Soziale Medien in der Corona-Krise
Corona: Regierende senden Botschaften über den Bildschirm

Soziale Medien in der Corona-Krise Corona: Regierende senden Botschaften über den Bildschirm

Quelle: dpa/Patrick Seeger

Mit der Corona-Krise ändern Kommunen und das Land ihre Form der Kommunikation: Über Internet und soziale Medien sollen Bürger schnell an Informationen kommen. Videobotschaften und Online-Sprechstunden schaffen Nähe. Die Nachfrage sei groß, sagen Verantwortliche.

Der Freiburger Oberbürgermeister Martin Horn (parteilos) hat nach dem Ausbau digitaler Kommunikation von Kommunen und Behörden in der Corona-Krise eine positive erste Bilanz gezogen. Bürger könnten über Internet und Social-Media-Kanäle schnell und direkt informiert werden, sagte Horn in Freiburg. Das bewähre sich. Angebote der Kommunen würden dadurch verstärkt angenommen. Dies zeige das Beispiel Freiburg. Nahezu jeder zweite Freiburger sei im März und April von der Stadt über Instagram oder Facebook erreicht worden.

Über den digitalen Weg sei ein direkter und vergleichsweise unkomplizierter Austausch zwischen Behörden und Bürgern möglich, sagte Horn. Dies erhöhe die Transparenz und das Vertrauen. Kommunen müssten jedoch bereit sein, auf Anfragen von Bürgern rasch zu reagieren: „Moderne Online-Kommunikation sollte keine Einbahnstraße sein, sondern auch auf Dialog setzen. Dies erwarten Bürger.“

Horn (35) ist nach Angaben des Freiburger Rathauses einer der Oberbürgermeister in Deutschland mit den meisten Instagram- und Facebook-Followern. Neben Live-Sprechstunden setzt er in der Corona-Krise unter anderen auf erklärende Videos mit Experten.

Immer mehr Kommunen im Südwesten nutzten Internet und soziale Medien zur Krisenkommunikation, sagte Gudrun Heute-Bluhm, Chefin des Städtetags Baden-Württemberg. Bürgermeister versuchten etwa mit Videobotschaften, Corona-Regeln und Lockerungen zu erklären und aktuelle Entscheidungen den Menschen nahe zu bringen.

Dies stärke die Demokratie, zeigte sich Michael Wehner von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg in Freiburg überzeugt: „Gerade in Krisenzeiten sind Regierende unter Rechtfertigungsdruck.“ Der Informationsbedarf sei hoch, Politik müsse sich erklären.

Auch die Landesregierung sei verstärkt aktiv, sagte Jana Höffner, Leiterin des Referats Online-Kommunikation im Staatsministerium. Die Internetseite des Landes werde seit Beginn der Corona-Krise täglich von bis zu 500.000 Menschen angeklickt – dies sei eine deutliche Steigerung. Zuvor sei die Zahl der täglichen Abrufe vierstellig gewesen. Nun liege sie stets im sechsstelligen Bereich.

Auch Online-Dienste wie Facebook, Instagram und Twitter würden häufiger genutzt, sagte Höffner. Texte zu Corona-Verordnungen, Lockerungen, Infektions- und Todeszahlen sowie zur Maskenpflicht stießen auf besonders große Nachfrage. Im Staatsministerium kümmert sich ihren Angaben zufolge ein siebenköpfiges Online-Team darum und gebe Antworten.

„Besonders gefragt sind in der Krise auch Erklärungen, Hintergründe und Einordnung, die über die eigentliche Neuigkeit hinausgehen“, erläuterte Freiburgs Oberbürgermeister Horn. Mit Facebook und Instagram habe seine Stadt in der Corona-Krise knapp 300.000 Menschen erreicht. Von Bürgern habe sie über Instagram und Facebook in der Corona-Krise rund 10.000 Nachrichten und Kommentare erhalten. Live-Sprechstunden, unter anderem gemeinsam mit dem Chef der Freiburger Uniklinik, seien im Netz von mehreren Zehntausend Menschen abgerufen worden.

„Die Corona-Krise zeigt: Politik muss sich kommunikativ erneuern. Politik und Verwaltung müssen crossmedialer, also über verschiedene Kanäle, kommunizieren“, sagte Horn. Social Media ergänze klassische Internetseiten, Bürgertelefone sowie herkömmliche Pressearbeit. „Wenn es darum geht, Menschen einzubinden und mitzunehmen, führt an einer modernen Online-Kommunikation als Ergänzung zum klassischen Pressedienst kein Weg vorbei.“ Zudem steige gerade in Krisenzeiten bei Bürgern der Wunsch, mit Behörden ins Gespräch zu kommen und direkten Kontakt zu haben. Dies funktioniere am besten digital.

„Mein Eindruck ist, dass in der Corona-Krise das Vertrauen in Politik gestärkt wurde“, sagte Horn: „Die Krisenkommunikation hat Politik und Bürger wieder einander näher gebracht.“ Der Informationsbedarf sei unverändert hoch. „Entscheidend ist, dass die Nachrichten echte Botschaften enthalten und nicht der Inszenierung dienen.“

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