News
Ein Foto, zwei Wölfe: Bald wieder ein Rudel im Schwarzwald?

News Ein Foto, zwei Wölfe: Bald wieder ein Rudel im Schwarzwald?

Quelle: Privat/FVA Baden-Württemberg/dpa

Zwei Wölfe gemeinsam vor der Fotofalle – im Nordschwarzwald wächst die Spannung. Gibt es in Baden-Württemberg bald das erste neue Rudel seit Jahren?

Zwei gelb leuchtende Augenpaare im Dunkeln, ein Grauschleier auf Schwarz-Weiß: In einer Fotofalle bei Forbach (Landkreis Rastatt) sind gleich zwei Wölfe gleichzeitig ins Bild gelaufen. Ein seltenes Motiv, das manchen Hoffnung macht und anderen neue Sorgen bereitet. Fachleute der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) halten es für gut möglich, dass die Tiere als Paar durch den Nordschwarzwald streifen. Auch ein neues Rudel wäre dann möglich.

Das Schwarz-Weiß-Foto wurde laut FVA am vergangenen Donnerstag aufgenommen. Beide Tiere sind deutlich zu erkennen. Um Sicherheit zu haben, ob es sich um bekannte Exemplare oder durchziehende Tiere handelt, müssten aber erst genetische Spuren aus der Region gefunden und ausgewertet werden, teilte die FVA mit.

Rudelbildung wird wahrscheinlicher

«Es gibt in der Gegend nur einen territorialen Rüden», sagt Micha Herdtfelder vom FVA-Wildinstitut. Da Wolfsrüden normalerweise nicht mit einem anderen männlichen Exemplar unterwegs seien, gehe er davon aus, dass es sich auf dem Foto der Wildkamera um eine Fähe handele, also um einen weiblichen Wolf. «Dadurch wird es wahrscheinlicher, dass es auch wieder zu einer Rudelbildung kommt», sagt der FVA-Experte für Luchse und Wölfe.

Wirklich überrascht dürfte Herdtfelder davon nicht sein. Er war bereits Ende vergangenen Jahres von einer solchen möglichen Entwicklung ausgegangen. «Es kommen immer wieder Wölfe nach Baden-Württemberg und einige davon werden sich auch hier niederlassen, sich verpaaren und Rudel bilden», hatte er gesagt. Ein Rudel gibt es aktuell nicht in Baden-Württemberg.

Und auch der Wolfexperte des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland), Hartmut Weinrebe, hat mit einem neuen Paar gerechnet. «Das ist ein erwartbarer Vorgang», sagt er. «In Baden-Württemberg kommt der Wolf an.» Streife tatsächlich ein Männchen mit einer Fähe durch das Murgtal, könne es im Januar zur Paarung kommen – und nach neun Wochen zum Wurf.

Kein Wolfsland

Allerdings ist Baden-Württemberg auch weiter alles andere als ein Wolfsland. Im Nordschwarzwald leben derzeit zwei männliche Wölfe: Der eine mit der wissenschaftlichen Kennzeichnung GW852m streift im Territorium Enztal umher, er reißt gelegentlich und vor allem rund um Forbach ein Schaf oder eine Ziege und macht den Haltern Sorgen. Das reicht bislang aber nicht, um einen Abschuss zu rechtfertigen. Das Exemplar dürfte nach Einschätzung der FVA auch auf dem jüngsten Foto zu sehen sein.

Der andere Wolf in der Region trägt die Bezeichnung GW2672m und streunt durch das Territorium Hornisgrinde. Es gibt in Baden-Württemberg laut FVA zudem zwei weitere sesshafte Wölfe: einen im Grenzgebiet der Landkreise Schwarzwald-Baar und Tuttlingen und einen Stammgast im Südschwarzwald. Als sesshaft gilt ein Wolf, wenn sich seine Spuren über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten verfolgen lassen.

Es gab auch mal ein Rudel

In der Vergangenheit war die Zahl der sesshaften Wölfe im Land höher, einige wanderten ab oder wurden überfahren. Ein Rudel gibt es nicht mehr, weil der einzig lebende Welpe Ende 2023 in der Nähe des Schluchsees überfahren wurde. Im April danach verendete das Muttertier bei einem Auto-Unfall nahe Lenzkirch. Es war trächtig mit mehreren Welpen. Weibchen für möglichen Nachwuchs gibt es – oder gab es – also nicht mehr im Südwesten.

Zum Vergleich: In Deutschland leben Wölfe vor allem in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg bis nach Sachsen, wie aus dem Monitoring der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes 2024/2025 (bis 30. April) hervorgeht. Aber auch in allen anderen Flächenbundesländern (außer dem Saarland) sind Wolfsterritorien nachgewiesen worden.

Insgesamt wurden zum Stichtag 219 Wolfsrudel gezählt sowie 43 Wolfspaare und 14 territoriale Einzeltiere. Die meisten Wolfsterritorien gab es in Niedersachsen (63) und Brandenburg (60) gefolgt von Sachsen (46), Sachsen-Anhalt (38) und Mecklenburg-Vorpommern (34).

 

Weitere Nachrichten

Aktuell entspannt: Keine Plage zu Pfingsten - doch Tigermücke bleibt ein Thema

Warm und ohne Quälgeister: Die Stechmückenjäger am Rhein erwarten ungestörtes Grillen an den Feiertagen. Doch so muss es nicht bleiben.

Gefährliche Gartenarbeit: Immer wieder Schäden an Leitungen

Einmal falsch gebuddelt - und schon setzt ein Stromausfall ganze Straßen ins Dunkle. Warum Leitungen im Garten echte Gefahren bergen und was Profis raten.

Hitze treibt Pollenflug an - Hohe Belastung für Allergiker

Sonne, Hitze, Pollen, das heißt: schwierige Tage für Allergiker. Eine Expertin erklärt, wo es kritisch wird und wie sich Betroffene schützen können.

Landkreis Karlsruhe: Radfahrer stirbt nach Zusammenstoß mit Auto

Ein Fahrradfahrer gerät in einen schweren Unfall mit einem Auto. Wenige Stunden später stirbt er an seinen Verletzungen.

Schwerer Unfall in Stutensee: 17-jähriger E-Scooter-Fahrer lebensgefährlich verletzt

Beim Zusammenstoß mit einem Auto wird der Jugendliche schwer verletzt. Wie kam es dazu?

Obduktion nach Tod im Kreis Karlsruhe: Sohn erstach Mutter und tötete sich dann selbst

Nach dem Tod einer Mutter und ihres Sohnes in Oberhausen-Rheinhausen hat die Obduktion Klarheit gebracht. Die Ermittler suchen noch nach dem Motiv.






















Auch interessant


Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.