News aus Baden-Württemberg
Mehr als 100 Täuschungsversuche mit falschen Impfpässen

News aus Baden-Württemberg Mehr als 100 Täuschungsversuche mit falschen Impfpässen

Quelle: Marijan Murat

Mehr Freiheiten ohne Impfung – um das zu erreichen, versuchen immer wieder Menschen, sich digitale Impfzertikate in Apotheken zu erschleichen. Viele Fälle bleiben wohl unentdeckt – auch, weil die Überprüfung von Impfpässen nicht einfach ist.

Immer wieder versuchen Menschen in Apotheken im Südwesten, sich ohne Impfung digitale Corona-Impfzertifikate zu erschleichen. «Die Fälle scheinen sich zu häufen», sagte der stellvertretende Geschäftsführer des Landesapothekerverbands (LAV), Frank Eickmann, in Stuttgart. «So spiegelt uns das auch die Polizei.» Nach Angaben des Landeskriminalamts (LKA) Baden-Württemberg liegt die Zahl der gemeldeten Fälle derzeit «im unteren dreistelligen Bereich». Ob die Zahlen zuletzt gestiegen oder gefallen seien, lasse sich wegen der geringen Werte aktuell nicht sicher sagen.

«Es wird dabei aber eine gewisse Dunkelziffer geben», sagte LAV-Sprecher Eickmann. «Es gibt in solchen Fällen keine Meldepflicht für Apotheken.» Das Hauptproblem bei der Ausstellung von digitalen Impfzertifikaten sei, dass Impfausweise nicht fälschungssicher sind. «Es gibt keine Sicherheitsmerkmale wie ein Wasserzeichen», sagte Eickmann. Außerdem würden die Daten nicht aktualisiert: Wenn jemand heirate oder umziehe, könnten sich die Angaben auf dem Impfbuch von denen auf dem ebenfalls vorzuzeigenden Personalausweis unterscheiden.

«Was bleibt, ist, dass die Apotheken nach bestem Wissen und Gewissen prüfen», sagte Eickmann. Dabei würden Stempel von Hausarztpraxen genau so unter die Lupe genommen wie Chargen-Nummern der Impfstoffe. «Es ist auch nicht ganz selten, dass in Impfausweisen kein einziger Eintrag außer zwei Corona-Impfungen enthalten ist», sagte Eickmann. Dann werde das Dokument ebenfalls genauer geprüft. «Am Ende haben wir aber keine endgültige Fälschungssicherheit», sagte Eickmann.

Zuletzt hatte die Polizei unter anderem aus Weil am Rhein (Landkreis Lörrach) und Mengen (Landkreis Sigmaringen) mutmaßliche Fälle von gefälschten Impfnachweisen gemeldet. Insgesamt fünf Männer und eine Frau hatten versucht, damit digitale Impfnachweise in Apotheken zu erhalten. In beiden Fällen wurden die Mitarbeiter stutzig. So war in den Impfbüchern der beiden Männer in Mengen nach Angaben der Polizei Impfstoff eingetragen, der im angegebenen Impfzentrum gar nicht gespritzt wurde.

Es handle sich in solchen Fällen «überwiegend» um Einzeltäter, die auf ein «geringes Entdeckungsrisiko» vertrauten, sagte ein LKA-Sprecher. «Straf- und zivilrechtliche Konsequenzen werden hierbei vorsätzlich in Kauf genommen.» Wer Impfausweise fälscht, kann demnach wegen Gebrauchs unrichtiger Dokumentation oder Urkundenfälschung vor Gericht landen. Je nach Art des Falls seien auch Ermittlungen wegen Körperverletzung möglich, teilte das LKA mit. Als Konsequenzen einer Verurteilung könnten Geldstrafen oder mehrere Jahre Haft drohen.

 

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