News aus Baden-Württemberg
Hass und Hetze: „schweigende Mehrheit muss laut werden“

News aus Baden-Württemberg Hass und Hetze: „schweigende Mehrheit muss laut werden“

Quelle: Paul Zinken
dpa

In den Städten und Gemeinden kommen Bürger und Politiker sich am nahesten. Das bedeutet in immer mehr Fällen auch eine Gefahr für Kommunalpolitiker. Der Gemeindetag fordert jetzt mehr Unterstützung für sie ein.

Der Gemeindetag hat dazu aufgerufen, sich früher mit angefeindeten Kommunalpolitikern zu solidarisieren. «Die schweigende Mehrheit muss laut werden», sagte Verbandspräsident Steffen Jäger am Donnerstag nach einer Präsidiumssitzung in Eppingen (Kreis Heilbronn). Das gelte bereits, wenn politische Diskussionen von der sachlichen auf die persönliche Ebene abdrifteten – nicht erst wenn Hass und Gewalt angedroht oder ausgeübt werden. «Wir dürfen Kommunalpolitiker nicht allein im Regen stehen lassen, sondern müssen deutlich machen, dass persönliche Angriffe nicht akzeptabel und ein Anschlag auf die Demokratie sind.»

In der Kategorie Hass und Gewalt gegen Amts- und Mandatsträger sind nach Worten Jägers 2021 bundesweit fast 4500 Straftaten verzeichnet worden. Die Zahl der Gewaltdelikte steige rapide, so in Baden-Württemberg von 18 im Jahr 2019 auf 120 im Jahr 2020.

Die Schmähungen und Einschüchterungsversuche reichen von Katzenkot auf Autos über tote Ratten vor der Haustür bis hin zu Drohschreiben und Versammlungen vor Privathäusern der Volksvertreter. Die Anfeindungen beschränken sich Jäger zufolge nicht nur auf Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, kommunale Gremienmitglieder und Beschäftigte des öffentlichen Dienstes. Auch Ehrenamtliche in den Städten und Gemeinden, beispielsweise bei Feuerwehr und Katastrophenschutz, litten unter mangelndem Respekt. Das Sicherheitsgefühl der Betroffenen schwinde und viele stellten sich die bange Frage: «Wann wird aus der Drohung die Tat?»

Jäger sieht hinter dem Unmut gegenüber Politikern eine unrealistische Erwartungshaltung gegenüber dem Staat. «Wir müssen die Vollkasko-Mentalität in Frage stellen und eine Diskussion über die Leistungsfähigkeit des Staates führen.» Die Kommunalpolitiker seien dem Gemeinwohl verpflichtet, nicht der Durchsetzung individueller Interessen.

Der in Stuttgart ansässige Kommunalverband schlägt im Kampf gegen Hass und Hetze vor, Schwerpunktstaatsanwaltschaften und spezialisierte Kammern an den Strafgerichten zu bilden und so das Wissen um die Delikte zu schärfen und Strafverfahren zu beschleunigen. Zudem könne eine neue Strafvorschrift für «Nachstellung gegenüber Amts- und Mandatsträgern» den Schutz deutlich verbessern. Auch regt der Verband an, dass Teilnehmer von Debatten im Internet ihren Namen nennen müssen. Sicherheitskonferenzen mit Experten, Vertretern von Polizei und Justiz könnten kommunale Amts- und Mandatsträger beim Umgang mit Hass und Hetze unterstützen.

 

Weitere Nachrichten

Bei Amazon verkauft: Amt warnt vor Honigpaste mit verstecktem Viagra-Wirkstoff

Honigpaste im Internet gekauft? Möglicherweise steckt dort ein Potenzmittel drin - und das ohne Hinweis, warnt das Landratsamt Tübingen. Was Verbraucher über das betroffene Produkt wissen müssen.

JobRad baut weniger Stellen ab als zunächst befürchtet

Nach Gesprächen mit dem Betriebsrat steht fest: Mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen gehen. Was Geschäftsführung und Mitarbeitervertretung dazu sagen.

Feuer und Rauch in Autobahn-Tunnel entlang der A81

Nach einem Lkw-Brand im Engelbergtunnel bleibt die A81 gesperrt. Zwei Menschen wurden leicht verletzt, die Ursache des Feuers ist noch unklar. Was das für den Verkehr bedeutet.

Nach Gewinneinbruch: Mercedes-Chef verdient deutlich weniger

Ola Källenius zählte zuletzt zu den Topverdienern im Dax. Nach dem Gewinneinbruch ist auch die Vergütung beim Mercedes-Chef 2025 deutlich zurückgegangen. Wie viele Millionen hat er dennoch verdient?

Frühling hält Kurs - Hier lockt im Südwesten die Sonne

Morgens noch Nebel, nachmittags Sonnenbrille: Wo im Südwesten jetzt frühlingshafte Temperaturen und strahlende Sonne warten – und wo es etwas länger trüb bleibt.




 

Logo meinKA

 

Anzeige

Jetzt meinKA als Werbe-Plattform nutzen!

Informieren Sie sich über Daten, Zahlen und Fakten rund um meinKA und die entsprechenden Werbeformen in unseren Mediadaten: jetzt Mediadaten anfordern.

Wir freuen uns über Ihr Interesse und beraten Sie gerne!

 


 













Auch interessant


Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.