KSC Die blau-weiße meinKA-Interview-Reihe: 7 Fragen mit Sebastian Jung
In unserer blau-weißen Interview-Reihe „7 Fragen mit…“ werfen wir einen Blick hinter die KSC-Kulissen. Dabei sprechen wir über aktuelle Situationen und persönliche Themen, um die Spieler etwas näher kennenzulernen. Heute im Fokus: Sebastian Jung.
meinKA: Letzte Woche wurde deine Vertragsverlängerung bekanntgegeben, was hat dich dazu bewogen, deinen Vertrag zu verlängern?
Sebastian Jung, KSC-Verteidiger: „Zum einen, weil ich jetzt seit sechs Jahren hier bin und wir uns als Familie extrem wohlfühlen – in der Stadt und im Verein. Auch ich persönlich habe innerhalb des Teams meine Rolle. Auch meine Kinder haben hier in der Stadt Anschluss gefunden. Also privat passt alles super hier. Und sportlich natürlich: Ich bin seit sechs Jahren beim KSC und seit mehreren Jahren eigentlich Stammspieler auf meiner Position. In der Summe sind das dann ausreichend Gründe, um einen Vertrag zu verlängern.“
meinKA: Jetzt hast du natürlich mit Rafael Pinto Pedrosa einen jungen Spieler hinter dir, der einerseits sagt, dass er sich viel von dir abschaut, aber natürlich mehr und mehr Spielzeiten möchte. Wie gehst du als alter Hase damit um?
Sebastian Jung: „That’s business. Ich war auch mal jung und musste auf meine Chance warten und habe sie dann mit der Zeit bekommen und genutzt. Rafa hat für sein junges Alter schon sehr hohe Spielanteile gehabt, unabhängig jetzt von der Positionierung auf dem Platz und gezeigt, dass er Talent hat. Und klar ist ja auch, dass er spielen will. Ich möchte auch spielen. Das ist ja das Schöne, dass wir alle spielen wollen. Am Ende entscheidet der Trainer, wer spielt. Die Spieler müssen im Training Gas geben, und der Trainer sagt dann, wer spielt. Wenn der Trainer sich für mich entscheidet, freue ich mich. Und wenn es andersrum ist, werde ich Rafa von der Bank aus unterstützen. So ist das im Fußballgeschäft.“

| Quelle: aim
meinKA: Jetzt bricht mit Christian Eichner der Trainer im Sommer weg, unter dem du die meisten Spiele in deiner Karriere gemacht hast. Hat es dich in irgendeiner Form beeinflusst, als es um die Vertragsverlängerung ging?
Sebastian Jung: „Die Gespräche zum Vertrag und konkret zu der Vertragsverlängerung liefen nicht erst seit zwei Wochen, sondern das ging schon ein bisschen länger. Und ich finde es immer schwer, gerade jetzt in meinem Alter, die Zukunft vom Trainer abhängig zu machen. Ich glaube, wir hatten schon mehrmals in dieser Saison die Situation, dass es recht kritisch war.
Da kannst du ja dann nicht sagen: Ich verlängere jetzt nur, weil der Trainer bleibt. Da muss jeder Spieler selbst seinen Weg finden, wie er damit umgeht. Aber wie gesagt: Ich bin ja jetzt auch schon 35 und habe viele Erfahrungen gesammelt. Deswegen habe ich die Entscheidung auch nicht trainerabhängig gemacht. Klar, hätte ich mich sehr gefreut, wenn Eiche Trainer geblieben wäre. Aber es ist so entschieden worden, und ab Sommer gibt es etwas Neues.“
meinKA: Am Wochenende gab es ein 0:3 gegen ein Team, das ein bisschen weiter oben in der Tabelle steht. Was läuft bei einem SV Elversberg besser als bei euch aktuell?
Sebastian Jung: „Dass sie mit der ersten Torchance ein Tor gemacht haben am Freitagabend – und wir eben nicht. Das war schon mal ausschlaggebend für dieses eine Spiel. Wir hatten durch Wanne eine sehr gute Chance, die der Torwart gut hält. Dann hatten sie einen guten Spielzug durchs Zentrum, wo wirklich jeder Pass gestimmt hat, immer in den richtigen Fuß. Dann liegst du etwas aus dem Nichts mit 0:1 zurück.
