen wollen der Union aber noch Direktmandate abjagen, zum Beispiel in Stuttgart und Freiburg. Vor vier Jahren hatte die CDU alle 38 Direktmandate gewonnen.

Regierungschef Kretschmann zeigte sich enttäuscht: «Nein, zufrieden sind wir nicht», sagte er im SWR. Die Grünen hätten ja das Kanzleramt angestrebt. «Davon sind wir doch weit weggeblieben.» Grünen-Landeschef Oliver Hildenbrand räumte mit Blick auf den Wahlkampf seiner Bundespartei ein: «Es war streckenweise wirklich holprig.»

Die FDP profitiert in ihrem Stammland offensichtlich von der Schwäche der Union und legt auf 15,1 Prozent zu (2017: 12,7 Prozent). Das ist deutlich stärker als im Bund. Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke findet, nun müssten die anderen Parteien der FDP entgegenkommen, wenn sie mit ihr auf Bundesebene regieren wollten. Die FDP wolle keine Steuererhöhung und keine Aufweichung der Schuldenbremse, sagte er im SWR. Eine Jamaika-Koalition wäre für die FDP erste Wahl.

Die AfD büßt etwas ein und landet mit Spitzenkandidatin Alice Weidel bei 10,0 Prozent (2017: 12,2 Prozent). Die Linke verliert im Südwesten kräftig und liegt bei nur 3,1 Prozent (2017: 6,4 Prozent).

Landesweit konnten rund 7,7 Millionen Wahlberechtigte ihre Stimme für die Bundestagswahl abgeben. Wegen der Corona-Pandemie nutzten diesmal besonders viele die Briefwahl. Etwa 397.000 junge Leute konnten im Südwesten erstmals bei einer Bundestagswahl abstimmen. 747 Frauen und Männer aus Baden-Württemberg bewarben sich um einen Sitz im Bundestag. Das vorläufige amtliche Endergebnis der Bundestagswahl für den Südwesten sollte am späten Sonntagabend vorliegen.

 

Weitere Nachrichten

Statistik: Sophia und Noah erneut beliebteste Vornamen in Baden-Württemberg

Seit mehreren Jahren halten sich zwei Vornamen hartnäckig an der Spitze der beliebtesten Namen im Südwesten. Auch andere Namen büßen nicht an Popularität ein.

Anpassung an Hitzewellen: Schwitzen in Offenburg, Schatten in Kiel

In grünen Oasen lässt sich Hitze besser ertragen als in Betonwüsten. Doch die Zahl der Bäume sinkt vielerorts. Vor allem eine Stadt im Südwesten hat nach Ansicht der Umwelthilfe großen Nachholbedarf.

"Glücksatlas": Wo Großstädter im Land zufriedener sind - und wo weniger

In den meisten großen Städten im Land sind die Menschen laut einer Umfrage nicht so zufrieden, wie es die objektive Lebensqualität nahelegt. Wo die Unzufriedeneren leben - und wo die Zufriedeneren.

22 Asse: Karlsruher Hanfmann mit starkem Aufschlag beim Rasenturnier in Stuttgart weiter

Kein Aufschlagverlust, 22 Asse und trotzdem Zittern bis zum Schluss: Wie Tennisprofi Hanfmann das enge Duell in Stuttgart für sich entscheidet und sich nun Chancen aufs Viertelfinale ausrechnen kann.

Am Bahnhof Bruchsal: Eisenbahner wird von Güterzug erfasst und verletzt

Ein Eisenbahn-Beschäftigter will einen Güterzug am Bahnhof Bruchsal abfertigen - und wird dabei von einem anderen Zug erfasst. Der 45-Jährige hatte Glück im Unglück.




 

Logo meinKA

 

Anzeige

Jetzt meinKA als Werbe-Plattform nutzen!

Informieren Sie sich über Daten, Zahlen und Fakten rund um meinKA und die entsprechenden Werbeformen in unseren Mediadaten: jetzt Mediadaten anfordern.

Wir freuen uns über Ihr Interesse und beraten Sie gerne!

 


 
















Auch interessant


Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.