News aus Baden-Württemberg
Karlsruher Generallandesarchiv mit Ausstellung zum Ersten Weltkrieg

News aus Baden-Württemberg Karlsruher Generallandesarchiv mit Ausstellung zum Ersten Weltkrieg

Quelle: Uli Deck

Das Schicksal von Dutzenden badischen Soldaten während des Ersten Weltkriegs dürfte vielen unbekannt sein: Nach Artilleriebeschuss wurden sie in einem Tunnel in Nordfrankreich verschüttet. Ihre Leichen wurden nie geborgen. Nun widmet sich dem eine Ausstellung.

Mit einer Ausstellung erinnert das Karlsruher Generallandesarchiv an das Schicksal deutscher Soldaten im Ersten Weltkrieg, die in einem Tunnel verschüttet wurden. Am 4. Mai 1917 beschossen Franzosen den Eingang des Winterberg-Tunnels bei Craonne am Chemin des Dames im Nordfrankreich mit schwerer Artillerie. «Ein Volltreffer brachte die am Eingang lagernde Munition zur Explosion und hat das Inferno ausgelöst, wobei auch der Hauptzugang verschüttet wurde», erläuterte Kurator Rainer Brüning. Rund 150 Soldaten – vornehmlich des badischen Reserve-Infanterie-Regiments 111 – starben den Angaben zufolge. Ihre Leichen wurden nie geborgen.

Vom 19. Mai bis 14. August ist die Präsentation «Der Tod im Winterberg-Tunnel. Eine Tragödie im Ersten Weltkrieg» im Generallandesarchiv Karlsruhe zu sehen. Eine Tunneloptik soll eine Anmutung des historischen Schauplatzes vermitteln. Erstmals zeigt die Schau Original-Grabungsfunde aus dem Unglücksstollen. Sie sei vor allem für junge Menschen konzipiert und an den Bildungsplan des Landes Baden-Württemberg angepasst, heißt es von den Machern. Das Landesarchiv bietet auch Arbeitsblätter für Schülerinnen und Schüler an.

Die Schau ist als Wanderausstellung gedacht und soll im Anschluss nach Konstanz (September/Oktober 2022), Brüssel (November/Dezember 2022) und in das Historial franco-allemand du Hartmannswillerkopf im Elsass (März bis Juni 2023) gehen. Weitere Stationen in Deutschland und Frankreich sind den Angaben nach in Planung.

Zur Zahl der toten Soldaten kursieren verschiedene Werte. Diese seien mehr oder minder geschätzt, erklärte Brüning. Er und sein Team haben militärische Unterlagen ausgewertet und kamen auf etwa 150 Tote, «von denen rund die Hälfte als im Winterberg-Tunnel verschüttet gelten kann, die andere Hälfte ist wohl in unmittelbarer Nähe umgekommen». Das damalige «Chaos der Schlacht» erschwere die Analyse. «Genaueres kann nur eine Öffnung des Tunnels ergeben.»

Diesen hatten französische Hobbyforscher erst 2020 wieder lokalisiert. Seither bestand die Gefahr von Raubgrabungen. «Diese hätten nicht nur eine Störung der Totenruhe der dort ums Leben gekommenen Menschen bedeutet, sondern hätten auch das Leben der an solchen Raubgrabungen Beteiligten massiv gefährdet, da das Gelände am Winterberg aufgrund der im Erdreich verborgenen Munitionsreste nach wie vor sehr gefährlich ist», heißt es in den Unterlagen des Generallandesarchivs. Das Tunnelgelände sei deshalb gesperrt worden und werde überwacht.

Anfang dieses Monats hatten Experten des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge und französischer Partner den Tunnel untersucht. Sie führten eine Bohrloch-Kamera in den Berg; wegen schlechter Sichtbedingungen waren aber keine präzisen Bilder aus dem Inneren möglich. «Der Hohlraum liegt sehr tief unter der Erde und kann nur mit größtem Aufwand erreicht werden», teilte der Volksbund jüngst mit. Die Stelle der Bohrung sei sorgfältig verschlossen worden. In den kommenden Wochen werde beraten, wie weiter vorgegangen wird.

 

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