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Cybercrime-Zentrum in Karlsruhe kämpft gegen Missbrauch per Livestream

News Cybercrime-Zentrum in Karlsruhe kämpft gegen Missbrauch per Livestream

Quelle: Uli Deck/dpa
dpa

Schlimme Missbrauchs-Methoden im digitalen Raum beschäftigen das Cybercrime-Zentrum in Karlsruhe. In manchen Bereichen werden die Täter immer jünger. Die aktuellen Trends? Erschreckend.

Das Cybercrime-Zentrum in Karlsruhe ist zunehmend mit schweren Fällen von sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche beschäftigt. «Verstärkt beobachten wir dabei Phänomene wie das Livestreaming schlimmsten Missbrauchs aus der Ferne», sagte Justizministerin Marion Gentges (CDU) der Deutschen Presse-Agentur.

Dabei beauftragen in Deutschland sitzende Täter gegen Geld andere Personen im Ausland, Kinder vor der Kamera schwerer sexueller Gewalt auszusetzen. Teils führten sie auch «Regie» und würden Anweisungen geben, wie der Missbrauch eines Kindes live vor der Kamera aussehen solle.

Für jeden Stream bezahlten sie dann – «die Beträge sind lächerlich gering», sagte Gentges. «Das ist an Widerwärtigkeit nicht zu überbieten.» Als Staat dürfe man bei solchen Fällen nicht wegschauen. «Die Kinderseelen sind dann nämlich kaputt.»

Im Jahr 2024 und 2025 gab es bisher 18 solcher Streaming-Delikte, die am Cybercrime-Zentrum anhängig waren. Damit habe das Zentrum deutschlandweit die meisten solcher Fälle, sagte CCZ-Leiterin Tomke Beddies.

Insgesamt gingen im Jahr 2025 bis zum 30. November nach des Zentrums 4.759 Verfahren im Zusammenhang mit Kinder- und Jugendpornographie ein – darunter waren 4.353 gegen einzelne Beschuldigte und 406 gegen unbekannte Täter. Ein großer Teil der Fälle werde an die Ortsstaatsanwaltschaften abgegeben, die besonders gravierenden und schweren Fälle verblieben im Cybercrime-Zentrum.

 

Auch Community-Fälle rücken in den Fokus

Auch sogenannte Com-Fälle – «Com» steht dabei für «Community» (Gemeinschaft) geraten den Angaben zufolge zunehmend in den Fokus. Dabei bilden sich online kriminelle Gruppierungen mit ganz unterschiedlichen Ideologien. Sie setzen auf Manipulation und psychische Tricks, um junge Menschen beispielsweise zu sexuellen Handlungen zu nötigen oder dazu, sich selbst zu verletzen – bis hin zum Suizid vor laufender Kamera. Um diese Netzwerke wolle man sich verstärkt kümmern, sagte Beddies. «Die Täter werden immer jünger.»

Kürzlich war der Fall eines Teenagers aus Württemberg bekanntgeworden, der als Teil eines kriminellen Netzwerks Opfer über Online-Spiele kontaktiert haben soll, um sie zu selbstverletzenden Handlungen zu verleiten. «Diese Täter negieren im Grunde das Menschsein ihrer Opfer», warnte Ministerin Gentges. Die im Cybercrime-Zentrum bearbeiteten Fälle bewegen sich den Angaben zufolge bisher im einstelligen Bereich – noch.

 

Ministerin fordert Speicherpflicht für IP-Adressen

Ministerin Gentges forderte mit Blick auf die Provider mit Nachdruck eine Speicherpflicht von drei Monaten für IP-Adressen und Portnummern. Mit diesen Daten könne man die Inhaber der Anschlüsse ausfindig machen, auf denen sich Bilder, Videos oder andere Hinweise auf Darstellungen und Handlungen sexueller Gewalt gegen Kinder befänden. Schon wenn die Provider vier Wochen speichern müssten, könnten 90 Prozent der Anschlussinhaber identifiziert werden, sagte Gentges.

Eine derartige Verkehrsdatenspeicherung gibt es in Deutschland derzeit nicht. «Das regt mich echt auf», sagte die Ministerin. «Der Datenschutz ist mir das viel geringere Rechtsgut, wenn ich sehe, was Kindern angetan wird.» Für die betroffenen Kinder, die Vergewaltigungen und andere schlimmste sexuelle Übergriffe über sich ergehen lassen müssten, zähle jeder Tag, ihren Peinigern das Handwerk zu legen. Daher sollten auch finanzielle Fragen kein Hemmschuh sein: «Da darf es nicht ums Geld gehen. Da geht es um Kinderseelen, die Schaden nehmen.»

Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) hatte jüngst einen Gesetzentwurf vorgelegt, nach dem Internetanbieter zur Bekämpfung von Kriminalität im Netz IP-Adressen künftig drei Monate lang speichern sollen. Die IP-Adresse ist quasi die Anschrift eines Computers im Internet, mit der dieser identifiziert werden kann.

 

Die meisten Hinweise kommen aus den USA

Die weitaus meisten Hinweise zu den Fällen, die beim Cybercrime-Zentrum landen, kommen laut CCZ dabei über das US-amerikanische sogenannte National Center for Missing & Exploited Children, das nationale Zentrum für vermisste und ausgebeutete Kinder. In den USA müssen Provider Verdacht auf kinderpornographische Straftaten melden, das Zentrum sammelt solche Hinweise und gibt diese bei Bezug zu Deutschland entsprechend an die hiesigen Strafverfolgungsbehörden weiter.

 

Gentges betont Bedeutung des Cybercrime-Zentrums

Das vor fast zwei Jahren gegründete Cybercrime-Zentrum, das sich auch mit Fällen rund um Cybertrading und Ransomware-Angriffe auf Behörden und Unternehmen befasst, trage inzwischen maßgeblich dazu bei, solche Delikte zentral und konzentriert zu verfolgen. «Wozu auch immer Menschen imstande sind, wir halten mit», sagte die Justizministerin. «Wir hoffen, dass das Hellfeld größer wird und das Dunkelfeld kleiner.»

Das Zentrum hatte zum 1. Januar 2024 seine Arbeit an der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe aufgenommen. Es ist landesweit zuständig für ermittlungstechnisch besonders anspruchsvolle Verfahren des Cybercrime. Das sind Straftaten, die sich gegen informationstechnische Systeme richten oder mit Hilfe von Computer- und Informationstechnik begangen werden.

 

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