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Invasive Tiere: Jagd auf Ochsenfrösche in Karlsruhe – fast 7.000 Tiere wurden getötet

News Invasive Tiere: Jagd auf Ochsenfrösche in Karlsruhe – fast 7.000 Tiere wurden getötet

Quelle: Uli Deck/dpa
dpa

Mit Reusen, Tauchern und Schusswaffen gegen eine Invasion: Wie sich der Nordamerikanische Ochsenfrosch ausbreitet und was das für Teichbesitzer bedeutet.

Mit Kleinkaliberwaffen haben Fachleute im vergangenen Jahr in der Region um Karlsruhe fast 7.000 der invasiven Ochsenfrösche erschossen. Darunter waren 609 ausgewachsene Tiere sowie 6.378 Jungtiere, wie eine Sprecherin des Regierungspräsidiums Karlsruhe mitteilte.

 

Fast neunmal so viele Treffer wie 2024

Im Jahr davor seien es lediglich etwa 800 der Frösche gewesen, darunter 300 ausgewachsene. «2025 waren die (Witterungs-)Bedingungen für die Bejagung deutlich besser als 2024, sodass mit vergleichbarem Aufwand diese deutlich höhere Zahl von Tieren entnommen werden konnte», erklärte die Sprecherin.

Zudem seien im vergangenen Jahr rund 16.000 Kaulquappen aus den betroffenen Gewässern geholt worden, knapp zwei Drittel mit Reusen im Naturschutzgebiet Altrhein Kleiner Bodensee nordwestlich von Karlsruhe.

Die diesjährige «Jagdsaison» beginnt den Angaben nach dieser Tage. «Bereits aktiv sind die ehrenamtlichen Taucher, die ganzjährig Kaulquappen fangen», hieß es. Auch dieses Jahr sollen der Sprecherin zufolge Methoden der Fischerei weiter erprobt werden, um die laufenden Maßnahmen zu ergänzen.

 

Tiere werden rund 25 Zentimeter groß

Das Regierungspräsidium lässt die Tiere töten, weil die eingewanderte Art heimische Lebewesen bedroht. Denn von anderen Fröschen über Fische bis hin zu kleinen Vögeln frisst der Nordamerikanische Ochsenfrosch (Lithobates catesbeianus) im Grunde alles, was ihm vor das Maul kommt.

Die Tiere werden bis zu 25 Zentimeter groß und sind damit deutlich größer als heimische Frösche, wie es in einem Flyer der Behörde heißt. Das geht schon im frühen Stadium los: Die Kaulquappen werden bis zu 15 Zentimeter lang.

Ein Weibchen produziert bis zu 50.000 Eier beim Ablaichen. Daher vermehren sich die Tiere explosionsartig. Natürliche Feinde wie Krokodile, Alligatoren und Schlangen fehlen hierzulande. So kann der Ochsenfrosch sich ungehindert ausbreiten. «Er gilt am Oberrhein als gebietsfremde Art und vermehrt sich rasant», heißt es in dem Flyer weiter. «Auch in Gartenteichen wurde der Nordamerikanische Ochsenfrosch bereits gesichtet.»

 

Begrenztes Gebiet betroffen

Laut der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) kommt die Art hierzulande nur in der Oberrheinebene bei Karlsruhe vor. «Ein früheres Vorkommen bei Bonn ist schon vor 20 Jahren wieder verschwunden», erläuterte Geschäftsführer Axel Kwet. Jenes bei Karlsruhe hingegen habe sich gehalten «und ist leider in Expansion begriffen».

Es habe auch Regionen jenseits des Rheins – also in Rheinland-Pfalz – erreicht. Dort werde der Ochsenfrosch aber aktuell mit guten Prognosen bekämpft, erklärte Kwet. Im Gegensatz dazu dürfte dies in Baden-Württemberg seiner Einschätzung zufolge schwierig werden.

Nach früheren Angaben des Umweltministeriums ist davon auszugehen, dass die Ochsenfrösche in den 1990er Jahren in Baden-Württemberg ausgesetzt wurden und einige Gewässer seit mehr als 20 Jahren besiedelt sind. Dabei handele es sich zum Teil um größere Gewässer wie Baggerseen.

Betroffen sind die Kommunen Eggenstein-Leopoldshafen, Linkenheim-Hochstetten, der nördliche Stadtkreis Karlsruhe und Dettenheim. «2025 wurden keine neuen Gewässer besiedelt, das Verbreitungsgebiet hat sich nicht erweitert», teilte die Sprecherin des Regierungspräsidiums mit.

Vorletztes Jahr waren Ochsenfrosch-Kaulquappen aus einem eigens dafür ausgepumpten Biotopteich bei Ötigheim (Landkreis Rastatt) geholt worden; mutmaßlich hatten Menschen die Tiere dorthin verschleppt. Danach sei die Stelle mehrfach überwacht worden und es seien keine Ochsenfrösche mehr gefunden worden, erläuterte die Sprecherin dazu. «Eine Meldung eines adulten Ochsenfroschs erhielten wir aus der Rheinaue bei Ötigheim, dieser Fund konnte aber auch mit mehrmaliger Kontrolle nicht bestätigt werden.»

 

Drei Jahre bis zum Landgang

«Anders als die heimischen Amphibien heftet der Ochsenfrosch seinen Laich nicht an Wasserpflanzen an, sondern gibt diesen ins Freiwasser ab, sodass sich der Laich augenblicklich „zerfranst“, in alle Richtungen verteilt wird und daher in den großen Baggerseen nicht mehr zu detektieren ist», hatte das Umweltministerium einst in einer Antwort auf eine Anfrage der AfD erläutert. Daher könne der Laich nicht einfach aus den Gewässern geholt werden.

Ferner erläuterte das Ministerium: «Die Entwicklung der Kaulquappen des Ochsenfroschs kann in unseren Breiten bis zu drei Jahre andauern, in denen diese bis zum Landgang im Wasser verbleiben und somit auch in den Gewässern überwintern.» Die Randbereiche des Verbreitungsgebietes würden regelmäßig kartiert, um eine Ausbreitung in bisher unbesiedelte Gebiete umgehend zu erkennen und unterbinden zu können.

Sollten Gartenteichbesitzer ungewöhnlich große Kaulquappen oder Frösche feststellen, sollen sie das Regierungspräsidium informieren: per Mail an die Adresse invasivearten@rpk.bwl.de oder telefonisch unter 0721 926 4351.

 

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