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Gibt es bald ein Rudel? Wolfswelpen im Sommer im Nordschwarzwald möglich

News Gibt es bald ein Rudel? Wolfswelpen im Sommer im Nordschwarzwald möglich

Quelle: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa
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Im Nordschwarzwald könnten bald junge Wölfe tapsig durch den Wald tollen – doch bis zu den ersten Bildern müssen sich Beobachter noch gedulden. Was Experten über das neue Wolfspaar verraten.

Tapsige Wolfskinder laufen vielleicht bald im Nordschwarzwald herum – denn dort gibt es seit neuestem ein Wolfspaar mit einer wahrscheinlich schon trächtigen Wölfin. Bis man Welpen zu Gesicht bekommen könnte, dürfte es aber noch einige Wochen dauern. Experten können den Tieren frühestens im Sommer mit zusätzlichen Fotofallen auf den Pelz rücken, um Hinweise zu möglichem Nachwuchs zu bekommen. Vorher sei das wenig sinnvoll, sagte der Wolfexperte Micha Herdtfelder von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg. Niemand wisse ja, ob und wo die seit kurzem erst sesshafte Wölfin Welpen zur Welt bringen werde.

Doch sei es sehr wahrscheinlich, dass sie bereits Nachwuchs vom schon lange in der Region ansässigen Rüden GW852m erwarte. «Wildbiologisch gesehen klappt eine Verpaarung zwischen Wölfen meistens», sagte Herdtfelder.

Welpen könnten im Sommer gesichtet werden

Wenn die Paarung geklappt hat, müssen sich Beobachter des streng geschützten Tieres jedoch noch bis Juni oder Juli gedulden. Denn direkt nach der Geburt sind die Welpen, zunächst nur etwa 500 Gram leicht, noch taub und blind und verlassen das Nest erst mal nicht.

Sobald die Kleinen aber aus dem Bau kommen, steigt die Chance, dass die Welpen gesichtet oder von Fotofallen abgelichtet werden. «Wir warten ab, bis uns eine Beobachtung gemeldet wird», sagte Herdtfelder. Erst dann würden an diesen Stellen, auch «Rendezvous-Plätze» genannt, in Absprache mit den Jagdpächtern zusätzlich Fotofallen installiert, um die Wolfbabys besser im Blick zu behalten.

Ein Wurf besteht meistens aus vier bis sechs Welpen. Die Fähe ist vermutlich im Februar oder März trächtig geworden, die Tragezeit beträgt um die 60 Tage. Kurze Zeit nach Geburt wagen sich die Welpen in der Regel aus dem Bau und spielen in kleinem Radius – auch ohne Aufsicht der Eltern. Sie werden von der Wölfin noch gesäugt, nehmen aber auch schon Fleischbrocken zu sich, die die Eltern hervorwürgen. Wölfe sind nach Worten Herdtfelders sehr monogam und kümmern sich gemeinsam um ihren Nachwuchs.

Viele Jungtiere sterben

Rund zwei Drittel der Jungtiere sterben aber in den ersten zwei Lebensjahren. Fressfeinde wie Eule, Fuchs oder auch Luchs können ihnen Herdtfelders Angaben zufolge zum Verhängnis werden – später vor allem Hunger, Krankheiten oder der Autoverkehr.

Den – hoffentlich werdenden – Eltern und dem möglichen Nachwuchs werde man aber nicht mit Futter oder sonstiger besonderer Pflege bei Aufzucht beziehungsweise beim Überleben helfen. «Wildtiere müssen alleine klarkommen», sagte Herdtfelder.

Sehr lange bleiben die Welpen übrigens nicht tapsig und klein. Schon im September erreichen sie die Größe der Eltern und sehen dann sehr erwachsen aus.

Aber kann der Rüde Nachwuchs zeugen?

Rüde GW852m ist der am längsten im Südwesten sesshafte Wolf und hat die durchschnittliche Lebenserwartung eines Wolfes schon fast erreicht. Die Fähe mit der wissenschaftlichen Kennung GW4816f ist im Vergleich zu ihrem Partner noch recht jung: Sie wurde zwischen 2022 und 2024 geboren, der Rüde kam schon 2017 zur Welt. «Der Altersunterschied ist also beträchtlich», sagte Herdtfelder.

Man wisse auch nicht zwingend, ob er überhaupt Nachwuchs zeugen könne, hatte der Wolfsexperte des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hartmut Weinrebe, zuvor zu bedenken gegeben. GW852m sei mit seinen zehn Jahren schon recht betagt und Nachweise eigenen Nachwuchses des seinerzeit aus Norddeutschland zugewanderten Tieres seien bisher nicht bekannt. Auch könne natürlich auch die Fähe unfruchtbar sein. «Das alles wissen wir nicht», hatte Weinrebe gesagt.

Sollte der Rüde sterben, bevor es Nachwuchs gibt, sei das aber kein Hindernis für eine erwartete Rudelbildung. Die Wölfin werde nicht lange alleine bleiben, so Herdtfelder. «Andere Wölfe bekommen das mit.»

Erst kürzlich hatte sich nach vier männlichen Wölfen wieder eine Wölfin im Südwesten niedergelassen. Damit sind nun fünf Exemplare dieser streng geschützten Tiere in Baden-Württemberg sesshaft und eine Rudelbildung wahrscheinlich. Als Rudel wird Weinrebes Worten zufolge bereits eine Wolf-Kleinfamilie bezeichnet: Vater, Mutter, Kind.

Es gab schon früher ein Rudel im Südwesten

In der Vergangenheit war die Zahl der sesshaften Wölfe im Land höher, einige wanderten ab oder wurden überfahren. Ein Rudel aber hatte es nicht mehr gegeben, seit der einzig lebende Welpe Ende 2023 in der Nähe des Schluchsees überfahren wurde. Im April danach verendete das Muttertier bei einem Auto-Unfall nahe Lenzkirch. Es war trächtig mit mehreren Welpen. Weibchen für möglichen Nachwuchs gab es danach länger nicht mehr im Südwesten.

Zum Vergleich: In Deutschland leben Wölfe vor allem in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg bis nach Sachsen, wie aus dem Monitoring der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes 2024/2025 (bis 30. April) hervorgeht. Aber auch in allen anderen Flächenbundesländern (außer dem Saarland) sind Wolfsterritorien nachgewiesen worden.

Wölfe sind vor mehr als 20 Jahren wieder in Deutschland aufgetaucht; ihre Zahl nimmt seither kontinuierlich zu.

 

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