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Fahrlässige Tötung: Staatsanwaltschaft ermittelt nach Zugunglück gegen Lkw-Fahrer

Nachrichten Fahrlässige Tötung: Staatsanwaltschaft ermittelt nach Zugunglück gegen Lkw-Fahrer

Quelle: Jason Tschepljakow/dpa
dpa

Drei Tote, mehrere Verletzte und zwei ausgebrannte Fahrzeuge – die Ermittlungen zum Unfall nördlich von Karlsruhe laufen. Die Behörden haben den Vorwurf schon klar benannt.

Nach dem tödlichen Unglück an einem Bahnübergang im Norden Baden-Württembergs ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Fahrer des betroffenen Tanklasters wegen fahrlässiger Tötung. Der genaue Unfallhergang müsse aber noch geklärt werden, sagte ein Sprecher der Anklagebehörde in Karlsruhe der Deutschen Presse-Agentur. Die Ermittlungen hierzu dauerten an. Derweil laufen an der Unfallstelle in Ubstadt-Weiher die Bergungsarbeiten.

Eine Stadtbahn war am Dienstagnachmittag an einem unbeschrankten Bahnübergang mit dem mit mehreren Tausend Litern Heizöl beladenen Lastwagen zusammengestoßen. Er wurde nach Angaben der Ermittler von der Bahn an der rechten Fahrzeugseite erfasst und rund 40 Meter mitgeschleift. Beide Fahrzeuge fingen Feuer.

Inzwischen wurde die Stadtbahn in drei tonnenschwere Teile zerlegt. Das Erste davon soll am Donnerstag von den Gleisen gebracht und weggefahren werden, wie eine Sprecherin der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) mitteilte. Die beiden anderen Teile des Waggons folgen bisherigen Planungen zufolge am Freitag. Das Lkw-Wrack haben Spezialisten in der Nacht zu Mittwoch geborgen.

 

Identität der Toten noch nicht endgültig geklärt

Drei Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben, darunter laut Polizei die 59 Jahre alte Bahnfahrerin sowie zwei Fahrgäste. «Aufgrund der Schwere der Brandeinwirkung dauert die Identifizierung der drei Personen nach wie vor an», teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittag mit. Die Einsatzkräfte hätten eine Person tot aus dem Führerhaus geborgen. «Die zwei weiteren Verstorbenen befanden sich im vorderen Bereich der Bahn.»

Der 49 Jahre alte Lkw-Fahrer war mit schweren Verletzungen in eine Spezialklinik geflogen worden. Zehn weitere Fahrgäste wurden leicht verletzt. «Wie viele Personen sich insgesamt zum Zeitpunkt der Kollision in der Straßenbahn befanden, ist noch nicht abschließend geklärt.»

 

Ermittlungen zur technischen Ausstattung am Bahnübergang

Der Bahnübergang war nach Angaben der AVG-Sprecherin an beiden Seiten mit Andreaskreuzen markiert. Zudem habe es Signalanlagen gegeben, die von Orange auf Rot springen, wenn sich eine Bahn nähere. Ob die Technik funktionierte und womöglich übersehen wurde, müsse ermittelt werden.

Dafür sind nach Angaben einer Polizeisprecherin Sachverständige im Einsatz. Kriminaltechniker sicherten Spuren. Der entstandene Sachschaden kann der Mitteilung zufolge noch nicht abschließend beziffert werden. Ersten Schätzungen zufolge liege er im hohen sechsstelligen Bereich.

 

«Nach jedem Unfall muss geprüft werden, ob und wie wir die Sicherheit an den Unfallstellen verbessern können», erklärte der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann. «Wir werden die Untersuchungen und Aufklärungsarbeiten eng begleiten», teilte der Grünen-Politiker mit. «Stadtbahn- und Eisenbahnkreuzungen erfordern die volle Aufmerksamkeit aller Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer.»

Trauer in Ubstadt-Weiher

Der Unfall erschüttere die Landesregierung zutiefst, sagte Hermann laut Mitteilung. Die Dramatik sei auch einen Tag später kaum greifbar. «Unsere Gedanken sind bei ihren Angehörigen, denen wir unser tief empfundenes Mitgefühl ausdrücken. Den Verletzten wünschen wir von Herzen eine schnelle und vollständige Genesung.»

Auf der Homepage von Ubstadt-Weiher hieß es: «Die Bevölkerung, Bürgermeister Tony Löffler, der Gemeinderat und die Gemeindeverwaltung trauern gemeinsam mit den Angehörigen der Verstorbenen.» Die Gemeinde liegt zwischen Karlsruhe und Heidelberg. Hier leben rund 13.400 Menschen. Der Unfall ereignete sich im Ortsteil Zeutern.

 

Arbeiten an Bahnstrecke mehrere Tage

Die betroffene Strecke der Linien S31 und S32 ist bis auf weiteres unterbrochen. Nach dem Abtransport der Bahn sollen die Schienen überprüft und Oberleitungen repariert werden. Die Arbeiten dürften sich über mehrere Tage hinziehen – wie lange genau ist nach Angaben der AVG-Sprecherin unklar.

Es geht um den Abschnitt zwischen Bruchsal Bahnhof und Menzingen Bahnhof beziehungsweise Odenheim Bahnhof. Busse fahren als Ersatzverkehr. Die Stadtbahnen der AVG sind auch im Umland außerhalb von Städten unterwegs.

 

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