Trotzdem haben wir im Vergleich zu den vergangenen Wochen fußballerisch einen Schritt nach vorne gemacht – auch wenn es im letzten Drittel noch nicht zwingend genug war.
Wir haben es ja auch analysiert: Wir kommen noch nicht oft genug zum Abschluss. Und das war das, was uns gegen Elversberg zum Verhängnis geworden ist. Das haben sie einfach besser gemacht. Die waren zielstrebiger, gerade in der zweiten Halbzeit. Vor allem in den ersten zehn, fünfzehn Minuten, da erhöhen sie dann schnell auf 3:0. Dann spielen wir eine halbe Stunde aufs Tor, aber wie gesagt, wir kamen gar nicht so richtig zum Abschluss. Ich kann mich an Lou erinnern, der am langen Pfosten vorbeischießt. Shio hatte auch noch eine Situation, in der er den Ball aber nicht richtig trifft.
Das hat uns einfach gefehlt am Freitag. Das war auch der Grund, warum wir relativ deutlich 0:3 verloren haben, wobei ich es auf dem Platz gar nicht so deutlich empfunden habe.“
meinKA: Mit welchem Gefühl geht ihr in die restlichen Spiele, auch wenn das Restprogramm relativ schwer ist? Ist es eine Extra-Motivation, dass man den Gegnern die Tour vermiesen kann?
Sebastian Jung: „Es geht nicht darum, den anderen die Tour zu vermiesen. Es geht darum, unsere Spiele zu gewinnen. Wenn es jetzt so ist, dass von den vier Gegnern noch drei von oben sind, dann ist das halt so. Das hat sich über die Saison so entwickelt. Wir können für den Spielplan nichts.
Es geht einfach darum, Woche für Woche Gas zu geben. Wir spielen auch noch dreimal zu Hause. Da wollen wir versuchen, in den verbleibenden Spielen noch mal ein gutes Niveau, ein hohes Level zu erreichen. Und dann geht es natürlich auch darum, dem Trainer einen schönen Abschied zu bereiten – einen positiven Abschied mit so vielen Punkten wie möglich. Und auch den Fans wollen wir natürlich etwas zurückgeben. Wie gesagt: Drei von vier Spiele sind zu Hause, da wollen wir zusammen nochmal richtig Gas geben.“
meinKA: Am Samstag geht es gegen Hannover, natürlich auch eines der Teams, die oben stehen. In der Vergangenheit habt ihr euch gegen 96 immer wieder schwergetan – woran liegt das?
Sebastian Jung: „Wenn ich ans Hinspiel denke, war es ähnlich wie jüngst in Elversberg. Das war auch relativ ausgeglichen, nur dass wir da gar nicht so viel Ballbesitz hatten – zumindest in den ersten 30 Minuten nicht. Aber da haben wir in der zweiten Halbzeit das 0:1 bekommen und sind dann hinterhergelaufen.
Sie werden gewinnen wollen und wahrscheinlich auch müssen, um oben dranzubleiben. Da müssen wir in den Zweikämpfen voll dagegenhalten. Es wird wahrscheinlich sehr viele Mann-gegen-Mann-Duelle auf dem Platz geben.“
meinKA: Was braucht es konkret, um das Spiel zu gewinnen?
Sebastian Jung: „Wir brauchen wieder unsere Ballbesitzphasen, um vielleicht mal durchatmen zu können und dem Gegner auch zu zeigen: Hey, ihr lauft vielleicht auch ein bisschen hinterher – es wird nicht ganz so einfach hier gegen uns. Das wird wichtig sein, denn sie werden sicherlich versuchen anzugreifen.
Dafür brauchen wir die Ruhe am Ball, um das Pressing situativ zu überspielen. Dann werden wir auch unsere Räume bekommen und unsere Torchancen kreieren. Da brauchen wir auch mal das nötige Glück und die Zielstrebigkeit, um das Tor zu machen –am besten auch mal in Führung zu gehen. Aber erstmal müssen wir zusehen, dass jeder voll da ist, weil es sonst ganz schwer wird, wenn wir am Wochenende nicht bei 100 Prozent sind.“