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Insolvenzantrag zu Weihnachten: Bruchsaler Volocopter sucht Investoren

News Insolvenzantrag zu Weihnachten: Bruchsaler Volocopter sucht Investoren

Quelle: Christoph Schmidt
dpa

So richtig Aufwind hat die Elektro-Flugbranche bisher nicht bekommen. Nun treiben finanzielle Schwierigkeiten nach Lilium ein zweites Start-up zum Amtsgericht.

Insolvenzantrag zu Weihnachten und ein Wunschzettel fürs neue Jahr: Weil die Gespräche mit möglichen Investoren nicht fruchteten, hat der Flugtaxi-Hersteller Volocopter Insolvenz angemeldet und sucht Investoren. Für die rund 500 Mitarbeitenden soll es erst einmal wie gewohnt weitergehen.

Das Amtsgericht Karlsruhe habe Tobias Wahl von Anchor Rechtsanwälte zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt, teilte Volocopter im badischen Bruchsal mit. Der Anwalt möchte bis Ende Februar ein Sanierungskonzept entwickeln und mit Investoren umsetzen. «Das Unternehmen benötigt jetzt eine Finanzierung, die es ermöglicht, die letzten Schritte zum Markteintritt zu gehen.»

Volocopter fehlt noch eine Musterzulassung der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (Easa), um mit den senkrecht startenden vollelektrischen Fluggeräten Passagiere befördern zu dürfen. Die Firma geht trotz des am zweiten Weihnachtstag angemeldeten Insolvenzverfahrens davon aus, dass diese im neuen Jahr kommt und es dann losgehen kann. «Wir sind sowohl technologisch als auch bei der Flugerfahrung sowie im Zertifizierungsprozess im nationalen und internationalen Wettbewerb ganz weit vorne», sagte Volocopter-Chef Dirk Hoke, der das Unternehmen Ende Februar verlässt.

 

Parallelen zu Lilium

«Der Geschäftsbetrieb läuft weiter», teilte eine Sprecherin mit. «Ziel ist ein Erhalt der Arbeitsplätze und das Insolvenzverfahren zu nutzen, um Volocopter zu sanieren und nachhaltig wettbewerbsfähig aufzustellen.» Unter Hoke sei die Zahl der Mitarbeitenden von rund 700 auf derzeit 500 gesenkt worden.

Zu Geschäftszahlen macht Volocopter keine Angaben. Das Magazin «Capital» hatte unter Berufung auf den Jahresabschluss 2023 berichtet, das Start-up habe 146,2 Millionen Euro Verlust gemacht nach 136,8 Millionen Euro im Vorjahr. Mitte November hatte Volocopter Oliver Vogelgesang als Finanzchef geholt.

Er kam vom ebenfalls insolventen Elektroflugzeug-Pionier Lilium aus Bayern. Lilium hatte Heiligabend mitgeteilt, das Investorenkonsortium Mobile Uplift Corporation übernehme den Betrieb. 750 Mitarbeiter, denen wenige Tage vor Weihnachten gekündigt worden war, sollten einem Sprecher zufolge zurückgeholt werden. Anders als Volocopter läuft das Insolvenzverfahren dort in Eigenverwaltung.

 

Keine Hilfe vom Staat

CSU-Politikerin Dorothee Bär hatte die Flugtaxi-Branche mit einem Interview vor einigen Jahren in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Doch so richtig zum Laufen kam der Industriezweig in Deutschland nicht. Lilium und Volocopter hatten in der Vergangenheit immer wieder finanzielle Unterstützung gesucht.

Staatliche Hilfe aus Baden-Württemberg und Bayern, die im Laufe des Jahres samt Wechsel des Volocopter-Hauptsitzes in den Freistaat im Gespräch war, blieb jedoch aus. Zuletzt war es um je 50 Millionen Euro vom Bund und Bayern gegangen. Das Geld kam dann am Ende von Investoren.

Später berichtete der Finanzdienst Bloomberg, der chinesische Mischkonzern Geely sei an der Übernahme des Flugtaxi-Start-ups interessiert. Volocopter wollte sich damals dazu nicht inhaltlich äußern.

 

Nachfolgesuche für Chefposten

Nun heißt es in der Erklärung, in der Vergangenheit hätten zahlreiche Finanzierungsrunden die Entwicklung und den Betrieb vorangetrieben. Bis vor kurzem habe Volocopter so in einem äußert schwierigen Finanzumfeld bestanden. «Trotz intensiver Bemühungen ist es dennoch nicht gelungen, eine tragfähige Lösung zu finden, um den regulären Betrieb außerhalb eines Insolvenzverfahrens der Volocopter GmbH aufrechtzuerhalten.»

Hoke hatte die Politik nach den ausgebliebenen Hilfen kritisiert und ihr mangelnde Unterstützung vorgeworfen: «Natürlich richtet man in einer derart technologisch komplexen und kapitalintensiven Branche wie unserer auch den Blick in Richtung des Staates», sagte er «Capital».

Dass der CEO im Frühjahr ausscheidet, hat mit der Insolvenz allerdings nichts zu tun und ist schon länger bekannt. Ex-Daimler-Chef Dieter Zetsche soll als Beiratsvorsitzender einen Nachfolger suchen.

 

In Deutschland nur Einsätze im Rettungswesen?

Eigentlich hatte Volocopter während der Olympischen Spiele in Paris Menschen fliegen wollen. Auch wenn dem Unternehmen noch die Erlaubnis zum kommerziellen Passagierbetrieb fehlt, sind die Flugtaxis dennoch zu sehen. So gab es in Paris Show-Flüge unter anderem in der Nähe von Schloss Versailles und regelmäßige Testflüge. Auch Piloten darf Volocopter ausbilden.

Das Start-up hat Städte wie Rom und Osaka auf der Agenda. Regelmäßige Flüge in Deutschland haben indes keine Priorität, weil die Städte hierzulande den Angaben nach nicht so groß und dicht besiedelt sind. Zudem hätten sie autarke Nahverkehrsnetze. In Deutschland arbeitet Volocopter mit der ADAC-Luftrettung zusammen, um etwa den Einsatz für Rettungszwecke zu erproben.

 

Bundesministerium will gute Bedingungen für Flugtaxis schaffen

Das Bundesverkehrsministerium hatte vor kurzem eine Strategie vorgestellt, um den Einsatz von Drohnen und Flugtaxis auszuweiten. Diese sieht Teststrecken für Lufttaxis ab 2026 vor und einen bundesweiten Betrieb ab 2032. «Wir wollen, dass diese Fortbewegungsmittel der Zukunft in Deutschland hergestellt und betrieben werden», erklärte Ressortchef Volker Wissing (parteilos). «Das schafft nicht nur neue High-Tech-Arbeitsplätze, sondern sichert auch langfristig unsere Position als führender Industrie- und Innovationsstandort.»

Obwohl beworben als nachhaltig und leise sind die modernen Fluggeräte nicht unumstritten: Eine Analyse des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim von elf Untersuchungen ergab, dass sich Reisezeiten kaum verkürzten, während die Kosten und im Vergleich zu E-Autos auch die CO2-Emissionen stiegen. «Nützlich kann urbane Luftmobilität vor allem bei Notfalleinsätzen sowie zum Anbinden entlegener Regionen sein.»

 

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