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Kretschmanns Abschiedsreise: Ein Ministerpräsident unterwegs

News Kretschmanns Abschiedsreise: Ein Ministerpräsident unterwegs

Quelle: Marijan Murat/dpa
dpa

Kretschmann hat als Landeschef die ganze Welt gesehen. Nun bricht er zu seiner letzten richtigen Auslandsreise auf. Weit hat er es diesmal nicht.

Nach knapp 15 Jahren im Amt bricht Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Montag zu seiner letzten richtigen Auslandsreise als Regierungschef auf. Der 77-Jährige, seit fast 15 Jahren im Amt, besucht drei Tage lang die französische Region Grand Est rund um Straßburg sowie den Schweizer Kanton Zürich.

Warum ist diese Reise wichtig?

Weil sie einen gewissen Schlusspunkt markiert für Kretschmann, der nur noch wenige Monate im Amt ist. Mittlerweile ist er der dienstälteste Ministerpräsident in der Geschichte Baden-Württembergs. Zugleich zählt er in Deutschland zu den Länderchefs, die am längsten im Amt sind – nur Reiner Haseloff in Sachsen-Anhalt regiert noch etwas länger. Da kommt man ordentlich herum in der Welt: Kretschmann hat seit 2011 insgesamt 30 Delegationsreisen absolviert.

Wo war er denn überall?

So manches Reiseziel war in wenigen Stunden mit dem Reisebus erreichbar, für andere Ziele musste er quer um die ganze Welt fliegen. So war Kretschmann schon in Argentinien unterwegs, besuchte Japan, China, Israel und Indien. Ganz besonders angetan haben es ihm die USA: Insgesamt dreimal, nämlich 2015, 2018 und 2022, besuchte der Regierungschef die Vereinigten Staaten. Nicht immer verliefen die Reisen glatt. So saß Kretschmanns ganze Delegation 2018 mal wegen eines Tornados stundenlang am Flughafen im kanadischen Ottawa fest.

Die Außenpolitik spielt aber doch in Berlin – warum reist ein Ministerpräsident überhaupt ins Ausland?

Weil internationale Zusammenarbeit auch auf Länderebene bedeutsam ist. Bei den meisten Reisen geht es um Wirtschaft und Wissenschaft, aber auch um politische Beziehungen. Da werden Kontakte geknüpft, Hände geschüttelt und Absichten geklärt. Das funktioniert wie bei Reisen der Bundesregierung, nur eine Ebene darunter. Wenn Kretschmann nach Frankreich reist, dann trifft er eben nicht Präsident Emmanuel Macron, sondern – wie nächste Woche auch – den Präsidenten der französischen Grenzregion Grand Est.

Wie reist ein Ministerpräsident eigentlich?

Ähnlich wie bei Regierungsvertretern im Bund hat Kretschmann eine kleinere bis große Delegation dabei – Minister, Fachleute aus Ministerien und Behörden, Journalisten, aber auch Vertreter von Unternehmen oder Universitäten. Dazu Personenschützer, Fahrer, Dolmetscher. Allerdings kann Kretschmann im Gegensatz zu Kanzler Friedrich Merz nicht auf die Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums zurückgreifen. Er kommt mit seinen Leuten meist mit einem ganz gewöhnlichen Linienflug ans Ziel. Für seine letzte Reise steht ein Reisebus parat – nach Straßburg sind es ja nur gut zwei Stunden.

Wie sieht der Ablauf einer solchen Reise aus?

Termine, Termine, Termine – das Tagesprogramm ist für einen Länderchef schon zu Hause ziemlich dicht, im Ausland umso mehr. Natürlich wird versucht, so viel Inhalt wie möglich in die knappe Zeit zu packen. Bedeutet für die Teilnehmer: Früh aufstehen, spät ins Bett gehen, und dazwischen unzählige Begegnungen, Vorträge, Treffen, Impulse. Da raucht der Kopf. Kretschmann selbst betonte immer wieder, dass die Reisen für ihn nicht besonders genüsslich sind, sondern sehr anstrengend. Aber einer der Lieblingssprüche des 77-Jährigen lautet ja auch: «Politik macht keinen Spaß, sondern Sinn.»

Was genau hat Kretschmann in Frankreich und der Schweiz vor?

Mehrfach führte es Kretschmann bereits in die beiden Länder. Mit dem Programm will Kretschmann unterstreichen, wie wichtig ihm die zwei Nachbarn und die Zusammenarbeit in Europa grundsätzlich sind – gerade in turbulenten Zeiten der geopolitischen Umwälzungen. So geht es etwa um die Kooperation in der Verteidigungsindustrie sowie in der Luft- und Raumfahrt. Kretschmann will auf dem Trip Unternehmen und Forschungszentren besuchen. Aber auch kulturelle Punkte stehen auf dem Programm: wie die Gedenkstätte Hartmannswillerkopf bei Mulhouse im Elsass, die an die Opfer des Ersten Weltkriegs erinnert.

Wie wichtig sind die Schweiz und Frankreich für den Südwesten?

Die Beziehungen zu den beiden Grenzländern sind für Baden-Württemberg von enormer Bedeutung – wirtschaftlich, wissenschaftlich und politisch. Die Schweiz ist sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten der zweitwichtigste Handelspartner des Landes. Zehntausende Grenzgänger pendeln zudem vom Südwesten in die Schweiz. Baden-Württemberg versteht sich gegenüber der EU als Brückenbauer für die Schweiz. Kretschmann betont immer wieder die Bedeutung der Zusammenarbeit bei der Forschung.

Auch mit Frankreich pflegt Baden-Württemberg intensive wirtschaftliche Beziehungen. Baden-Württemberg exportierte 2024 Waren im Wert von knapp 18 Milliarden Euro dorthin. Frankreich ist zudem das Land mit der längsten Grenze zu Baden-Württemberg – rund 180 Kilometer ist sie lang.

Ist es wirklich Kretschmanns allerletzte Reise?

Da ist laut Staatsministerium gar nicht so sicher. Kretschmann will zwar bei der Landtagswahl selbst nicht mehr antreten, es könne aber sein, dass er kurz nach der Wahl am 8. März nochmal ins Ausland reist, um sich zu verabschieden. Konkrete Planungen dafür gibt es aber noch nicht. Dabei dürfte es dann auch nicht mehr viel um Inhalte gehen.

 

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